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„Das Internet kann den persönlichen Kontakt nicht ersetzen.“

reker neu

Stefan Reker ist Leiter des Geschäftsbereichs Kommunikation im PKV-Verband

 

15.08.2019

Die Öffentlichkeitsarbeit ist das Sprachrohr des PKV-Verbandes. Pressesprecher Stefan Reker spricht im Interview über die spannendsten Projekte der vergangenen Monate und neue Herausforderungen.

Herr Reker, was war aus Sicht der Öffentlichkeitsarbeit das Topthema in den letzten Monaten?

Besonders stark gefordert haben uns die Themen Pflege und Pflegeversicherung. Das verwundert nicht, wenn man sich die politische Dimension der Debatte anschaut: Pflegereform 2017, der Umbau des Pflegesystems und die Diskussion über den Pflegekräftemangel – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Wie hat Sie das konkret beschäftigt?

Im Zuge der Pflegereform kam es zu Leistungsausweitungen in der Pflege. Die Kosten dafür schlugen sich wenig später in Beitragserhöhungen bei der Pflegepflichtversicherung nieder. Wir sind dadurch in die Situation geraten, erklären zu müssen, wie diese höheren Beiträge zustande kommen. Man darf nicht vergessen, dass vielen der Zusammenhang zwischen den politisch beschlossenen Mehrleistungen und den Konsequenzen für die eigenen Beiträge gar nicht bewusst ist.

Auf der anderen Seite ist es unsere Aufgabe als Verband, auf die Vorteile des kapitalgedeckten Systems für die individuelle Vorsorge in der Pflegeversicherung hinzuweisen. Gerade in Zeiten, in denen sich einige Parteien eine Art Überbietungswettbewerb mit immer neuen Leistungsversprechen liefern, muss man auf die Realität hinweisen, dass in unserer stark alternden Gesellschaft die Finanzbasis im Umlageverfahren der sozialen Pflegeversicherung immer schwächer wird. Wir hingegen bieten bezahlbare Lösungen, die zudem nachhaltig und generationengerecht sind.

Stichwort Pflege: Der Pflegewettbewerb „Deutschland beliebteste Pflegeprofis“ findet ja 2019 zum zweiten Mal statt…

Die Resonanz der Teilnehmer der ersten Auflage war grandios. Der Grundgedanke, den Pflegekräften mehr Wertschätzung und Anerkennung entgegen zu bringen, kommt bei den Pflegerinnen und Pflegern sehr gut an. Und unsere Pflegeprofi-Aktion ist sogar mit dem „Politik-Award“ ausgezeichnet worden. Das alles hat uns ermutigt, den Wettbewerb fortzuführen.

Die Beteiligung war noch besser als bei der ersten Auflage: Rund 35.000 Menschen haben an dem sechswöchigen Online-Voting für die jeweiligen Landessieger teilgenommen. Den ganzen Juli und August über finden die regionalen Preisverleihungen vor Ort in den Einrichtungen statt. Nun hoffen wir auf eine hohe Beteiligung bei der Abstimmung zu den Bundessiegern, an der vom 15. August bis zum 30. September jeder auf www.deutschlands-pflegeprofis.de mitmachen kann.

Welche Aktion aus dem Jahr 2018 ist Ihnen noch besonders in Erinnerung geblieben?

Wir wurden herausgefordert durch die Entscheidung des rot-grünen Hamburger Senats, eine pauschale Beihilfe einzuführen, quasi als Hintertür zum ideologischen Ziel einer Einheits-Bürgerversicherung. Darauf haben wir mit einer Informationskampagne reagiert – zielgenau auf junge Neubeamte abgestimmt. Unter dem Motto „Passt wie Fisch zu Brötchen“ und auf der neuen Webseite www.beamte-in-der-pkv.de haben wir die handfesten Vorteile der bewährten Kombination von Beihilfe und PKV erläutert.

Welche Informationen bietet die Kampagne?

Wir geben den Neubeamten alle wesentlichen Einsteigerinformationen, die sie benötigen, um die richtige Entscheidung für eine optimal abgesicherte Zukunft zu treffen – in einem leicht verständlichen und übersichtlichen Format. Denn die meisten Beamtenanfänger haben sich vorher noch nie mit den Themen Krankenversicherung oder Beihilfe beschäftigt.

Und wir wissen ja, dass unsere Zielgruppe Informationen hauptsächlich über ihre Smartphones sucht. Entsprechend haben wir unsere Kampagne konzipiert. Dabei haben wir natürlich darauf geachtet, dass die Internetseite auch schnell und gut im Web gefunden werden kann. Und wir haben – ganz klassisch – auf einer Informationsveranstaltung für Beamte und mit Aktionen in regionalen Medien vor Ort für die Vorteile der Kombination aus Beihilfe und Privater Krankenversicherung geworben.

Ihr vorläufiges Fazit?

Die Nutzerzahlen zeigen, dass wir den richtigen Nerv getroffen haben. Von Beginn an haben sich nicht nur Hamburger auf der Webseite informiert, sondern Neubeamte aus der gesamten Bundesrepublik.

