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Sorge vor „Self-Tracking-Tarifen“ in der PKV unbegründet

© iStock @DragonImages

 

07.11.2019

Fitness-Tracker und Smartwatches erfreuen sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Die Träger können mit Hilfe dieser digitalen Technologien nicht nur ein eigenes Bewegungsprofil erstellen oder ihre sportlichen Aktivitäten messen, sondern auch Gesundheitsdaten wie die Herzfrequenz oder den Blutzuckerspiegel erfassen und auswerten.

Die Hessische Landesregierung befürchtet nun, dass Versicherungsunternehmen auf Basis der neuen Technologie Tarife entwickeln, in denen sich das gesundheitsbewusste Verhalten der einzelnen Versicherten günstig auf den PKV-Beitrag auswirken kann. Daher hat sie im Oktober im Bundesrat einen Entschließungsantrag (PDF-Dokument) eingebracht, mit dem die Versicherten vor der Verwertung dieser Daten für diesen Zweck geschützt werden sollen.

Sind Telematik-Tarife mit Beitragsvorteilen in der PKV überhaupt möglich?

In der Antragsbegründung kommt vor allem die Sorge zum Ausdruck, dass Self-Tracking-Tarife zu einer Entsolidarisierung innerhalb der PKV-Tarifwelt führen könnten. Zudem wird auf die Gefahr hingewiesen, dass bei den Versicherten ein „ökonomischer Druck zur Preisgabe ihrer höchstpersönlichen Gesundheitsdaten“ entstehen könnte. Die Bundesregierung solle deshalb die Erhebung von Gesundheitsdaten für die Tarifgestaltung grundsätzlich für unzulässig erklären.

Bereits seit 2016 haben sich die Verbraucherschutzminister der Länder mit „Telematik-Tarifen im Versicherungsbereich“ beschäftigt und dabei auch die Rahmenbedingungen der Privaten Krankenversicherung berücksichtigt. Der PKV-Verband hat schon damals darauf hingewiesen, dass die Kalkulationsvorschriften für die Private Krankenversicherung die diskutierten Telematik-Tarife ausschließen.

Telematik-Tarife in der PKV sind eine Phantom-Debatte

„PKV-Tarife, die ein individuelles Gesundheitsmonitoring mit günstigeren Beiträgen belohnen, sind schlicht nicht vereinbar mit unseren rechtlichen Vorgaben“, stellt PKV-Geschäftsführer Timm Genett im Interview auf PKV.de klar. Denn die PKV-Unternehmen müssen die Risikoprüfung für den PKV-Beitrag laut Gesetz vor Vertragsabschluss durchführen. Veränderte Risiken, zum Beispiel durch einen besonders gesunden Lebensstil, dürfen sich danach nicht mehr auf die Prämie auswirken.

Stattdessen bestehe die Gefahr, dass Verbraucherschützer und Politiker mit einer scharfen Regulierung die Nutzung innovativer Anwendungen verhinderten, die viele Möglichkeiten für das Versorgungsmanagement per digitaler Datenübermittlung von chronisch Kranken bieten, warnt Genett. Beim digitalen Gesundheitsmonitoring gehe es nicht um Beitragskalkulation und Selektion, sondern um das Potenzial für die Gesundheit der einzelnen Versicherten und für die finanzielle Entlastung des Kollektivs, erläutert Genett die Chancen. Dabei würden selbstverständlich die strengen Vorschriften des Bundesdatenschutzgesetzes eingehalten.

Das ganze Interview mit Timm Genett zu Telematik-Tarifen können Sie hier lesen.

 

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