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„Pflegezusatzversicherungen sollten in Tarifverträge aufgenommen werden“

© Alexander Krauß (MdB)

 

22.10.2019

fordert MdB Alexander Krauß, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Christlich-Demokratischen-Arbeitnehmerschaft (CDA). Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Sie nannten den Vorstoß der IG BCE für eine arbeitgeberfinanzierte Pflegezusatzversicherung einen „innovativen Vorschlag, der auch in anderen Tarifverträgen aufgegriffen werden sollte“. Warum halten Sie das für sinnvoll?

Das Thema Pflege ist in der Mitte der Bevölkerung angekommen: jeder hat oder hatte einen Pflegebedürftigen in der Familie. Dadurch beschäftigen sich viele Arbeitnehmer mit der Frage, wie sie die Pflege im Alter regeln wollen. Außerdem wird mehr und mehr Menschen klar, dass die Pflegeversicherung eine Teilkasko- und keine Vollkaskoversicherung ist. Früher herrschte die falsche Vorstellung vor, die Pflegekosten würden voll durch die Soziale Pflegeversicherung abgedeckt.

Warum gehört das Thema Vorsorge für den Pflegefall überhaupt in Tarifverträge?

In Tarifverträgen wird auch heute schon nicht nur die Lohnhöhe geregelt, sondern zum Beispiel auch Urlaubs- oder Weiterbildungsfragen. Eine Pflegezusatzversicherung wäre quasi ein Lohnbestandteil, der eines der größten Zukunftsthemen der Gesellschaft aufgreift – nämlich die Folgen der Alterung unserer Gesellschaft.

Welche Rolle können private Pflegezusatzversicherungen denn in Tarifverhandlungen spielen?

Pflegezusatzversicherungen sind ein kreativer und innovativer Ansatz, abseits eingefahrener tarifpolitischer Kampffelder.

Wie lautet Ihr Appell an die Arbeitgeber konkret?

Die Arbeitgeber sollten zusammen mit den Gewerkschaften Modelle entwickeln, wie Pflegezusatzversicherungen in Tarifverträge aufgenommen werden können. Eine solche Versicherung als Teil des Tarifvertrages sorgt für eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit und erhöht die Attraktivität eines solchen Arbeitsplatzes.

Sie erwähnen als ein Beispiel den „Pflege-Bahr“, also die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung…

Den Pflege-Bahr gibt es bereits. Das ist sein großer Vorteil. Allerdings ist das Angebot immer noch zu unbekannt und sollte mehr genutzt werden.

Eine Pflegevollversicherung lehnen sie dagegen ab. Warum?

Eine Pflegevollversicherung würden jeden finanziellen Rahmen sprengen. Die Lohnnebenkosten stiegen ins Unermessliche. Auch würde eine Vollkaskoversicherung dazu führen, dass unser Pflegewesen kollabiert, weil die Inanspruchnahme von Heimen deutlich ansteigen würde – wofür das Personal nicht ansatzweise da ist. Wenn es eine Eigenbeteiligung gibt, dann denken die Menschen darüber nach, was wirklich nötig ist.

Spielt auch das Thema Generationengerechtigkeit eine Rolle für Ihren Appell?

Ja. Eine Pflegezusatzversicherung stärkt auch die Generationengerechtigkeit, weil die Generation, die jetzt in Lohn und Brot steht, in die Lage versetzt wird, für die eigene Pflege umfänglich vorzusorgen. Nicht in den Tag hinein zu leben, sondern an die Zukunft zu denken – das sorgt dafür, dass unser System der Fürsorge zukunftsfest wird.

 

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