Gesundheit wird zur Chefsache. Die betriebliche Krankenversicherung beschäftigt die Branche – und auch Ihre Arbeit …

Hier handelt es sich um ein relativ junges Produkt mit großem Zukunftspotenzial für die ganze Branche. Deswegen haben wir das Thema in unserer Kommunikationsarbeit aufgegriffen.

Wir haben direkt bei Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Betriebsräten nachgefragt, wie diese Form der Zusatzversicherung in der Praxis ankommt. Das Feedback war sehr positiv. Auf unseren verschiedenen Kanälen und Publikationen konnten wir dann die Geschichten sehr lebensnah und authentisch aufarbeiten.

Die Medienwelt wandelt sich: Wie verändert das die Verbandskommunikation?

Der Wandel bringt sowohl Chancen als auch Risiken mit sich. Durch das Internet hat sich die Geschwindigkeit in der Kommunikation erheblich erhöht. Heute verbreiten sich Botschaften binnen weniger Sekunden. Nahezu jeder kann über die unterschiedlichsten Kanäle seine Botschaften verbreiten und potenziell Millionen Nutzer erreichen. Die etablierten Medien sehen sich durch diese digitalen Kanäle und neuen Akteure herausgefordert. Sie verlieren ihre Gatekeeper-Funktion.

Wie macht sich das bemerkbar?

Auf diese Herausforderungen reagieren manche klassischen Medienhäuser und Fernsehanstalten, indem sie das Online-Phänomen des sogenannten „Clickbaiting“ nachahmen – also die künstliche Dramatisierung von Überschriften, die gegenüber den Lesern eine ähnliche Funktion haben wie früher die lauten Marktschreier auf der Kirmes.

Dabei werden dann Einzelfälle lustvoll dramatisiert und zugleich repräsentative Fakten bewusst ausgeblendet. Da beruht zum Beispiel ein Artikel in einer großen deutschen Zeitung mit dem reißerischen Titel „Beitragsschock“ auf dem aufgebauschten Fall eines einzelnen Arbeitnehmers, der nach einer Beitragserhöhung jetzt rund 600 Euro zahlt. Die Tatsache, dass derselbe Mann in der Gesetzlichen Krankenkasse 703 Euro Monatsbeitrag – und weniger Leistungen – hätte und zudem sein Pflege-Beitrag dort mehr als doppelt so hoch wäre wie in der PKV, erfährt man nicht.

Manche Medien sind da wie in einer selbstgebauten Echokammer unterwegs. Wie weit das von der Realität der 8,8 Millionen Privatversicherten entfernt ist, zeigt zum Beispiel eine repräsentative Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag der Verbraucherzentrale Hamburg: 90 Prozent der Befragten sind mit ihrer PKV zufrieden oder sogar sehr zufrieden.

Was folgt daraus für die eigene Öffentlichkeitsarbeit?

Auf diese Entwicklung haben wir beispielsweise mit dem Aufbau einer Online-Redaktion reagiert. Wir produzieren Nachrichten vermehrt selbst, um der Branche Gehör zu verschaffen und allen Interessierten Informationen aus erster Hand zu liefern. Außerdem beobachten wir mit großer Aufmerksamkeit die Debatten in den sozialen Medien, um unverzüglich auf Entwicklungen reagieren zu können.

Hat die klassische Öffentlichkeitsarbeit ausgedient?

Auf keinen Fall. Das Internet kann den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Je komplizierter die Themen, desto wichtiger sind direkte Gespräche. Wir setzen daher weiterhin auf die bewährten Mittel, um professionelle, vertrauenswürdige Kontakte zu den Multiplikatoren der öffentlichen Meinung zu pflegen. Nicht nur mit Blick auf die Medien, sondern zum Beispiel auch mit unserem Informationsstand bei wichtigen Parteitagen, um unser Angebot zum Dialog immer wieder mit Leben zu füllen. Denn das Wichtigste ist nach wie vor: Blickkontakt halten und miteinander im Gespräch bleiben.

Dafür zeigen die Mitarbeiter ja gelegentlich auch körperlichen Einsatz …

… ja, zum Beispiel beim alljährlichen Bundestagslauf. Der PKV-Verband unterstützt dieses Event nicht nur als Sponsor, wir sind persönlich vor Ort. Einige Kollegen kommen dabei auch selbst auf der Laufstrecke ins Schwitzen. Solche Veranstaltungen bieten zudem die Chance, gute Gespräche zu führen und interessante Kontakte zu knüpfen.

Wir sind als PKV-Verband ohnehin sehr engagiert in der medizinischen Primärprävention und finanzieren dort viele wertvolle Projekte – von der HIV/AIDS-Prävention über den Kampf gegen Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen bis hin zur Prävention von Pflegebedürftigkeit durch die Mobilisierung von älteren Menschen zu mehr Bewegung im Alltag. Da gilt auch im Online-Zeitalter die klassische Parole der Öffentlichkeitsarbeit: Tue Gutes und rede darüber.

 

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