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eHealth-Anwendungen profitieren vom Coronavirus

© istock @Nataliia Nesterenko

 

11.06.2020

Corona beflügelt die Digitalisierung im Gesundheitswesen: So ließe sich – stark verkürzt – eine positive Wirkung des Sars-CoV-2-Virus zusammenfassen. Denn inmitten der Pandemie erkennen Ärzte und Patienten den Nutzen der Telemedizin, von Gesundheits-Apps sowie elektronischer Akten und Bescheinigungen. Das heißt jedoch noch nicht, dass sie flächendeckend genutzt werden.

Aktuelle Umfragen zeigen, dass die meisten Deutschen digitalen Gesundheitsanwendungen offen gegenüberstehen. In einer Studie des Digitalverbands Bitkom etwa sprechen sich 93 Prozent der Befragten für einen Ausbau der digitalen Gesundheitsversorgung aus: Vor allem die ärztliche Beratung per Chat und Video-Sprechstunden sollten stärker verfügbar sein – und zwar über die Zeit der Coronakrise hinaus. Die Krankschreibung ohne Arztbesuch per Telefon, die als Sonderregelung bis Ende Mai möglich war, sollte nach Ansicht von 62 Prozent der Umfrageteilnehmer beibehalten werden. Sie wünschen sich, sich nicht nur telefonisch, sondern auch per E-Mail, Messenger oder App krankschreiben lassen zu können.

Aus Patientensicht durchaus nachvollziehbar: Wer fürchtet, krank und womöglich ansteckend zu sein, müsste weder den Weg zum Arzt auf sich nehmen noch (zumeist in Gesellschaft) im Wartezimmer sitzen, um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung abzuholen. Eine elektronische Übermittlung spart den Versicherten Zeit, Aufwand – und minimiert nicht zuletzt das Ansteckungsrisiko für andere und sich selbst.

Die Mehrheit der Deutschen sehen diese Vorteile offenbar auch bei einem elektronisch ausgestellten Rezept (E-Rezept). Laut Healthcare-Barometer der Beratungsgesellschaft PwC würden 76 Prozent der Befragten das elektronische Rezept nutzen, sogar 87 Prozent die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), das bereits seit Ende vergangenen Jahres in Kraft ist, sieht diese Möglichkeiten vor – allerdings lediglich für gesetzlich Versicherte. Im Sinne der privat Krankenversicherten ist dafür zu sorgen, dass auch sie Zugang zu der notwendigen Telematik-Infrastruktur erhalten. Das ist die Voraussetzung dafür, dass tatsächlich alle Menschen von der eHealth-Grundversorgung profitieren.

Ärzte bieten 2020 deutlich mehr Videosprechstunden an

Nachdem die PKV auch telefonische und Videosprechstunden von Ärzten seit jeher ohne Deckelung vergütet, zog die GKV in der Coronakrise nach: Seit April dieses Jahres können Ärzte Behandlungen per Videosprechstunde unbegrenzt abrechnen – zumindest bis Ende des zweiten Quartals. Diese Regelung wirkt sich aus: Eine Studie des Health Innovation Hubs des Bundesgesundheitsministeriums und der Stiftung Gesundheit vom April und Mai dieses Jahres zeigt, dass mehr als 52 Prozent der an der Befragung teilnehmenden Ärzte Videosprechstunden anbieten – 2017 waren es nicht mal zwei Prozent. Auslöser dieses deutlichen Anstiegs ist mit ziemlicher Sicherheit die Corona-Pandemie: Mehr als 94 Prozent der Ärzte gab an, diese Kommunikationsform erst im Laufe dieses Jahres eingerichtet zu haben.

Patienten schätzen dieses Angebot offenbar. Rund drei Viertel der Ärzte sagten, dass sie aktuell deutlich mehr Videosprechstunden machen als vor der Pandemie. Und fast ein Drittel berichtete, dass Patienten vermehrt aktiv nach Videosprechstunden fragen.

Allerdings: Der EPatient Survey – eine Online-Befragung unter 9700 Teilnehmern – lässt das hohe Interesse der Menschen an Telemedizin in deutlich trüberem Licht erscheinen. Zwei Drittel der Befragten behaupten zwar, dass sie Videosprechstunden nützen würden, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Tatsächlich tun es aber nur zwei Prozent, selbst in Corona-Zeiten. Der Studienleiter Dr. Alexander Schachinger führt das auf den mangelnden Breitbandausbau vor allem in strukturschwächeren Regionen zurück. Dennoch bedeuten diese zwei Prozent eine Verdreifachung gegenüber dem Jahr zuvor (0,7 Prozent) – insofern durchaus eine signifikante Steigerung. Eine weitere gute Nachricht: Vier von fünf Patienten, die ihren Arzt online konsultiert haben, würden es gern wieder tun.

Digital-Health-Startups sehen neue Geschäftschancen

Auch Gesundheits-Apps erleben in der Coronakrise einen Aufschwung. Wie aus dem Gesundheitsmonitor des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller hervorgeht, nutzen derzeit zwölf Prozent der Deutschen digitale Gesundheitsanwendungen, um eine bestehende Krankheit zu überwachen und zu behandeln oder um eine Krankheit rechtzeitig zu erkennen. Das Potenzial dieser Apps erkennen jedoch weit mehr: Zwei Drittel der Befragten halten Anwendungen zur Überwachung einer bekannten Erkrankung und zur Unterstützung einer laufenden Therapie für sinnvoll; immerhin die Hälfte findet Apps zur rechtzeitigen Erkennung von Erkrankungen nützlich. 40 Prozent wollen digitale Gesundheitsanwendungen in naher Zukunft verwenden.

 

Junge Unternehmen aus dem Bereich Digitale Gesundheitsversorgung sehen die derzeitige Krise demzufolge als Chance. Eine Umfrage der PwC-Strategieberatung Strategy& ergab, dass 82 Prozent der Digital-Healthcare-Startups und -Investoren neue Geschäftschancen erkennen – vor allem wegen des deutlich gestiegenen Bewusstseins für digitale Angebote in der Bevölkerung. Die aktuellen Nutzerzahlen von Health- und Fitnessanwendungen belegen dies: Seit Mitte März, dem Zeitpunkt des bundesweiten Corona-Lockdowns, ist die Anzahl monatlicher Nutzer um 16 Prozent gestiegen. Laut der PwC-Befragung und einer Datenanalyse nutzen 20,4 Millionen Deutsche Digital-Health- und Fitness-Apps – rund drei Millionen mehr als im vergangenen Jahr.

Die PKV unterstützt eHealth-Startups mit einem eigens aufgelegten Venture-Capital-Fonds: Heal Capital, im Herbst 2019 gestartet und mittlerweile ausgestattet mit einem Volumen von fast 90 Millionen Euro, ist einer der ersten Fonds weltweit für den digitalen Gesundheitsmarkt. Die privaten Krankenversicherungen wollen so die Entwicklung digitaler Lösungen im Gesundheitswesen voranbringen und für die Menschen nutzbar machen – nicht nur, aber auch während der Coronakrise.

 

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