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Hoffnung auf mehr Transparenz

Leiter des Geschäftsbereich Pflege

Andreas Besche ist Geschäftsführer Pflege im PKV-Verband

 

25.07.2019

Für Andreas Besche ist die Weiterentwicklung des sogenannten Pflege-TÜVs eines der wichtigsten Themen der kommenden Monate. Der Geschäftsführer Pflege im PKV-Verband berichtet zudem über die Kernaufgaben seines Bereichs.

Herr Besche, das Thema Pflege steht seit Jahren ganz oben in der öffentlichen Diskussion und der Gesetzgebung. Wie schlägt sich das auf die Arbeit in Ihrem Bereich nieder?

Gesundheitsminister Jens Spahn ist auch in der Pflege sehr aktiv. Gerade das Pflegepersonalstärkungsgesetz und die „Konzertierte Aktion Pflege“ haben uns in den vergangenen Monaten stark beschäftigt. Wobei das natürlich unter seinem Vorgänger Hermann Gröhe nicht anders war. Die Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade war mindestens genauso komplex. Insofern ist die Arbeitsbelastung seit längerem recht hoch.

Was genau sind denn die Kernaufgaben?

Mit Blick auf die Gesetzgebung gehört dazu, unsere Mitgliedsunternehmen darüber zu informieren, wie sich Neuregelungen auf das Leistungsrecht auswirken und was konkret zu beachten ist. Damit müssen wir früh anfangen – in der Regel schon, wenn für ein Gesetz ein Kabinettsbeschluss vorliegt, also noch bevor es in den Bundestag eingebracht wird. Dann entwerfen wir Auslegungshinweise – oft auch schon mit konkreten Berechnungsbeispielen. Die stimmen wir mit der Leistungskommission ab und schicken sie rund sechs Monate vor Inkrafttreten des Gesetzes an die Versicherer.

Aber die Regelungen können sich im Laufe des Gesetzgebungsprozesses noch verändern …

Natürlich ist das nicht der letzte Stand. Oft geben uns die Praktiker auch noch wertvolle Hinweise für das Gesetzgebungsverfahren. Mit der Zeit entwickelt man dann ein Gefühl dafür, was von einem Entwurf noch übrigbleibt und was sich ändern kann. Aber wenn wir überhaupt eine Chance haben wollen, dass die Unternehmen die Reglungen pünktlich zum Inkrafttreten eines Gesetzes umsetzen, bleibt uns keine andere Wahl. Die Unternehmen müssen die Neuerungen ja dann auch in ihrer Software umsetzen. Und mit der Pflege drängeln wir uns da ohnehin immer etwas vor. Denn die Regelungen sind ja gesetzlich vorgeschrieben und müssen umgesetzt werden. Die Unternehmen müssen dann im Zweifel andere Dinge beiseiteschieben.

Und über den endgültigen Stand informieren Sie dann erneut?

Selbstverständlich. Die entsprechenden Auslegungshinweise haben wir sogar in unserer Pflegesammlung zusammengefasst. Die haben wir gerade neu strukturiert und ein Buch daraus gemacht. Zwei Drittel davon haben wir gerade abgeschlossen. Das ist für die Versicherungsunternehmen sehr wertvoll und hilft zum Beispiel bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Das letzte Drittel wollen wir im kommenden Jahr fertigstellen.

Neben der Gesetzgebung haben Sie die Konzertierte Aktion Pflege erwähnt. Welche Rolle spielt der PKV-Verband darin?

Die Konzertierte Aktion Pflege wurde im Juli 2018 gemäß Koalitionsvertrag gestartet und lief bis zum 4. Juni 2019. Ziel war es, den Arbeitsalltag und die Arbeitsbedingungen von beruflich Pflegenden unmittelbar und spürbar zu verbessern. Sie bietet die Chance, dass sich die Verantwortlichen für die definierten Handlungsfelder – etwa Ausbildung und Qualifizierung – zu konkreten und wirksamen Maßnahmen verpflichten. Die PKV beteiligte sich an vier der fünf Arbeitsgruppen. Das war recht aufwändig und mit vielen Präsenzterminen verbunden.

Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Pflegethema in den nächsten Monaten?

Das ist die Weiterentwicklung des sogenannten Pflege-TÜVs – also die neuen Regeln für die Qualitätsprüfung und -darstellung von Pflegeeinrichtungen. Damit sind die Hoffnungen verbunden, dass das ungeliebte System der Pflegenoten abgelöst wird und es mehr Transparenz gibt. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen sich so zukünftig bei der Auswahl besser zurechtfinden. Wir sind als Mitglied des Qualitätsausschusses an dem Prozess beteiligt. Der Ausschuss hat einen wissenschaftlichen Entwurf für einen Neustart genehmigt.

Ab November 2019 sollen nun die Qualitätsprüfungen nach dem neuen Schema in stationären Einrichtungen erfolgen. Ab 2020 gibt es dann die Ergebnisse auch im Netz. Für den ambulanten Bereich wird das leider noch bis 2022 dauern. Ich persönlich hätte mir ein schnelleres Vorgehen gewünscht, aber es gehen immer von Pflegewissenschaftlern erarbeitete Konzepte voran und zudem muss die Selbstverwaltung viele Interessen unter einen Hut bringen. Das dauert.

Umsetzen müssen die neuen Regeln dann die Qualitätsprüfer. Also auch der Prüfdienst der PKV …

Ja, unser Prüfdienst hat auch schon mit den entsprechenden Schulungen für seine 160 Prüferinnen und Prüfer und weiteren Vorbereitungen, wie der neuen Prüfsoftware, begonnen. Alles, was bisher da ist, ist mit den neuen Regeln hinfällig. Aber wir sind da auf einem sehr guten Weg.

Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass Herr Schlerfer – der Leiter unseres Prüfdienstes – es hinbekommt, dass unsere Leute zum Stichtag 1. November nach den neuen Regeln prüfen. Die sind schon sehr gespannt auf die „neue Welt“, in der sie mehr Spielraum haben, um auf die Situation in der Pflegeeinrichtung einzugehen. Das bringt auch mehr Verantwortung mit sich. Das Ziel ist aber, dass die Verbraucher etwas davon haben, denn letztlich sind wir über pflegebedürftige Angehörige alle betroffen.

 

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