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Für die PKV am Verhandlungstisch

PKV-Verband

Dr. Norbert Loskamp ist medizinscher Leiter im PKV-Verband

 

29.07.2019

Der Stabsbereich Medizinischer Leiter im PKV-Verband hat die Aufgabe, die Versorgung der Privatversicherten zu verbessern und die Qualität zu fördern. Warum dafür nicht nur medizinische Expertise, sondern vor allem Verhandlungsgeschick nötig ist, erläutert Dr. Norbert Loskamp im Interview.

Herr Loskamp, was ist der „Stabsbereich“ Medizinischer Leiter eigentlich und was macht er?

Der Stabsbereich besteht aus zwei Mitarbeitern. Wir sind keinem anderen Geschäftsbereich unterstellt, sondern direkt dem Verbandsdirektor. Unser Anspruch ist es, Versorgungsstrukturen im Sinne der Patienten zu gestalten, sie zu optimieren und die Qualität zu sichern. Wir setzen dabei sowohl Vorgaben aus der Politik als auch Wünsche aus den Unternehmen um. Wir sind für ambulante und stationäre Themen zuständig, wobei letztere überwiegen.

Das klingt nach einer großen Verantwortung. Wie sieht das konkret aus?

Unsere wichtigste Aufgabe ist es, die Interessen der Privaten Krankenversicherung in der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen zu vertreten. Wir sitzen beispielweise an einem Tisch mit dem GKV-Spitzenverband und der Deutschen Krankenhausgesellschaft – oder in anderen Fällen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

In unseren verbandseigenen Gremien beteiligen wir uns im Leistungsausschuss und in der Leistungskommission, wo es oft um neue Versorgungsideen geht sowie um die Frage, ob Rahmenverträge mit innovativen Behandlungsangeboten für Privatversicherte geschlossen werden. Wir bereiten die Themen für die Mitgliedsunternehmen vor und kümmern uns zusammen mit der Leistungsabteilung darum, dass gewünschte Vereinbarungen auch zustande kommen. Zudem sind wir Ansprechpartner für medizinische Anfragen der Unternehmen und organisieren jedes Jahr die wissenschaftliche Tagung der Gesellschaftsärzte, auf der es um aktuelle medizinische Versorgungsthemen geht. Sie haben die gemeinsame Selbstverwaltung angesprochen.

Was macht man da?

Es geht um Verträge, Versorgung und wieder Verträge. Als Private Krankenversicherer werden wir von der Gesundheitsgesetzgebung oft nicht unmittelbar verpflichtet, uns an Versorgungsstrukturen zu beteiligen.

Aber: Die Privatversicherten und die gesetzlich Versicherten werden in der Regel in einem einheitlichen Versorgungssystem behandelt. Deshalb haben wir ein großes Interesse daran, uns in den Gestaltungsprozess mit einzubringen. Wir begleiten den Prozess der Gesetzgebung, schreiben Stellungnahmen zu den Gesetzentwürfen und vertreten die Positionen der Privaten Krankenversicherung in den Anhörungen beim Bundesgesundheitsministerium und im Gesundheitsausschuss.

Der Gesetzgeber legt nämlich meist nur die Rahmenbedingungen fest oder gibt ein bestimmtes Ziel vor, zum Beispiel bei den neuen Pflegepersonaluntergrenzen in Kliniken. Die konkrete Umsetzung in die Praxis muss die Selbstverwaltung aushandeln. Um die Interessen der Privatversicherten dort wahrzunehmen, beteiligen wir uns an vielen Arbeitsgruppen.

Insgesamt summieren sich unsere Sitzungstermine auf gut 300 jedes Jahr.

Sie sitzen ja oft mit der GKV an einem Tisch. Kracht es da auch mal zwischen GKV und PKV?

Ganz im Gegenteil. Als Kostenträger haben wir in der Regel sehr ähnliche Interessen – gerade wenn es um die Frage der Vergütung von Leistungen geht.

Was die Wenigsten wissen: Wir als PKV sitzen auch im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA). Wir haben zwar kein Stimmrecht, aber mit dem uns gesetzlich zustehenden Beteiligungsrecht können wir dort argumentieren, Fragen stellen und so zumindest indirekt mitgestalten. Bei PKV-relevanten Themen versuchen wir auf diese Weise, unsere Position gezielt einzubringen. Wir haben zum Beispiel in der entsprechenden Arbeitsgruppe dafür gesorgt, dass bei Transplantationen die Qualitätssicherung auch bei Privatversicherten weiter stattfindet.

