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Was Pflegekräfte über Technik in ihrem Beruf denken

Pflegerin zeigt älteren Mann ein Smartphone

© istock: Jovanmandic

 

01.10.2019

Roboter, Sensoren oder Hebehilfen – in der ambulanten und stationären Pflege hält immer mehr Technik Einzug. In der deutschen Bevölkerung kommt das scheinbar gut an: Mehr als die Hälfte der Deutschen meint, dass die Digitalisierung den Fachkräftemangel abmildern kann. Mehr als sieben von zehn Bundesbürgern erkennt in digitalen Anwendungen die Chance, Pflegekräfte körperlich zu entlasten, so eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom vom Oktober 2018. Die Befragten zeigten sich mehrheitlich optimistisch, dass in den nächsten Jahren elektronische Pflegeakten, GPS-Ortung von Demenzerkrankten oder telemedizinische Angebote einen festen Platz im Pflegealltag finden.

ZQP-Studie erforscht das Meinungsbild von Pflegekräften zum Technikeinsatz

Die Bitkom-Umfrage lässt allerdings im Dunkeln, wie die Pflegekräfte selbst über die technischen Entwicklungen in ihrem Berufsfeld denken. Die Akzeptanz bei den Pflegerinnen und Pflegern ist dabei eine wichtige Voraussetzung, damit Technik überhaupt einen gewinnbringenden Einsatz in der Pflege leisten kann. Deshalb ist das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) zusammen mit der Charité der Frage nachgegangen, was professionell Pflegende über den Einsatz von Technik und Digitalisierung in ihrem Beruf denken. Dafür wurden 355 Pflegefachkräfte ausführlich online zum Thema befragt.   

Die Ergebnisse der Umfrage weisen darauf hin, dass Pflegefachkräfte sich selbst eine hohe Technikaffinität zuschreiben. Die Befragten äußerten eine starke Begeisterung für elektronische Geräte und schätzten die Einsatzfolgen eher positiv ein. 96 Prozent der Befragten gaben an, technische Assistenzsysteme zu nutzen, wenn diese am Arbeitsplatz verfügbar sind.

Technikeinsatz ja, aber…

Die Akzeptanz und Einstellung gegenüber technischen Hilfsmitteln hängt aber maßgeblich von der pflegerischen Tätigkeit ab. Die befragten Pflegekräfte sehen den Technikeinsatz bei der sozialen und emotionalen Unterstützung von Pflegebedürftigen deutlich kritischer, als dies etwa bei der körperlichen Unterstützung, Dokumentation der pflegerischen Maßnahmen oder bei der Überwachung der Vitalfunktionen der Fall ist.

„Der Mangel an menschlichem Personal darf nicht dazu führen, dass Technik als Lösung gesehen wird. Technik ist nur so gut wie die, die sie einsetzen und nutzen“, kommentiert eine Altenpflegerin. Eine Intensivpflegerin sagt: „Solange es nur um Monitoring und Unterstützung geht, ist es okay. Sobald Technik Pflegehandlungen übernimmt, die der menschlichen Zuwendung bedürfen, ist es schlecht.“

Für über die Hälfte der Befragten ist der Einsatz von Technik somit auch mit dem Verlust menschlicher Wärme verbunden. Die Befragten beurteilten technische Geräte zur sozialen und emotionalen Unterstützung als am stärksten im Kontrast stehend zum Berufsbild der Pflege.

Technik darf nicht das pflegerische Selbstverständnis beschädigen

Ein Fazit der Studie: Die abwägende Haltung der befragten Pflegefachkräfte sollte auch in der Diskussion um die sinnvolle technische Unterstützung pflegerischer Tätigkeiten wahrgenommen werden. „Der Einsatz von Technik sollte dazu beitragen, absehbare Probleme in Umfang und Qualität pflegerischer Versorgung abzumildern, gleichzeitig jedoch nicht den Kern eines professionellen pflegerischen Selbstverständnisses beschädigen“, heißt es abschließend im Projektbericht.

Den kompletten Projektbericht können Sie hier aufrufen.

 

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