• Vorlesen
  • A A A

„Wir wollen mit dem Labor gute Medizin machen“

© ALM

ALM-Vorsitzender Dr. Michael Müller

 

16.10.2020

Eine zuverlässige Test-Methode entwickeln, den Proben-Ansturm bewältigen – und auf die eigenen Fähigkeiten vertrauen: Dr. Michael Müller, Vorsitzender des Verbands der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM), erläutert die größten Herausforderungen der Labormediziner in der Corona-Pandemie. Mit ihm sprach PKV-Pressereferentin Christina Betz.

Herr Dr. Müller, was haben Sie, was haben die Labormediziner in der Corona-Pandemie gelernt?

Wir haben gelernt, auf unsere Fähigkeiten zu vertrauen. Denn im Januar, als noch niemand Covid-19 kannte, war es ein Berliner Labor, das die Diagnostik entwickelt hat – und alle anderen Laboratorien in Deutschland haben diese Methode früh etabliert. Und schließlich konnten wir rasch den Bedarf an den notwendigen diagnostischen Werkzeugen zur Verfügung stellen, um eine solche Pandemie gut einschätzen und am Ende des Tages auch gut eindämmen zu können.

 

Was waren insbesondere zu Beginn der Pandemie die größten Herausforderungen für die Labore?

Die größte Herausforderung ganz zu Anfang war: Wie funktioniert die Methode? Wie können wir sicher eine solche Polymerase-Kettenreaktion, die spezifisch Sars-CoV-2-Erreger erkennt, so entwickeln, dass wir möglichst alle Infizierten erkennen und möglichst diagnostisch effizient diese Infektion entdecken können? Eine weitere Herausforderung war, diese Methode in einem skalierbaren Maßstab zur Verfügung zu stellen. Zu Beginn haben wir ja wenige tausend Tests in der Woche untersucht – mittlerweile liegen wir bei deutlich über eine Million.

Wie können die Labore das bewerkstelligen?

Ein wesentlicher Vorteil der deutschen Laboratoriumsmedizin ist, dass sie ärztlich verantwortet ist. Fachärzte für Laboratoriumsmedizin sowie Fachärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie blicken auf diese Erkrankung und kennen jede Methode im Labor. Außerdem ist unser tolles Personal extrem engagiert und hochmotiviert. Die Mitarbeiter legen sich richtig ins Zeug, um sich mit dem Proben-Ansturm auseinanderzusetzen und jeden Tag gleich gut viele ärztliche Befunde mit zu erarbeiten.

„Ein Erfolgsfaktor ist die starke ambulante vertragsärztliche Versorgung“

Welche weiteren strukturellen Erfolgsfaktoren helfen Deutschland, vor allem im Ländervergleich einigermaßen gut durch die Corona-Pandemie zu kommen?

Ein ganz wesentlicher Faktor ist die starke ambulante vertragsärztliche Versorgung in Deutschland. Dazu gehören auch die fachärztlichen Laboratorien, die über das Land verteilt sind. In Zusammenarbeit mit den Kliniken übernehmen sie die Versorgung und konnten in der Covid-19-Pandemie ganz dynamisch reagieren.

Sie und Ihre Kollegen haben als Labormediziner in den letzten Monaten besondere Aufmerksamkeit erhalten. In der Vergangenheit wurden Ihre Dienste eher selbstverständlich hingenommen …

Was am Ende übrigens auch ein Kompliment ist: Wenn keiner meckert, läufts gut. Es war gut, dass wir jetzt viel Aufmerksamkeit bekommen haben – weil wir davon lernen, dass eine ärztlich verantwortete Diagnostik wichtig ist, um gute Medizin machen zu können. Das ist unser Anspruch in den fachärztlichen Laboren: Wir wollen mit dem Labor gute Medizin machen.

Einige meinen mittlerweile, Corona habe gezeigt, dass wir mehr staatlichen Einfluss im Gesundheitssystem brauchen. Was halten Sie davon?

Unsere Erkenntnis ist: Die Ärzte verantworten Medizin. Lasst die Ärzte eine gute Medizin machen. Der Staat schafft die notwendigen Rahmenbedingungen, um gemeinschaftlich eine solche Pandemie einschätzen zu können. Die Bundesregierung, vor allem das Bundesgesundheitsministerium und der Minister, haben meiner Ansicht nach ganz früh wichtige, richtungsweisende Impulse gesetzt. Sie wurden auf Länderebene ja auch häufig mitgetragen. Selten hat man eine so große Einheit der Politik erlebt. Manches hätte vielleicht besser gemacht werden können – aber das ist in der Rückschau immer leicht gesagt. Ich bin der Auffassung, dass weniger Staat, so wie es jetzt eingestellt ist, völlig richtig ist. Mehr Staat macht es mit Sicherheit nicht besser.

 

Ähnliche Artikel

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten und um Nutzerverhalten und Marketingmaßnahmen in pseudonymer Form zu analysieren. Indem Sie fortfahren, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies und stimmen den Webanalyse-Maßnahmen zu. Ihr Einverständnis können Sie jederzeit widerrufen. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Erweiterte Einstellungen