Was war denn aus Ihrer Sicht das wichtigste Thema im vergangenen Jahr?

Uns hat 2018 die Neuverhandlung der Förderung der klinischen Krebsregister stark beschäftigt, die wir seit ihrem Aufbau ab 2014 wie die GKV mitfinanzieren. Diese erfassen Daten von Krebsfällen standardisiert und qualitätsgesichert, um sie später mit Blick auf die Versorgungsqualität auszuwerten oder neue Erkenntnisse über die Erkrankung zu gewinnen. Der Betrieb der Register ist Ländersache. Insgesamt haben wir 15 Krebsregister, weil Berlin und Brandenburg zusammenarbeiten. Nachdem wir mit den Registern die Förderbedingungen neu ausgehandelt haben, wollen wir in diesem Jahr mit allen neue Verträge abschließen.

Gab es noch andere zentrale Projekte?

Ein weiteres wichtiges Thema war die 24-Stunden-Intensivpflege. Es geht dabei um schwerkranke Patienten, die dauerhaft beatmet werden. Dies geschieht im häuslichen Umfeld, zum Beispiel einer Pflege-Wohngemeinschaft. Hier gibt es viele Probleme: schwarze Schafe unter Pflegediensten zum Beispiel. Oder es fehlen auch oft spezialisierte Ärzte. Das heißt: Die Patienten werden zwar dauerhaft beatmet, aber kein Experte prüft regelmäßig nach, ob sie dies überhaupt noch benötigen. Es fehlt im System schlicht eine Schnittstelle dafür, und zwar in GKV wie PKV. Hier suchen wir gemeinsam nach Möglichkeiten, diese zu schaffen und die Patienten wenn möglich von der Beatmung zu entwöhnen. Es geht also weniger ums Geld als um medizinische Inhalte zum Wohl der Patienten.

Daneben haben Sie vermutlich noch an weiteren Themen gearbeitet. Gibt es welche, die Sie herausheben möchten?

Wir haben uns ausgiebig mit der Finanzierung der ambulanten Hospizdienste beschäftigt. Hier haben wir 2018 die Einbeziehung der verbundenen Einrichtungen des PKV-Verbandes – also Postbeamtenkrankenkasse und der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten – erreicht.

Außerdem gibt es „Dauerbrenner“-Themen: Für den Bereich der Krankenhausfinanzierung schließen wir jedes Jahr rund 20 Verträge ab, die oft nur Laufzeiten von einem Jahr haben. Zudem erfordert die Gesetzgebung der letzten Jahre viele Umbauten im Vergütungs- und Versorgungssystem.

Auch die finanzielle Förderung der Weiterbildung von Allgemeinmedizinern und anderen Facharztgruppen ist für uns weiterhin ein Thema. Die GKV muss per Gesetz dafür aufkommen; wir beteiligen uns freiwillig. Gemeinsam legen wir mit der Selbstverwaltung regelmäßig neu fest, wie diese Weiterbildung ausgestaltet ist, wie die Qualität sichergestellt wird, und die Effekte der Fördergelder evaluiert werden.

In den letzten Jahren haben wir außerdem gemeinsam das Transplantationsregister aufgebaut. Neben den regelmäßig zu aktualisierenden Verträgen, beispielsweise jedes Jahr zum Budget von Eurotransplant und der Deutschen Stiftung Organtransplantation, hat der Gesetzgeber in diesem Jahr weitere Maßnahmen zur Stärkung der Organspende vorgegeben.

Wenn wir auf das laufende Jahr blicken: Wird Sie dieses Thema weiter beschäftigen?

Ja, beim Thema Organspende bleibt viel zu tun, vor allem mit Blick auf die Aufklärung der Bevölkerung und die Verbesserung der bestehenden Strukturen in den Krankenhäusern. Zudem werden die Krebsregister und die Intensivpflege weiterhin viel Aufmerksamkeit fordern – ebenso wie die Förderung der ärztlichen Weiterbildung, die der Gesetzgeber noch ausbauen will. Neu dazu kommen die Ausgliederung der Pflegekosten aus den Krankenhaus-Fallpauschalen und das geplante Implantateregister, das der Gesetzgeber ab 2021 einführen will.

 

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