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Saarland: Privatversicherte stärken die ländliche Versorgung

18.06.2019

Landärzte profitieren im Saarland besonders stark von den höheren Honoraren ihrer Privatversicherten. Das zeigt der neue PKV-Regionalatlas Saarland. Darin schlüsselt der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) die zusätzlichen Einnahmen der Arztpraxen durch Privatversicherte alters- und kostenbereinigt auf. Diese sogenannten Mehrumsätze entstehen, weil Privatpatienten für viele ärztliche Leistungen höhere Honorare bezahlen als wenn sie gesetzlich versichert wären. Im Saarland profitiert davon jeder niedergelassene Arzt mit durchschnittlich 45.700 Euro pro Jahr. Hinsichtlich der regionalen Verteilung ergeben sich aber erhebliche Unterschiede zwischen Stadt und Land: Während der PKV-Mehrumsatz zum Beispiel im ländlich geprägten Saar-Landkreis Merzig-Wadern mit einem Realwert von rund 55.600 Euro deutlich über dem Durchschnitt liegt, bleiben  die Praxen im Großraum Saarbrücken  mit rund 38.000 Euro deutlich darunter

Der Realwert der PKV-Mehrumsätze – 2017 lag die Gesamtsumme im Saarland bei 133 Millionen Euro – fällt auf dem Land in der Regel höher aus, weil Privatversicherte dort im Schnitt älter sind und häufiger zum Arzt gehen. In den urbanen Ballungszentren liegen zudem die Mieten, Gehälter und andere Kosten höher, die Mehrumsätze sind in der Stadt also weniger wert. Die Regionaldaten zeigen außerdem, dass es auch im ländlichen Raum einen relevanten Anteil von Privatversicherten gibt. Im Saarland leben mit einem Marktanteil von 10,0 % ähnlich viele Privatversicherte wie im deutschen Durchschnitt (Deutschland: 10,6 %). Im Landkreis mit dem niedrigsten Anteil an Privatversicherten (Merzig-Wadern) sind es 8,8 %.

 

Die Ergebnisse des PKV-Regionalatlas Saarland wiederlegen von manchen Politikern und Gegnern der PKV vertretene These, dass Privatpatienten für die Ungleichverteilung von Ärzten zwischen Stadt und Land verantwortlich sind. Vieles spricht dafür, dass für die Standortentscheidung der Ärzte andere Kriterien maßgebend sind. Denn trotz höherer Realeinkommen ist die Ärztedichte im Landkreis Merzig-Wadern mit 145 Ärzten je 100.000 Einwohner geringer als im Großraum Saarbrücken (221).

„Die Regionaldaten zeigen, dass eine Vereinheitlichung der Vergütungssysteme von GKV und PKV, wie sie etwa die SPD anstrebt, keineswegs zu einer besseren Verteilung der Ärzte führen würde“, erläutert PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. „Im Gegenteil: Wer die Mehrumsätze der Privatpatienten streicht, gefährdet die medizinische Versorgung auf dem Land sogar noch stärker als in den Städten und er gefährdet den Gesundheitsstandort Saarland.“ Ein ähnliches Verhältnis zwischen Arztpraxen und Realeinkommen in Stadt und Land zeigt sich auch in größeren Bundesländern wie Bayern oder Hessen, sodass von einer bundesweiten Tendenz auszugehen ist.

 

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