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PKV PUBLIK AUSGABE 03/2011

EDITORIAL


Liebe Leserinnen und Leser,

der Entwurf für eine Novelle der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), den das Bundesgesundheitsministerium soeben vorgelegt hat, sieht eine Ausweitung der Honorare um 6 Prozent vor. Das ist deshalb schwer nachvollziehbar, weil die Honorare aus dieser Gebührenordnung bereits seit vielen Jahren überdurchschnittlich stark steigen.

In den vergangenen 10 Jahren haben sich die Ausgaben der privaten Krankenversicherung für Zahnmedizin überproportional erhöht: von 359 Euro je Vollversicherten im Jahr 1999 auf 488 Euro im Jahr 2009. Das entspricht einem Anstieg von 36 Prozent, also mehr als dem Doppelten der allgemeinen Preissteigerung, die im selben Zeitraum bei 17 Prozent lag. Ein Nachholbedarf für die Zahnärzte ist also weit und breit nicht zu erkennen.

Die PKV ist und bleibt bereit, auf der Basis transparenter Kostendaten gemeinsam mit der Zahnärzteschaft eine moderne GOZ mit betriebswirtschaftlicher Kalkulationsgrundlage zu entwickeln. Das ist beim vorliegenden GOZ-Entwurf nicht geschehen.

Jetzt muss zumindest sichergestellt werden, dass sich die Änderungen nicht noch viel teurer auswirken als vom Gesundheitsministerium geplant. Denn von jeder Honorarausweitung sind nicht nur die 8,9 Millionen Privatversicherten betroffen, sondern auch alle rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten. Sie müssen infolge der Leistungskürzungen der gesetzlichen Krankenkassen große Teile der Zahnarztleistungen heute selbst zahlen – wobei diese Kosten nach GOZ abgerechnet werden. Die Veränderungen betreffen also letztlich alle Versicherten in Deutschland.

Bedauerlich ist zudem, dass der Entwurf des Gesundheitsministeriums keine „Öffnungsklausel“ für Vertragsverhandlungen zwischen PKV und Zahnärzten enthält. Diese Klausel ist notwendig, um über die starren Strukturen der staatlichen Gebührenordnung hinaus partnerschaftliche Regelungen für Qualitätsstandards in der Behandlung vereinbaren zu können.

Nun ist die GOZ-Novelle lediglich eine Anpassung im hergebrachten System. Anders sieht es bei der geplanten Reform der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) aus. Hier steht eine grundlegende Strukturreform bevor. Der Entwurf für die GOZ ist daher keinerlei Vorentscheidung für eine neue GOÄ. Die PKV hat ein schlüssiges Konzept für eine moderne, transparente Gebührenordnung für Ärzte vorgelegt. Die ist seit Jahrzehnten überfällig.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Volker Leienbach