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„Erfolgreiche Präventionsarbeit muss die Schwachen im Fokus haben“

Dr. Kristel Degener, Vorstandsvorsitzende Deutsche AIDS-Stiftung

Dr. Kristel Degener, Vorstandsvorsitzende Deutsche AIDS-Stiftung

 

22.02.2019

Interview mit Dr. Kristel Degener, Vorstandsvorsitzende Deutsche AIDS-Stiftung


Was ist die Aufgabe der Deutschen AIDS-Stiftung?

Das Ziel der Stiftung ist es, Menschen zu unterstützen, die HIV-positiv oder an AIDS erkrankt sind. Wir helfen ihnen, ein selbstbestimmtes und diskriminierungsfreies Leben führen zu können. Das reicht von der Präventionsarbeit bis zur Hilfe in materiellen Notlagen – in Deutschland und darüber hinaus.

Wie bewerten Sie das Gesundheitssystem mit Blick auf die Versorgung bei HIV?

Das deutsche Gesundheitssystem ist im Fall von HIV/AIDS  sehr leistungsstark – sowohl was die Beratung und Betreuung, als auch was die Diagnose und Therapie betrifft. Wichtig ist mir aber, noch einen Schritt zurückzugehen: Wir haben in Deutschland auch eine sehr gute Präventionsarbeit, die Grund dafür ist, dass es hier im Vergleich zu anderen Ländern sehr niedrige Neuinfektionszahlen gibt.

Gibt es Teile der Gesellschaft, für die diese Präventionsarbeit besonders wichtig ist?

Prävention ist die Grundvoraussetzung dafür, HIV/AIDS überhaupt erfolgreich bekämpfen zu können. Insofern darf sie sich nicht nur auf einzelne Gruppen fokussieren. Dennoch kommt es insbesondere darauf an, jede Generation aufs Neue – die Jugend – über die möglichen Übertragungswege, die Folgen einer Erkrankung und die vorhandenen Therapie- und Testmöglichkeiten aufzuklären. Darüber hinaus widmen wir uns mit speziellen Projekten Menschen in unserer Gesellschaft, die besonders vulnerabel sind. Das sind Menschen mit Migrationshintergrund. Sie haben oft wenig Kenntnis über den Verlauf der Krankheit, über das deutsche Gesundheitssystem und die Versorgung hierzulande.

Der PKV-Verband fördert seit Jahren Projekte Ihrer Stiftung, die sich an Migranten richten…

… und dieses Engagement rechnen wir der Privaten Krankenversicherung auch hoch an. Diese Projekte sind sehr wichtig, um Zielgruppen zu erreichen, bei denen fehlende Sprachkenntnisse oder auch kulturelle Hürden es erschweren, die Erkrankung rechtzeitig diagnostizieren zu lassen. 

Welche Herausforderungen sehen Sie mit Blick auf die Zukunft?

Es leben noch immer Tausende Menschen in Deutschland, die nichts von ihrer HIV-Infektion wissen. Hier gibt es also noch viel zu tun. Ein weiteres Problem ist der drohende Facharztmangel. Schon jetzt fehlen in ländlichen Regionen spezialisierte Schwerpunktpraxen. Dazu kommt, dass die Betreiber der vorhandenen Praxen älter werden und ihre Praxis irgendwann an einen Nachfolger abgeben müssen. Auch die pflegerische Versorgung von Menschen mit HIV/AIDS ist wichtiges Zukunftsthema.

Mit der „Stiftung Gesundheitswissen“ fördert die PKV die Gesundheitskompetenz aller Patienten. Halten Sie das für sinnvoll?

In den ersten Jahren der HIV-Epidemie haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Patienten teilweise besser aufgeklärt als ihre behandelnden Ärzte waren. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass Patientenwissen sehr wichtig ist und – wie in diesem Fall – manchmal sogar Leben retten kann. 

 

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