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Kein Risiko für Pflegebedürftige

© Frank Schlerfer, Abteilungsleiter des PKV-Prüfdienstes

 

19.03.2020

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie sind die Qualitätsprüfungen von Pflegeeinrichtungen bis Ende September einstweilig ausgesetzt. Warum das sinnvoll ist und welche Auswirkungen es auf die Pflegequalität hat, beantwortet uns Frank Schlerfer, der Leiter des PKV-Prüfdienstes.

Was ist der Grund für die einstweilige Aussetzung des Pflege-TÜV?

Die PKV hat mit dem GKV-Spitzenverband und Vertretern der Pflegeeinrichtungen und –dienste wie dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) die Entscheidung getroffen, die Qualitätsprüfungen von Pflegeeinrichtungen aufgrund der allgemeinen Situation im Zusammenhang mit Covid-19 (Corona-Virus) bis Ende September auszusetzen. Die betrifft alle stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen, Anlassprüfungen sind hiervon ausgenommen.

Vorausgegangen waren intensive Gespräche mit dem Bundesministerium für Gesundheit, dem GKV-Spitzenverband und Verbänden der Leistungserbringer.

Ziel dieser Maßnahme ist es, die Pflegeeinrichtungen in der aktuellen Phase der Pandemie von zusätzlichen Aufwänden und Bürokratie zu entlasten. Dies soll die derzeit sehr angespannte Personalsituation in den Einrichtungen zumindest punktuell verbessern. Auch wenn es sicherlich nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ ist, sehen wir dies als kleines Signal der Solidarität.

Unser Grundgedanke: Jede derzeit nicht zwingend notwendige bürokratische Maßnahme sollte überdacht werden, um zusätzliche personelle Ressourcen für die pflegerische Versorgung zu schaffen. Es kommt auf praxisnahe Lösungen an, die zeitnah und effektiv Ihre Wirkung entfalten.

Das ist nicht gleichzusetzen mit einem Verzicht von Qualitätsansprüchen an die pflegerische Versorgung. Im Gegenteil, nie waren die Anforderungen so hoch wie jetzt. Aber aus Sicht der PKV ist es an der Zeit, in dieser akuten Situation auf Vertrauen statt auf Kontrolle zu setzen und die Qualitätsprüfungen zu einem späteren Zeitpunkt wiederaufzunehmen.

Ist die Maßnahme auch noch aus weiteren Gründen sinnvoll?

Durch den Verzicht auf Qualitätsprüfungen wird zusätzlich erreicht, dass sich die Anzahl der sozialen Kontakte für alle an einer Qualitätsprüfung beteiligten Personen reduziert. Also für die Bewohner und Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen und auch für unsere Qualitätsprüfer.
Diese Eindämmung sozialer Kontakte ist ja das erklärte Ziel aller bisher beschlossenen Maßnahmen zur Verlangsamung der Pandemie. Auch wenn der klassische Infektionsweg sicherlich nicht bei Pflege-Qualitätsprüfungen zu finden ist, ist es ein zusätzlicher positiver Aspekt.

Was machen die Mitarbeiter/innen des PKV-Prüfdienstes in dieser Zeit? Welche Folgen hat es für die interne Organisation?

Es hat selbstverständlich große Auswirkungen für den Prüfdienst der PKV, wenn das Kerngeschäft temporär eingestellt wird. Wir haben jedoch schon in kürzester Zeit Alternativen gefunden, um die zur Verfügung stehende Zeit bestmöglich zu nutzen. Aktuell verwenden wir diese Kapazitäten für die Festigung und Weiterentwicklung der Fachlichkeit. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass die Mitarbeiter im Homeoffice dank schon vor längerer Zeit geschaffenen Strukturen durch E-Learning und Selbststudium weiter an fachlichen Themen arbeiten können. Und dies, ohne in persönlichen Kontakt mit anderen Menschen treten zu müssen. Insofern profitieren wir von der Entscheidung der Vergangenheit, dass wir den Bereich Schulung auf das Prinzip des sogenannten „blended Learning“ umgestellt haben, sprich: die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel.

Ergänzend suchen wir derzeit nach Möglichkeiten, wie wir unseren Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten können. Punktuell unterstützen wir bereits einzelne Gesundheitsämter mit unserer fachlichen Kompetenz. Aber auch die Unterstützung der Einrichtungen – egal, ob ambulant oder stationär – sehen wir als möglichen Einsatzbereich, wenn dort Bedarf besteht. Hierzu stehen wir schon in Kontakt zu Trägerorganisationen und prüfen, ob und wie eine Unterstützung sinnvoll ist.

Wie bleiben die Heimbewohner jetzt vor schlechter Pflege geschützt?

Aus unserer Sicht entsteht durch ein zeitweises Aussetzen der Prüfungen kein Risiko für Pflegebedürftige. Schließlich haben die Prüfungen bisher auch nur einmal jährlich stattgefunden. Außerdem wird es weiterhin die Möglichkeit geben, bei konkreten Hinweisen auf nicht fachgerechte Versorgung auf das Instrument der Anlassprüfung zurückzugreifen. Das System bleibt also grundsätzlich erhalten, nur der Zeitpunkt der Prüfung wird sich in diesem Jahr verändern.

(aktualisiert am 19.03.2020 20:00 Uhr)

 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in der Videokonferenz mit den Pflegeverbänden.

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