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Prüfen und prüfen lassen

Holger Eich ist Geschäftsführer im Bereich Mathematik-Statistik im PKV-Verband

 

09.08.2019

Der Geschäftsbereich Mathematik-Statistik ist permanent damit beschäftigt, Daten zu generieren, zu vergleichen und zu kontrollieren. Dabei muss auch er sich regelmäßig überprüfen lassen. Geschäftsführer Holger Eich berichtet aus seinem Arbeitsalltag.

Herr Eich, Sie leiten im PKV-Verband den Geschäftsbereich Mathematik-Statistik. Das hört sich nach einer Menge Rechnerei an …

Das ist es auch. Zu unseren wichtigsten Aufgaben gehört es, die einheitlichen Branchentarife zu kalkulieren und bei Bedarf zu überprüfen, in welchem Umfang eine Beitragsanpassung notwendig ist. Dabei sind wir tatsächlich permanent am Rechnen. Nicht umsonst sind die meisten meiner Mitarbeiter Mathematiker.

Zu den brancheneinheitlichen Tarifen gehören Standard- und Basistarif, aber auch die Pflegeversicherung. Verläuft das Verfahren bei allen gleich?

Im Prinzip ja. Natürlich gibt es teilweise gravierende Unterschiede. So gibt es etwa im Standardtarif Beobachtungseinheiten, in denen bei der Kalkulation noch nach Geschlecht getrennt wird. Die sogenannte Unisex-Kalkulation wurde erst 2012 eingeführt. Auch die Pflegeversicherung ist eine Besonderheit. Hier sind politische Reformen der größte Unsicherheitsfaktor. Die Kostenauswirkungen durch die jüngsten Leistungsausweitungen haben die Versicherten über Beitragserhöhungen ja jüngst zu spüren bekommen.

Sie berechnen aber nicht, wie sich die individuellen Beiträge eines jeden Versicherten ändern?

Nein, wir nehmen eine reine Nettokalkulation vor. Das heißt, wir berechnen für jeden Altersjahrgang einer Beobachtungseinheit, wie hoch der Beitrag ohne Verwaltungskostenanteil für einen Neuversicherten – zum Beispiel im Standardtarif – wäre. Diese Daten schicken wir an die Unternehmen, die dann noch ihre Verwaltungskosten hinzurechen. Und natürlich werden in den Unternehmen die bereits gebildeten Alterungsrückstellungen berücksichtigt. Denn ein 40-Jähriger, der schon 20 Jahre versichert ist, zahlt deutlich weniger als jemand im gleichen Alter, der sich erst heute versichert.

Wie wird diese Berechnung denn überprüft?

Es gibt zahlreiche Qualitätssicherungsmaßnahmen. Schon wenn es darum geht, ob die Beiträge überhaupt überprüft werden dürfen, muss ein unabhängiger mathematischer Treuhänder grünes Licht geben. Diese Überprüfung kann dazu führen, dass wir neu kalkulieren müssen. Das entsprechende Ergebnis muss dann wiederum von dem Treuhänder genehmigt werden. Und schließlich muss auch noch der Treuhänder jedes Versicherungsunternehmens sein Einverständnis geben, dass bei der Hinzurechnung der Verwaltungskosten alles gesetzeskonform zugegangen ist.

Um die Unabhängigkeit der Treuhänder gab es ja im Jahr 2018 einige Diskussionen …

Das liegt daran, dass das Landgericht Potsdam meinte, dass die Regeln für einen Wirtschaftsprüfer auf die Treuhänder in der PKV angewendet werden können. Das funktioniert nicht. Hinzu kommt, dass unsere Aufsichtsbehörde, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die Vorgabe macht, dass es pro Versicherungsunternehmen nur einen Treuhänder geben darf. Bei den brancheneinheitlichen Tarifen ist das etwas anders. Hier gibt es einen Treuhänder pro Tarif.

Eine weitere Aufgabe Ihres Bereichs ist es, die Zahlen für die Branche zusammenzutragen und zu veröffentlichen. Wer entscheidet denn, welche Daten abgefragt werden?

Letztlich entscheidet das der Ausschuss Mathematik-Statistik bei uns im PKV-Verband. Die Vorarbeiten finden jedoch viel früher statt, vor allem im Arbeitskreis Statistikhandbuch. Er definiert unter anderem die Abfragen und den Abfragerhythmus. Das ist ziemlich aufwändig. Wenn wir neue Daten regelmäßig abfragen wollen, benötigt der ganze Prozess von der Definition über die Umsetzung in den Unternehmen bis zur Datenmeldung im PKV-Verband mindestens ein Jahr Vorlauf.

Die endgültigen Zahlen der Branche für das Vorjahr stehen in der Regel erst am Ende des Folgejahres fest. Warum dauert das so lange?

Weil es auch hier mehrere Qualitätssicherungsstufen gibt. Zunächst prüfen wir, ob die uns gemeldeten Zahlen zueinander passen. Ist das nicht der Fall, wird die Meldung abgelehnt und wir bitten das Versicherungsunternehmen, die Daten zu überprüfen und erneut zu melden. Außerdem warten wir ab, bis die Geschäftsberichte sämtlicher Unternehmen veröffentlicht sind, und gleichen diese dann noch einmal mit den uns gemeldeten Angaben ab. Dabei stellen wir häufig noch Unterschiede fest, was überwiegend an den in den Geschäftsberichten vorgenommenen Rundungen liegt. Diese Qualitätskontrollen nehmen einige Zeit in Anspruch, sind aber notwendig.

Können die Unternehmen ihre Zahlen mit den Gesamtzahlen vergleichen?

Grundsätzlich stellen wir allen Unternehmen, die Daten gemeldet haben, eine Branchenauswertung zur Verfügung. Damit ist den Häusern ein Vergleich möglich. Aktuell arbeiten wir zusätzlich daran, die Auswertungsmöglichkeiten so zu erweitern, dass für alle Statistiken die Möglichkeiten der Kopfschadenstatistik verfügbar sind. Dort ist schon heute ein Vergleich zwischen Branchenzahlen und dem einzelnen Unternehmen online verfügbar.

 

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