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„Die Hygienekette ist bei uns standardmäßig sehr hoch angesiedelt“

DZV-Vorsitzende Dr. Angelika Brandl-Riedel

© DZV

Dr. Angelika Brandl-Riedel

 

04.11.2020

Auch in Zeiten der Pandemie können Patienten sorgenfrei zum Zahnarzt gehen, betont Dr. Angelika Brandl-Riedel, Vorsitzende des Deutschen Zahnärzte Verbands. Über die hohen Hygienestandards, die wirtschaftlichen Einbrüche in einigen Praxen und die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems sprach sie mit PKV-Pressesprecher Stefan Reker*.

Frau Dr. Brandl-Riedel, das gesundheitspolitische Thema Nummer eins in Deutschland ist nach wie vor – leider – die Corona-Pandemie. Welche waren die größten Herausforderungen der Zahnärzte in dieser Zeit?

Die größten Herausforderungen waren die Ängste der Patienten – leider teilweise durch die Medien und durch Politiker gefüttert, die davor warnten, in zahnärztliche Praxen zu gehen, weil die Hygiene nicht ausreichend sei, um sich vor Corona ausreichend geschützt zu fühlen. Dabei ist das Hauptproblem, die Hygienekette, ja standardmäßig bei uns Zahnärzten seit Jahrzehnten sehr hoch angesiedelt. Wir haben extrem hohe Hygienestandards – denn Infektionsmöglichkeiten gab es vor Corona bei uns auch, wenn die Hygiene nicht so gut gewesen wäre.

 

Ich habe das selbst als Patient erlebt: Die einzigen niedergelassenen Ärzte, bei denen ich auch vor Corona schon regelmäßig Mund-Nasen-Schutz und frische Handschuhe erlebt habe, sind die Zahnärzte.

Das haben auch meine Patienten mir sehr vertrauensvoll bestätigt. Und was der Patient selbst ja gar nicht miterlebt: Nach jedem Patienten, der den Behandlungsraum verlässt, wird auch die gesamte Einheit und das Umfeld desinfiziert.

Was macht diese Entwicklung wirtschaftlich mit den Zahnarztpraxen?

Die alteingesessenen Praxen, die ihre vertrauensvolle Basis zu den Patienten haben, haben natürlich auch Einbrüche erfahren müssen – aber vielleicht weniger belastend. Sehr leid tun mir die jungen Kollegen, die ihre Praxen vielleicht gerade eröffnet haben, als die Coronawelle kam. Dadurch kam natürlich auch kein Geld in die Kassen. Und das hat sie wirtschaftlich sehr aus der Bahn geworfen.

Weltweit betrachtet gilt Deutschland als Vorbild in der Bewältigung der Coronakrise. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ich denke, wir haben ein funktionierendes, sehr gut aufgesetztes Gesundheitssystem mit den Absicherungen durch gesetzliche Kassen, private Versicherungen und private Zusatzversicherungen. Die Menschen sind auch sensibilisiert, auf ihre Gesundheit zu achten. Sie sind bereit zu investieren: in die Zukunft, in die private Absicherung, in die Vorsorge.

Es gibt bereits erste politische Debatten, welche Folgerungen man aus der Pandemie ziehen sollte. Die Linke zum Beispiel ruft nach mehr Staat im Gesundheitswesen. Wie stehen Sie dazu?

Mehr Staat bedeutet, es wird auch stärker selektiert: in diesem Falle Leistungen, die man noch heute frei wählen darf. Zweitmeinungen bei Ärzten, freie Arztwahl – das alles sehe ich doch sehr gefährdet. Ich glaube, das hat gerade Vertrauen in die Medizin und in dieses Gesundheitssystem geschaffen. Manche Patienten betreue ich seit über 30 Jahren. Es könnte aber sein, dass so etwas in einem staatlichen System nicht mehr funktioniert, weil andere Kontingente benutzt werden müssen, die gerade frei sind.

Bisher hat es noch in jedem Bundestagswahlkampf auf der linken Hälfte des politischen Spektrums die Rufe nach einer sogenannten Bürgerversicherung gegeben. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin der Meinung, dass wir in Deutschland ein sehr gutes soziales Gesundheitswesen haben. Jeder wird gesundheitlich versorgt, egal wie hoch das Einkommen ist. Bürgerversicherung klingt für mich danach, dass alle immer die gleichen Leistungen bekommen, dass es schwieriger wird, andere Leistungen und andere Behandler zu wählen. Deshalb bin ich kein großer Freund davon.

Nach einem Dreivierteljahr mit Corona beginnt schon die Debatte, was uns die Pandemie gelehrt hat, was wir in Zukunft noch besser machen könnten in unserem deutschen Gesundheitswesen. Sind Ihnen da Punkte aufgefallen?

Die Kommunikation muss sicherlich digitaler verlaufen. Man sieht ja bereits in anderen Bereichen, dass Dinge über Internetsprechstunden abgeklärt werden können. Bürger sollten auch bereit sein, insgesamt die Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

*Nur zusammen können wir die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 verhindern. Darum achtet der PKV-Verband beim Dreh und der Produktion von Video-Interviews auf die AHA+L+A-Formel: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen sowie regelmäßiges Lüften und die Corona-Warn-App nutzen! (Das Video entstand am 24.8.2020)

 

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