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Studie: Dispo der Sozialen Pflegeversicherung ist knallrot

Studie: Dispo der Sozialen Pflegeversicherung ist knallrot

© istock: @erhui1979

 

02.05.2019

Auf die Beitragszahler von morgen wartet ein ungedeckter Scheck in gewaltigen Dimensionen. Denn in der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) sind seit ihrer Einführung im Jahr 1995 versteckte Schulden in Höhe von 435 Milliarden Euro aufgelaufen. Das hat das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) in einer aktuellen Studie ermittelt.

Zum Vergleich: Der gesamte Bundeshaushalt in diesem Jahr – also alles, was der deutsche Staat für Arbeitsmarkt, Familien, Verteidigung, Infrastruktur, Beamtengehälter und vieles mehr an Aufgaben ausgibt – beträgt „nur“ 370 Milliarden Euro und ist damit deutlich geringer.

 
Grafik: WIP-Studie zur Verschuldung der Sozialen Pflegeversicherung

© PKV-Verband

 

Soziale Pflegeversicherung ohne nachhaltige Finanzierung

Die implizite – oder versteckte – Schuld der Sozialen Pflegeversicherung besteht aus Leistungsversprechen, die durch die Beitragszahlungen von heute noch nicht gedeckt sind.

Denn anders als bei ihrer kapitalgedeckten „Schwester“ für die Versicherten der Privaten Krankenversicherung baut die Pflegeversicherung der gesetzlich Versicherten so gut wie keine Rücklagen für den demografischen Wandel auf. Sie lebt sozusagen „von der Hand in den Mund“, da stets die aktuelle Generation der Beitragszahler die Kosten der aktuell Pflegebedürftigen tragen muss – egal wie sich die Größe der Gruppen in Zukunft verändert.

Dagegen hat die Private Pflegeversicherung für die künftigen Ansprüche ihrer (deutlich weniger) Versicherten seit 1995 Rücklagen in Höhe von über 36 Milliarden Euro aufgebaut.

Immer mehr Pflegebedürftige in Deutschland

Seit 1995 sind alle krankenversicherten Menschen in Deutschland verpflichtet, sich in der Sozialen oder in der Privaten Pflegeversicherung abzusichern. Im Zuge des demografischen Wandels hat die Zahl der Geburten seitdem fast durchgehend abgenommen, während die Zahl der über 70-Jährigen deutlich gestiegen ist. Die Anzahl der Pflegebedürftigen hat sich inzwischen sogar verdreifacht.

Und diese Entwicklung geht weiter, denn der Ruhestand der gesamten Generation der Babyboomer steht noch bevor. Auch ohne weitere Leistungsausweitungen seien daher „hohe Finanzierungslasten im Umlagesystem angelegt“, warnen die Forscher des WIP. So zeigt das WIP in einer weiteren Studie zur Finanzentwicklung der Sozialen Pflegeversicherung, dass der Pflege-Beitragssatz allein durch die Alterung der Gesellschaft bis 2040 auf mindestens 4,1 Prozent steigen muss.

 
Grafik: WIP-Studie zur Beitragsentwicklung in der Sozialen Pflegeversicherung

© PKV-Verband

 

Warnung vor „Vollkasko“ in der Pflege

Besonders dramatisch würde es, wenn die Bundesregierung Forderungen umsetzen würde, die Pflegeversicherung in eine sogenannte Vollversicherung umzubauen oder die Eigenanteile in Pflegeeinrichtungen zu deckeln, wie der Stadtstaat Hamburg es in einer Bundesratsinitiative vorgeschlagen hat.

„Jede Ausweitung von Leistungen erhöht die Finanzierungsansprüche gegenüber jüngeren Generationen im Umlageverfahren“, warnt das WIP. Daher sollten weitere Leistungsausweitungen in der Pflegeversicherung – wenn sie denn schon erfolgen – zumindest „nicht im Umlagesystem finanziert werden, zumal die jüngeren Generationen auch für die Leistungen in anderen Sozialversicherungszweigen aufkommen müssen.“

Kapitaldeckung als Lösung

Unproblematisch wäre es stattdessen, mehr Pflege-Leistungen als bisher im Kapitaldeckungsverfahren abzusichern. Bei diesem in der PKV üblichen Finanzierungsverfahren werden die Beiträge so kalkuliert, dass sie bei gleichbleibenden Rechnungsgrundlagen über das gesamte Leben der Versicherten konstant sind.

Die Versicherung bildet für Versicherte mit jungem Lebensalter Überschüsse, legt diese am Kapitalmarkt an und löst sie im Alter wieder auf. Damit sorgt jede Generation für sich selbst vor – nachhaltig, generationengerecht und ohne versteckte Schulden.

 

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