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"COMPASS hat mich überzeugt"

Sie haben den COMPASS-Bericht zu den Erfahrungen mit der Pflegeberatung wissenschaftlich begleitet. Welches Fazit ziehen Sie?


Roes: Die Pflegeberatung ist eine sehr wichtige Innovation zur Stabilisierung der häuslichen Versorgung. Die Pflegeberaterinnen von COMPASS handhaben die unterschiedlichen Beratungsanforderungen in ihren komplexen Situationen sehr kompetent. Positiv sind auch die regionale Gliederung und der implizite Teamcharakter in der Organisation. Das wirkt sich unmittelbar positiv auf die Beratungsqualität aus. Ein unschätzbarer Wert für die Betroffenen ist auch, dass die Beraterinnen und Berater Zeit mitbringen. Sie können das Vertrauen der Familien gewinnen und aufrechterhalten, um so auf Verhaltensänderungen hinzuwirken.

Was würden Sie als Wissenschaftlerin dem Gesetzgeber für die weitere Ausgestaltung der Pflegeberatung empfehlen?


Roes: Gute Pflegeberatung ist aus dem System nicht mehr wegzudenken. Sicherlich gibt es an verschiedenen Stellen noch Entwicklungsbedarf. Ich könnte mir etwa Qualifikationsstandards mit Akkreditierung für anbietende Organisationen vorstellen. Dies würde sicherlich zur weiteren Professionalisierung beitragen. COMPASS hat die Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits auf einen qualitativ hohen Standard gehoben. Auch ein nationaler Expertenstandard zur Pflegeberatung wäre ein Beitrag zur Qualitätssicherung.

Der Gesetzgeber hat den Grundsatz ambulant vor stationär vorgegeben. Ist die häusliche Versorgung auf jeden Fall vorzuziehen?


Roes: Der größte Teil der Pflegebedürftigen und auch der Angehörigen wünscht sich eine Versorgung im häuslichen Umfeld. Aus verschiedenen Studien wissen wir zudem, dass der Verbleib im vertrauten Umfeld sich positiv auf die Lebensqualität auswirkt. Allerdings sollte die ambulante Versorgung immer unter der Prämisse der gewährleisteten Versorgungs- und Betreuungsqualität betrachtet werden. Der Gesetzgeber kann nicht zwangsläufig davon ausgehen, dass Familienangehörige die Pflege übernehmen, deshalb sind alternative und darüber hinausgehende Strukturen unabdingbar.


Würden Sie sich in einer Pflegesituation an COMPASS wenden?


Roes: Unbedingt. Die systematische und strukturierte Vorgehensweise, beginnend beim erstem Telefonkontakt bis hin zur Beratung vor Ort überzeugen mich. Wichtig ist auch, dass die Beratung sowohl den Pflegebedürftigen als auch das familiäre Netzwerk einbezieht und so vorhandene Kompetenzen berücksichtigt.

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