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„Wir wollen Kommunen in der Alkohol- und Suchtprävention bei Jugendlichen unterstützen“

© BZgA

 

20.11.2019

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der BZgA-Jugendkampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ haben wir mit PKV-Geschäftsführer Timm Genett über das Engagement der Privaten Krankenversicherung in der Alkoholprävention gesprochen.

Die PKV unterstützt „Alkohol? Kenn dein Limit.“ seit 2009. Wieso ist der PKV das Thema Alkoholprävention bei Jugendlichen ein Anliegen?

Seit 2009 hat die Private Krankenversicherung über 80 Millionen für die Prävention von riskantem Alkoholkonsum bei Jugendlichen ausgegeben. Vor zehn Jahren waren die Zeitungen nämlich voll von Schlagzeilen über Trinkexzesse und das „Komasaufen“ von Jugendlichen, was heute zum Glück wieder weitgehend aus den Medien verschwunden ist – auch weil „Alkohol? Kenn dein Limit.“  und weitere Präventionsaktivitäten schon viel bewirkt haben. Damals mussten wir feststellen, dass die Jugend-Alkoholprävention einen großen gesellschaftlichen Bedarf darstellt. Alkohol ist eine legale Droge, die legal beworben werden darf. Der Konsum ist gesellschaftlich verankert, unter anderem in Traditionen wie Festen. Es gab also dringend Handlungsbedarf, jungen Menschen im Umgang mit dieser Droge Kompetenzen zu vermitteln.

Dazu kommt die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Alkoholmissbrauch gerade im jugendlichen Organismus bleibende Schäden verursachen kann, weil sich in diesem Alter der Körper stark entwickelt. Und dass man spätere Suchtbiografien umso erfolgreicher verhindern kann, wenn man in jungen Jahren interveniert, um das Erlernen problematischer Trinkgewohnheiten zu vermeiden und Lebenskompetenzen zu stärken.

Was sehen Sie im Rückblick als persönliche Highlights der Kampagne?

Ein Highlight ist natürlich der Ansatz als solcher: eine Kombination von Aufklärung und Kompetenzvermittlung, Verhaltens- und Verhältnisprävention, wobei auch die Lebensweltenprävention eine wichtige Rolle spielt. Das finden wir als Mitglied der Nationalen Präventionskonferenz schon einmal grundsätzlich sehr gut. Beeindruckend finde ich auch die vielen spielerischen Elemente, um Kompetenzen zu vermitteln, und den Ansatz, die Zielgruppe über sogenannte „Peers“ auf Augenhöhe zu erreichen. Die Kampagne will keine Verbotskultur etablieren – die wäre wahrscheinlich ohnehin wirkungslos verpufft – sondern zum gesundheitsbewussten Konsum befähigen.

Wo sehen Sie zukünftige Handlungsfelder in der Alkoholprävention bei Jugendlichen?

Wenn wir uns die Entwicklung des Trinkverhaltens anschauen, können wir feststellen, dass wir bei jungen Menschen bis zum Alter von 18, maximal 20 Jahren sehr erfolgreich waren. Da haben wir den riskanten Alkoholkonsum deutlich eindämmen können. Im Alter ab 18 Jahren taucht das Problem aber wieder auf. Wir dürfen daher nicht nur im klassischen schulischen Kontext unterwegs sein, um die Jugendlichen in der Lebenswelt Schule zu erreichen. Wir müssen auch an Berufsschulen und an Hochschulen gehen. Wir müssen unsere lebensweltlichen Aktivitäten verstetigen und ausbauen.

Und dabei geht es nicht nur um Erkenntnis und Wissensvermittlung. Problematischer Alkoholkonsum basiert nicht nur auf Unkenntnis; er hat tiefere Ursachen, beispielsweise in Familien mit Suchtbelastung. Hier müssen wir daran arbeiten, dass wir nicht nur diejenigen erreichen, die man mit Präventionsangeboten generell sehr schnell erreicht. Sondern wir müssen auch sozial Benachteiligte erreichen. Das geht nicht mehr allein über eine Kampagne. Sondern dafür müssen wir verschiedene Akteure der Suchtprävention mit ins Boot holen, Akteure vor Ort, die kommunal verankert sind.

Aus diesem Grund wird es ein neues Servicecenter für kommunale Alkoholprävention geben. Hier werden Angebote und Tools bereitgestellt, um im Netzwerk- und Kooperationsmanagement vor Ort individuell und bedarfsbezogen zu unterstützen.

 

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