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Einschätzungen zum Jahreswechsel

 

30.12.2019

Die aktuelle Situation des deutschen Gesundheitssystems im Allgemeinen und der Privaten Krankenversicherung (PKV) im Besonderen analysiert PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther:

"Erfreulich im ausgehenden Jahr ist, dass wieder mehr Menschen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die Private Krankenversicherung (PKV) wechseln als umgekehrt. Dieser Saldo fiel schon 2018 wieder leicht zu unseren Gunsten aus und er hat sich 2019 weiter verstärkt. Die PKV hat also nach einigen schwächeren Jahren ganz offenbar die Trendwende geschafft.

Weniger erfreulich ist die wachsende Neigung der Großen Koalition, die Finanzierung von Infrastruktur pauschal auf die Krankenversicherung zu verlagern. Das betrifft zum Beispiel große Teile der Pflegereform wie die Förderung von 13.000 Pflegestellen und die Ausstattung von Einrichtungen mit Digitaltechnik. Es wäre sozial viel gerechter, diese Maßnahmen von allen Steuerzahlern entsprechend ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit tragen zu lassen.

Politische Blockade zu Lasten der Privatversicherten

Ärgerlich für die Privatversicherten ist die anhaltende Blockade der SPD gegen jegliche Erleichterungen zu ihren Gunsten. So setzen wir uns schon seit Jahren dafür ein, die Beitragsentwicklung zu glätten, was durch kleinere Korrekturen möglich wäre. Unter dem Strich sind die Beiträge in der PKV im Schnitt der letzten zehn Jahre nämlich weniger stark gestiegen als in der GKV. Doch während der Anstieg dort in kleinen jährlichen Schritten erfolgt und deshalb nahezu unbemerkt bleibt, haben Privatversicherte oft nach mehreren Jahren Stabilität eine stärkere, nachholende Beitragserhöhung auf einen Schlag. Unsere Vorschläge im Interesse der Versicherten werden auch von Verbraucherschützern unterstützt, doch sie scheitern bisher am Veto der SPD. Dasselbe gilt für die Forderung, den PKV-Standardtarif wieder für alle Privatversicherten als Sozialtarif zu öffnen, damit wir bei finanziellen Problemlagen optimal helfen können.

Megathemen Demografie und Digitalisierung

Ein wichtiges Thema wird auch 2020 die Pflege sein – und dazu können wir als PKV wertvolle Beiträge liefern, die wir offensiv in die Politik einbringen wollen. Unser Konzept für einen „neuen Generationenvertrag für die Pflege“ berücksichtigt den demografischen Wandel und bietet einen fairen Ausgleich der Interessen von Älteren und Jüngeren. Wir wollen durch den schrittweisen Aufbau einer finanziellen Eigenvorsorge das Pflegesystem nachhaltig stärken. Mit unseren Vorschlägen kann es gelingen, den Beitragssatz der gesetzlichen Pflegeversicherung auf dem heutigen Niveau von etwa 3 Prozentpunkten zu stabilisieren.

Ein weiteres Mega-Thema ist die Digitalisierung. Die Private Krankenversicherung versteht sich seit jeher als Antreiber und Türöffner für medizinische Innovationen. Diesem Anspruch wollen wir auch in der Digitalisierung gerecht werden. Deshalb haben wir den Venture-Capital-Fonds „heal capital“ gegründet. In diesem Fonds werden die beteiligten PKV-Unternehmen ein Zielvolumen von 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um damit Startup-Unternehmen zu fördern, die digitale Innovationen für die Gesundheitsversorgung entwi­ckeln. Mit diesem Gründer-Kapital werden wir gezielt die Qualität der medizinischen Versorgung in Deutschland und die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben.

Wachsender Druck auf die GKV-Finanzierung

Wenn bald die Babyboomer-Jahrgänge in Rente gehen und mit zunehmendem Alter sehr viel mehr Gesundheits- und Pflegeleistungen in Anspruch nehmen werden, zugleich aber die nachrückenden Jahrgänge der erwerbstätigen Beitragszahler immer kleiner werden, dann gerät die Umlagefinanzierung der GKV unter noch massiveren Druck. Das deutsche Gesundheitswesen wird im demografischen Wandel deshalb noch sehr froh sein, dass es die PKV als stabile und kapitalgedeckte zweite Säule gibt."

 

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