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„Telematik-Tarife können dem Verbraucher dienen“

© istock @Xsandra

 

22.05.2019

Die Verbraucherschutz-Ministerkonferenz beschäftigt sich bereits seit 2016 mit „Telematik-Tarifen im Versicherungsbereich“. Ein Ergebnis ihrer Beratungen soll zeitnah vorgelegt werden. Im Interview erläutert der Geschäftsführer Politik im PKV-Verband, Timm Genett, warum eine zu starke Regulierung die falsche Lösung wäre.

Worum geht es bei der Debatte um sogenannte Telematik-Tarife?

Es geht vor allem um die Frage, inwieweit die Möglichkeit, Gesundheitsdaten digital zu erheben, Auswirkungen auf die PKV-Beiträge haben kann. Können Versicherte also künftig mit gesundheitsbewusstem Verhalten ihre Prämie günstig beeinflussen? Derzeit ist das nicht möglich; einige Verbraucherschützer befürchten aber, dass es künftig möglich sein wird.

Warum soll das schlecht sein?

Die Kritiker befürchten eine Entsolidarisierung innerhalb der PKV-Tarifwelt. Durch stärkere Beitragsunterschiede als bisher und durch neue Formen der Risikoselektion könnten Versichertengruppen benachteiligt werden, so die Befürchtung. Das stimmt aber nicht.

Wieso kann es Telematik-Tarife mit Beitragsvorteilen in der PKV nicht geben?

Schon ein Blick auf unsere Kalkulationsvorschriften zeigt, dass es sich um eine Phantom-Debatte handelt: PKV-Tarife, die ein individuelles Gesundheitsmonitoring mit günstigeren Beiträgen belohnen, sind schlicht nicht vereinbar mit unseren rechtlichen Vorgaben.

Das Gesetz macht klare Vorgaben: Der PKV-Beitrag wird nach Alter, Gesundheitsrisiko und Leistungsumfang zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses kalkuliert. Bestimmte Verhaltensmerkmale kann ein Unternehmen zwar theoretisch bei der Risikoprüfung berücksichtigen, sofern es dafür statistisch valide Daten gibt. Nach Vertragsschluss dürfen Änderungen des individuellen Risikos aber keine Beitragsänderungen mehr nach sich ziehen.

Das heißt, die PKV kann beim Thema Anreize für gesundheitsbewusstes Verhalten gar nicht aktiv werden?

Doch, durchaus, und das ist der Punkt, an dem ich die Verbraucherschützer vor zu scharfer Regulierung warnen möchte: Aus unserer Sicht sind sehr wohl Anreize sinnvoll, die Potential für die Gesundheit der einzelnen Versicherten und für die finanzielle Entlastung des Kollektivs bieten.

Viele PKV-Tarife setzen beispielsweise Beitragsrückerstattungen zur Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens ein. Soweit dadurch Verhaltensweisen motiviert werden, die es ohne diesen Anreiz nicht gegeben hätte, wäre das letztlich ein Beitrag zur Prävention. Darüber hinaus ermöglicht digitales Gesundheitsmonitoring Verbesserungen im „case management“ von chronisch Kranken. Denn im Zuge der technischen Entwicklung macht es natürlich Sinn, dass solche Programme künftig mit digitaler Datenübermittlung laufen. Durch beides können sich nachweisbare Einsparungen ergeben; der Vorteil für den Einzelnen wäre dann auch ein Vorteil fürs Kollektiv. Es geht also weniger um Wettbewerb als um Prävention, weniger um Selektion als um optimales Versorgungsmanagement – gerade bei Kranken.

Stichwort Datenschutz: Gibt es hier vielleicht Probleme?

Nein, denn im sensiblen Bereich der Gesundheitsdaten muss die PKV die strengen Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes beachten: So darf es keine Datenübertragung und keine Verwendung ohne vorherige Einwilligung der Versicherten geben; darüber hinaus  muss die PKV ausreichende Sicherheitsstandards nach dem Stand der Technik garantieren, um Versichertendaten vor dem Zugriff von Dritten zu schützen. Und natürlich gilt auch hier aufgrund der gesetzlichen Vorgaben: Datenspuren im Internet sind für die Kalkulation tabu.

 

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