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„Es ist Bewegung in die Sache gekommen“

Laura Wamprecht, Managing Director Flying Health

 

10.09.2020

Telemedizin, Online-Psychotherapie, digitale Reha: Laura Wamprecht, Geschäftsführerin des Berliner Innovationsnetzwerks Flying Health, erläutert die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf digitale Gesundheitsanwendungen. Mit ihr sprach PKV-Pressereferentin Christina Betz.

Frau Wamprecht, erläutern Sie doch bitte kurz: Was ist eigentlich Flying Health, was ist Ihr Ziel?

Flying Health ist ein Netzwerk für große und kleine Unternehmen, die Lust haben, das Gesundheitswesen von morgen zu gestalten. Wir beschäftigen uns mit allen Themen rund um den Komplex Next-Generation-Healthcare. Wir arbeiten mit allen Akteuren aus dem Gesundheitswesen: sowohl mit Versicherungen, aber auch mit Krankenhäusern, Pharmaunternehmen und der Medizintechnik. Da sind wir sehr offen, tatsächlich wie ein Ökosystem aufgestellt. Neue Akteure sehen wir vor allem auf der Start-up-Seite. Wir arbeiten sowohl mit sehr frühphasigen Unternehmen, die gerade mit der Idee zu uns kommen und Rat suchen, als auch mit größeren Unternehmen, die bereits im Markt sind.

 

Sie kennen die digitale Gesundheitsszene sehr gut, Sie kennen viele App-Entwickler und -Betreiber. Wer hat ganz konkret profitiert, wenn man das so sagen kann, von der Corona-Pandemie?

Profitiert finde ich ein bisschen schwierig – aber ich denke, die Pandemie hat gezeigt, dass es einen Bedarf gibt an diesen Lösungen, und dass sie im Krisenfall tatsächlich genutzt werden konnten. Um es ein bisschen konkreter zu machen: Gerade die Telemedizin hat an vielen Stellen einen großen Sprung gemacht. Wo früher nur relativ wenige Early Adopter unterwegs waren, gibt es jetzt eine massive Steigerung an Video-Sprechstunden. Ein zweiter Bereich ist die Online-Psychotherapie: Einige etablierte Platzhirsche in Deutschland konnten ihre Position nochmal festigen. Auch die Online-Reha konnte ihre Vorteile unter Beweis stellen. Die Patienten mussten ja aus den Kliniken raus und zuhause weiter versorgt werden. Einzelne Anbieter haben tatsächlich ganze Physiotherapie- und Reha-Programme so gestaltet, dass Patienten sie einfach zuhause weiterführen konnten. Die Therapien sind also nicht abgebrochen, sondern konnten in einer genauso guten Qualität weitergeführt werden.

Sensibilisiert die aktuelle Debatte um digitale Gesundheitsanwendungen noch mehr Ärzte für das Thema? Verschreiben sie ihren Patienten zusätzlich zu ihren eigenen Therapieansätzen digitale Lösungen?

Ich glaube, in der Breite ist das Thema noch nicht so präsent, wie wir uns das manchmal hier in unserer Bubble vorstellen. Es gibt einzelne Vorreiter oder die, die schon immer davon überzeugt waren, die das jetzt auch mit verfolgen. Es wird aber noch sehr viel Aufklärungsarbeit geleistet werden müssen. Ich denke aber auch, dass es eine Herstellerriege gibt, die im Grunde sehnlichst darauf wartet, endlich loszuziehen und dafür zu werben, mehr digitale Gesundheitsanwendungen einzusetzen.

In die Zukunft geschaut: Wie muss sich der Markt für Digital-Healthcare-Unternehmen – aus der Perspektive der Anbieter – verändern?

Wir kommen jetzt langsam in den Bereich, wo wir Rahmenbedingungen vorfinden: zum Beispiel über das Digitale-Versorgung-Gesetz, das einen breiteren Marktzugang ermöglicht. Gleichzeitig wurde auch das Fernbehandlungsverbot gelockert. Es ist also ein bisschen Bewegung in die Sache gekommen – bis aus einer kleinen Bewegung eine große geworden ist, die ermöglicht hat, einen Telemedizinmarkt zu gestalten. Besonders wichtig ist tatsächlich auch der Preis. Ein Markt lebt davon, dass es Preise gibt, wie auch immer die ausgestaltet werden. Das wird sicherlich noch ein Scheideweg sein, wo man sieht: Ist das auch attraktiv, dort tätig zu sein? Kann ich ein Unternehmen nachhaltig entwickeln und eine Geschäftsgrundlage schaffen?

Deutlich mehr Kapital für eHealth-Start-ups

Was hat sich bei der Finanzierung von jungen Unternehmen getan? Interessieren sich mittlerweile mehr Investoren für Digital-Healthcare-Start-ups?

Grundsätzlich gibt es deutlich mehr Kapital, allerdings auch in sehr frühphasigen Bereichen. Das heißt, wir haben viel Seed-Funding, viel Series-A-Funding. In Deutschland vermisse ich noch immer die Investoren, die die deutlich größeren Runden mitgehen. Nur so lassen sich irgendwann wirklich große digitale Champions in Europa und in Deutschland aufbauen.

Flying Health ist einer der Partner des vom PKV-Verband initiierten Venture-Capital-Fonds Heal Capital. Vor Kurzem hat Heal Capital in die Unternehmen Siilo und Infermedica investiert. Was ist das Besondere an diesen Unternehmen?

Beides sind Unternehmen, die bereits bewiesen haben, dass sie es können. Einmal Siilo, im Bereich Medical Messaging, wo Ärzte, aber auch andere Fachbereiche auf eine sehr moderne Art der Kommunikation gut vernetzt werden können. Dieser schnelle, unkomplizierte Austausch hat, glaube ich, sehr vielen Krankenhäusern und Leistungserbringern weitergeholfen in der Krise. Das passt einfach gut in diese Zeit. Das Produkt ist schon sehr reif und hat eine gewisse Marktdurchdringung. Es ist an einem Punkt, tatsächlich groß werden zu können. Das Gleiche trifft auch auf Infermedica zu, im Grunde ein Symptom-Checker. Ganz viele Patienten haben bereits Anfragen gestellt, um zu wissen: Sind die Symptome, die ich gerade empfinde, gefährlich oder nicht? Gerade in der Covid-Zeit waren viele Menschen verunsichert. Ist mein Husten schon Corona? An dieser Stelle konnte Infermedica bereits einen Mehrwert bieten: Das Unternehmen kann einerseits Sicherheit geben und andererseits das Gesundheitswesen schützen vor zu vielen Patienten, die auf einmal kommen. Das ist eine ganz wichtige Schaltstelle, die da besetzt wird.

 

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