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Gutachten: Deutschlands Pflegeheime brauchen mehr Personal

27.02.2020

In deutschen Altenpflegeheimen fehlen 120.000 Pflegekräfte. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten der Universität Bremen (PDF-Dokument), das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Für eine qualitativ hochwertige Betreuung müssten die Betreiber deutlich mehr Personal beschäftigen, so die Gutachter. Demnach fehlen den Einrichtungen vor allem Assistenzkräfte für alltägliche Aufgaben wie die einfache Körperpflege oder Unterstützung im Haushalt.

Personalbemessungsinstrument soll bundeseinheitlichen Standard setzen

Mit dem Gutachten erfüllt die Pflegeselbstverwaltung aus Kostenträger und Heimbetreibern eine Vorgabe des zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II). In ihrem Auftrag entwickeln die Bremer Wissenschaftler aktuell ein bundesweit einheitliches Personalbemessungsinstrument für Pflegeeinrichtungen. Gegenwärtig bestehen in den Bundesländern Rahmenverträge mit unterschiedlichen Personalschlüsseln. Das Gutachten könnten der Auftakt dafür sein, dass sich die Länder von starren Fachkraftquoten, die die Einrichtungen unnötig einengen, verabschieden. An der wissenschaftlichen Datenerhebung im Jahr 2018 hatte der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) durch seinen Prüfdienst mitgewirkt.

Pflegeeinrichtungen leiden unter Fachkräftemangel

Die Ergebnisse des Gutachtens haben Auswirkungen auf den Fachkräftemangel und die Finanzierung der Pflege – zwei Bereiche, die bereits heute schwer auf dem Versorgungssystem lasten. Viele Einrichtungen leiden unter dem akuten Fachkräftemangel. Obwohl die Ausbildungszahlen seit Jahren steigen, kann der wachsende Bedarf nicht gedeckt werden. Die Bundesregierung versucht hier mit der Ausbildungsoffensive Pflege gegenzusteuern.  

Wie schwierig sich der Arbeitsmarkt in der Pflege darstellt, zeigt außerdem die Startphase des Sofortprogramms für mehr Pflegepersonal. Ein Großteil der von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der PKV bereitgestellten Fördermittel wurden bislang nicht abgerufen. Mit mehr Geld allein ist es offenbar nicht getan.

Kein Spielraum für Leistungsausweitungen

Ohnehin dürfte ein besserer Betreuungsschlüssel nach der derzeitigen Finanzierungssystematik zu höheren Eigenanteilen der Pflegeheimbewohner führen. Dabei sind die finanziellen Spielräume in der gesetzlichen Pflegeversicherung weitgehend ausgereizt. Mit einer Sozialabgabenquote von insgesamt 39,65 Prozent pro Person ist Deutschland der Obergrenze von 40 Prozent aus dem Koalitionsvertrag schon sehr nahe.

Ungeachtet einer sich abkühlenden Konjunktur und den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt wird dennoch weiter über Leistungsausweitungen diskutiert, etwa über eine Begrnezzung des Eigenanteils, dem sogenannten Sockel-Spitze-Tausch, oder über die Umstellung der Pflegeversicherung auf volle Kostenerstattung.

Angesichts des demografischen Wandels sollte sich der Gesetzgeber mit neuen Leistungsansprüchen in der Pflegeversicherung generell zurückhalten. Schon die Finanzierung der bestehenden Leistungen wird durch die fortschreitende Alterung der Gesellschaft eine Herausforderung, wie aktuelle Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) zur Beitragsentwicklung in der Sozialen Pflegeversicherung zeigen.

Neuer Generationenvertrag für die Pflege

Wie die steigende Belastung der älteren Generation durch höhere Pflegekosten gezielt abgefedert und zugleich die Jüngeren beim Aufbau einer privaten Eigenvorsorge unterstützt werden können, zeigt der Neue Generationenvertrag des PKV-Verbands. Der Reformvorschlag könnte den Beitragssatz zur Sozialen Pflegeversicherung bis zum Jahr 2040 bei drei Prozent stabilisieren.  

Das PKV-Modell sieht für Ältere eine regelmäßige Dynamisierung der Leistungen vor, um zumindest teilweise den Anstieg der Eigenanteile zu ­dämpfen. Die jüngeren Generationen müssen mehr privat vorsorgen, werden dabei aber durch die Förderung der privaten Pflegevorsorge unterstützt, zum Beispiel durch Steuerabzüge, betriebliche Vereinbarungen oder staatliche Förderung wie beim sogenannten Pflege-Bahr unterstützt.

 

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