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Es gibt einen Bedarf, der eine eigene Lösung erfordert hat

 

14.10.2020

Am 1. Juli 2021 ist es soweit: Dann starten die Verträge zur betrieblichen Pflegeversicherung für bis zu 580.000 Beschäftigte aus der Chemiebranche. Ein Novum in Deutschland und aus Sicht vieler Experten ein effektives Instrument, um die Pflegeversorgung nachhaltig und generationengerecht abzusichern. Wie die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) zu dieser tariflichen Einigung mit den Arbeitgebern gekommen ist, das berichtete Christian Jungvogel, Abteilungsleiter Tarifpolitik der IGBCE, beim gestrigen PKV-Webinar der Reihe „Impulse für die nächste Pflegereform“.

 

Christian Jungvogel, Abteilungsleiter Tarifpolitik der IG Bergbau, Chemie, Energie

 

„Am Anfang stand die Feststellung: Es gibt eine soziale Belastung der Beschäftigten im Bereich der Pflege“, erläuterte Christian Jungvogel. Denn wie die meisten Menschen in Deutschland habe auch fast jeder Chemie-Beschäftigte ein Familienmitglied, das Pflege benötige. In vielen Fällen ist das mit Kosten verbunden, die Betroffene und Familien stark belasten. Mit Blick auf diesen Bedarf hätten die Tarifpartner eine eigene, tarifliche Lösung ausgehandelt.

Im Bedarfsfall gibt es 1.000 Euro im Monat

Das Ergebnis ist beeindruckend: Für das teuerste Risiko, die stationäre Unterbringung im Pflegeheim, leistet diese Versicherung für alle Beschäftigten zusätzlich zur gesetzlichen Pflegeversicherung im Bedarfsfall 1.000 Euro monatlich in den Pflegegraden 2 bis 5. Und auch bei ambulanter häuslicher Pflege in den Pflegegraden 2 bis 4 gibt es eine Unterstützung mit 300 Euro monatlich zur freien Verfügung. Der Arbeitgeber übernimmt die Beiträge für seine Beschäftigten. Die liegen pro Kopf bei 33,65 Euro im Monat. Möglich sind diese niedrigen Beträge, weil sich die Risiken im großen Kollektiv der Beschäftigten versicherungsmathematisch gut kalkulieren lassen. Eine Gesundheitsprüfung ist dadurch ebenfalls nicht erforderlich. Beschäftigte haben zudem die Möglichkeit, Leistungen individuell aufzustocken sowie Angehörige mitzuversichern. Und auch nach Beendigung des Arbeitsvertrags geht der Schutz nicht verloren: die Versicherten können dann ihre Pflegezusatzversicherung zu den günstigen Beiträgen ihres früheren Einstiegsalters individuell weiterführen.

Welche Auswirkungen hat die kommende Pflegereform auf die Lösung in der Chemiebranche? Christian Jungvogel sieht auch nach einer Deckelung der Eigenanteile, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sie in seinen Eckpunkten vorgelegt hat, weiterhin einen großen Bedarf zur zusätzlichen Vorsorge. Selbst nach einer Deckelung der reinen Pflegekosten blieben noch die Kosten für Unterbringung, Verpflegung sowie Investitionen, die Pflegebedürftige auch weiterhin selber zahlen müssten. Dafür bleibe die tarifliche Zusatzversicherung der Chemiebranche eine wichtige Hilfe.

Unterstützung des Gesetzgebers ist notwendig

Wie könnte die Politik die tariflichen Zusatzversicherungen unterstützen? Auch hier hat Jungvogel klare Vorstellungen, die keinen großen Reformaufwand erfordern würden, wenn es steuerliche Fördermaßnahmen gebe. Wenn die Beitragszahlungen jeweils von der Steuer abgesetzt werden könnten, wie zum Beispiel bei der betrieblichen Altersvorsorge, wären betriebliche Pflegeversicherungen für viele Unternehmen einfacher umzusetzen. Doch auch schon ohne steuerliche Förderung hat sich gezeigt: Das Interesse an diesem Vorsorge-Modell, so berichtet Jungvogel, sei seit dem Tarifabschluss branchenübergreifend groß.

Wie geht es weiter? In der kommenden Woche laden wir zum fünften Webinar der Reihe „Impulse für die nächste Pflegereform“ ein. Das Thema am kommenden Mittwoch, den 21. Oktober 2020 um 13 Uhr lautet „Erwartungen an die Zukunft der Pflege.“ Zu Gast bei Timm Genett ist dann Prof. Dr. Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft an der Charité.

Weitere Informationen zum Thema und zur Anmeldung finden Sie hier.

 

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