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Privatversicherte werden für das Gesundheitssystem immer wichtiger

Illustration Gesundheitsversorgung

© istock: Irina_Strelnikova

 

12.08.2019

Die Bedeutung Privatversicherter für die Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens wächst weiter. Im Jahr 2017 flossen 35,74 Milliarden Euro durch Privatpatienten ins System. Wären sie gesetzlich versichert, hätte das System 13,23 Milliarden Euro, also über ein Drittel davon, verloren. Diesen sogenannten Mehrumsatz hat das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung (WIP) jetzt neu berechnet.

Zwei Versicherungssysteme – ein Versorgungssystem

In Deutschland können alle Patienten auf ein gemeinsames Versorgungssystem aus Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken zurückgreifen. Da jedoch für Privatversicherte die Behandlungskosten ohne Budgetgrenzen erstattet werden, zahlen sie für viele medizinische Leistungen höhere Honorare. Durch diese Mehrzahlungen fließen jedes Jahr insgesamt über 13 Milliarden Euro zusätzlich ins Gesundheitssystem. Diese Einnahmen ermöglichen es zum Beispiel Ärzten und Krankenhäusern, in moderne Geräte und mehr Personal zu investieren. Das kommt im Ergebnis allen zugute: privat und gesetzlich Versicherten.

Niedergelassene Ärzte profitieren besonders von Privatversicherten

Im ambulanten Bereich ist der Mehrumsatz besonders hoch. Die Arztpraxen würden ohne die Private Krankenversicherung laut WIP jährlich über 6,4 Milliarden Euro einbüßen. Umgerechnet sind das durchschnittlich mehr als 54.000 Euro pro Jahr, die pro Arztpraxis im Vergleich zu heute fehlen würden. Das entspricht zum Beispiel dem Einkommen von durchschnittlich 1,75 Sprechstundenhilfen, die eine Praxis dann nicht mehr beschäftigen könnte. Ohne Privatpatienten wäre nach Aussage vieler Ärzte sogar mit zahlreichen Praxisschließungen zu rechnen.

 

Die Hauptursache für die relativ geringere Vergütung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – und somit für das Entstehen des Mehrumsatzes durch Privatpatienten – im ambulanten Sektor ist die umfassende Regulierung im Bereich der GKV-Versorgung: Über die Jahre und Jahrzehnte wurden hier immer wieder Kürzungen und Budgetierungen vorgenommen. Im Gegensatz dazu richtet sich die Kostenerstattung bei Privatversicherten allein nach der medizinischen Notwendigkeit.

Praxen auf dem Land profitieren besonders

Übrigens: Arztpraxen auf dem Land profitieren besonders von den Mehrumsätzen. Das liegt daran, dass der Mehrumsatz umso größer ist, je älter die Patienten durchschnittlich sind. Da in ländlichen Gebieten anteilig mehr ältere Menschen leben als in Städten, profitieren dort auch die Ärzte stärker von den Privatversicherten.

Die gleiche Systematik gilt auch im zahnärztlichen Bereich – mit ähnlichen Konsequenzen. Hier hat das WIP einen Mehrumsatz der Privatpatienten von fast 3,2 Milliarden Euro im Jahr 2017 errechnet.

Krankenhaus

Im Krankenhausbereich ist der Anteil des Mehrumsatzes mit 0,687 Milliarden Euro im Jahr 2017 vergleichsweise niedrig. Das liegt daran, dass – anders als im ambulanten Bereich – die allgemeinen Krankenhausleistungen für privat und gesetzlich Versicherte nach dem gleichen Vergütungssystem abgerechnet werden. Der Mehrumsatz im stationären Sektor beruht daher im Wesentlichen auf zusätzlichen Leistungen im Rahmen der PKV-typischen Wahlleistungen wie zum Beispiel der Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer oder der Behandlung durch den Chefarzt.

Über alle Versorgungsbereiche hinweg nimmt der Mehrumsatz beständig zu. Allein zwischen 2007 und 2017 ist er von 10,48 auf 13,23 Milliarden Euro gestiegen. Das ist ein Zuwachs von 26 Prozent. Tatsächlich dürfte der Mehrumsatz sogar noch höher liegen. Denn das WIP kann nur die Kosten aus Rechnungen auswerten, die Patienten bei ihrem Versicherungsunternehmen zur Erstattung eingereicht haben. Zahlt ein Versicherter die Rechnung aus der eigenen Tasche – etwa um eine vereinbarte Beitragsrückerstattung vom Versicherer zu erhalten – wird dies nicht erfasst.

 

PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther zum Mehrumsatz der PKV

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