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Hochrangig besetzte Diskussion: Pflegevorsorge im europäischen Vergleich

 

20.02.2019

Auf Einladung des PKV-Verbandes diskutierten hochrangige Versicherungsvertreter aus Frankreich und der Schweiz über die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen bei der Pflegeversicherung. Auch der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus (CDU), beteiligte sich an dem Gedankenaustausch.

Die Aufwertung der Pflegeberufe und die Unterstützung der pflegenden Angehörigen sind für Westerfellhaus die beiden Kernaufgaben bei der Sicherstellung der pflegerischen Versorgung in Deutschland. Dazu müssten die Pflegekräfte mehr Kompetenzen auch in Diagnostik und Therapie mit eigenem Budget, bessere Arbeitsbedingungen und einen bundesweit einheitlichen Flächentarifvertrag bekommen, erklärte er.

Insgesamt zeigte das Treffen, dass der demografische Wandel die Pflegeversicherung in allen drei europäischen Ländern schwer zu schaffen macht. Der PKV-Geschäftsführer für Pflege, Andreas Besche, betonte, die Zahl pflegebedürftiger Menschen werde sich bis 2050 nahezu verdoppeln (4,36 Mio.) und damit den finanziellen Druck auf die Pflegeversicherung weiter erhöhen. Auch werde der Eigenanteil bedürftiger Menschen konstant steigen, sollte das bestehende Versicherungsmodell unverändert bleiben. Der designierte PKV-Verbandsdirektor, Dr. Florian Reuther, hob hervor, eine Lösung, d.h. eine Vollversicherung in der Pflege gäbe es im Prinzip schon heute. Die privaten Versicherungsunternehmen bieten kapitalgedeckte sowie kostengünstige Zusatzversicherungen an, um den Eigenanteil im Bedarfsfall auf null zu senken. Weiterhin wies er auf die Notwendigkeit hin, Familien und Personen zu fördern, die angehörige Pflegebedürftige selber daheim und oftmals auch parallel zur eigenen Berufsausübung betreuen. Diese Gruppe dürfe nicht überproportional belastet werden.

In der Schweiz zeichnet der demografische Wandel ein ähnliches Bild. Zwar gibt es keine gesetzliche Pflicht zur Pflegeversicherung. Pflegeleistungen werden größtenteils über die obligatorische Krankenversicherung abgedeckt. Ein signifikanter Kostenanstieg ist in den kommenden 25 Jahren aber auch hier zu erwarten. Bis 2045 läge der Pflegekostenanteil am BIP bereits bei 1,8 Prozent, eine Zunahme um 0,7 Prozent im Vergleich zu heute. 2014 fielen rund 2,5 Mrd. CH/F an Pflegeleistungen an. Ähnlich wie in Deutschland werden derzeit drei Finanzierungsmodelle diskutiert. Zwei davon sind umlagefinanziert, eins davon kapitalgedeckt. Insgesamt gibt es wenige private Pflegeversicherungslösungen und wenige private Anbieter. Das Prämienvolumen ist 2017 von 91 Mio. CH/F in 2012 auf 80 Mio. CH/F gesunken.

Auch in Frankreich sind die Folgen des demografischen Wandels in der Pflege deutlich spürbar. Die steigende Zahl immer älter werdender Menschen sorgt für einen Anstieg der allgemeinen Pflegekosten, die von den Departements größtenteils selber getragen werden müssen. Die Pflegequalität variiert somit je nach finanzieller Gesamtlage des jeweiligen Departements. Insgesamt belaufen sich die Pflegekosten jährlich auf rund 45 Mrd. Euro, Tendenz steigend. Der Anteil der über 60-Jährigen lag 2012 bei 23 Prozent, 2060 wird er schätzungsweise bei 32 Prozent liegen. Auch in Frankreich werden die unterschiedlichsten Modelle zwischen Steuerfinanzierung und privater Vorsorge diskutiert. Der Markt an privaten Pflegeprodukten ist ähnlich wie in der Schweiz aktuell noch schwach ausgeprägt.

 

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