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EZB-Niedrigzinspolitik belastet Kranken- und Pflegeversicherung

02.08.2019

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) trifft zunehmend die Versicherten der deutschen Pflege- und Krankenversicherungen. Nach einem Bericht des Berliner Tagesspiegels haben Negativzinsen die Beitragszahler der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung im vergangenen Jahr 67 Millionen Euro gekostet. Immer öfter müssen die gesetzlichen Sozialversicherungsträger negative Zinsen auf das von ihnen verwaltete Geld zahlen.   

Zwar finanzieren sich die gesetzlichen Sozialversicherungen im sogenannten Umlageverfahren, das heißt die aktuellen Einnahmen sollen im Wesentlichen nur die aktuellen Ausgaben decken. Im Zuge der dazu erforderlichen Finanzflüsse werden aber große Summen kurzfristig als Termingelder und Giroguthaben angelegt.

Nach Auskunft des Bundesversicherungsamts fielen für den Gesundheitsfonds in der gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2018 Negativzinsen in Höhe von 9,2 Millionen Euro an. Beim Ausgleichsfonds der Sozialen Pflegeversicherung betrugen die Kosten für negative Zinsen insgesamt 3,5 Millionen Euro. Bezahlt werden diese Negativzinsen aus den Beiträgen der Versicherten. In der anhaltenden Niedrigzinsphase werde es für die Sozialversicherungen „immer schwieriger, rechtskonforme Anlageprodukte mit einem angemessenen Ertrag zu erschließen“, erklärt der Präsident des Bundesversicherungsamts, Frank Plate, in der F.A.Z.

Niedrig- und Strafzinspolitik trifft Sparer und Versicherte

Im Zuge der letzten Finanzkrise hat die EZB den Leitzins sukzessive gesenkt – seit März 2016 liegt er bei 0,0 Prozent. Banken, die Geld bei der EZB einlagern, zahlen sogar einen Strafzins von 0,4 Prozent. Diese Strafzinsen geben die Banken an ihre Kunden weiter – an Sparer, an Unternehmen, aber auch an staatliche Behörden oder Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Folgen dieser Niedrig- und Strafzinspolitik bekommen daher auch jene Bürger zu spüren, die zwar nur wenig Geld auf der Bank haben, aber als Arbeitnehmer und Rentner Beiträge für die Sozialversicherungen abführen.

Betroffen von der Geldpolitik der EZB sind auch die Kapitalanlagen der Privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Denn mit der Absenkung des EZB-Leitzinses sind auch die Zinsen für sichere, langfristige Anlageprodukte gefallen. Zwar erzielten die PKV-Unternehmen im Jahr 2017 immer noch eine beachtliche Nettoverzinsung von 3,46 Prozent. Dieser relativ hohe Wert ist allerdings nur noch möglich durch deutlich höher verzinste langfristige Anlagen aus früheren Jahren.

 

Die Tendenz bei der Nettoverzinsung in der PKV ist jedoch rückläufig, da die Zinsen bei jeder Neuanlage geringer als in den Jahren vor der Niedrigzinspolitik sind. Daher müssen die Versicherer ihre Zinserwartungen vorsorglich zurückschrauben. Für die Versicherten führt dies mittelfristig zu einem Anstieg der Beiträge. Denn was am Kapitalmarkt nicht zu erwirtschaften ist, muss – so ist es gesetzlich vorgeschrieben – durch eine Erhöhung der Vorsorge ausgeglichen werden. Davon sind Privatversicherte also ebenso betroffen wie andere Sparer auch, wobei jede Beitragsanpassung dauerhaft ihre eigene medizinische Versorgung der Zukunft sichert.

 

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