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Die A1-Bescheinigung: Was Privatversicherte jetzt beachten müssen

© istock:koya79

 

25.10.2019

Wer eine vorübergehende Beschäftigung im europäischen Ausland aufnimmt, benötigt die Entsendebescheinigung A1. Dabei gibt es jedoch Einiges zu beachten – und im Sommer 2019 ist eine wichtige Neuregelung in Kraft getreten.

Das EU-Recht sieht vor, dass für Erwerbstätige nur Rechtsvorschriften zur sozialen Sicherheit eines einzigen EU-Staates gelten sollen. Das ist in aller Regel der Staat, in dem ein Arbeitnehmer oder Selbstständiger seiner Erwerbstätigkeit nachgeht.

Für Personen, die nur für eine begrenzte Dauer durch ihren Arbeitgeber oder Dienstherren in einen anderen Staat entsendet werden oder die dort einer selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgehen, gilt diese Zuordnung jedoch nicht zwangsläufig. In diesem Fall können sie durch die Entsendebescheinigung A1 den Sozialversicherungsstatus eines anderen Staates nachweisen.

Hinweis: Mit der Entsendebescheinigung A1 weisen Arbeitnehmer ihren Sozialversicherungsstatus  nach. Wenn im EU-Ausland lediglich der Nachweis über den Krankenversicherungsschutz gefordert wird, dann gilt das „Certificate of Entitlement“. Wichtig: Es handelt sich hier um zwei grundlegend unterschiedliche Antragsformulare.     

Ein Beispiel: Der deutsche Arbeitnehmer Max Mustermann wird für ein Bauprojekt durch seinen Arbeitgeber nach Frankreich entsendet. Die Dauer des Aufenthalts beträgt sechs Monate. Weil Mustermann privatversichert ist, beantragt sein Arbeitgeber rechtzeitig vor der Abreise die A1-Bescheinigung bei der Deutschen Rentenversicherung. Damit kann Mustermann seinen Sozialversicherungsstatus in Frankreich nachweisen. Kann er bei einer Kontrolle dagegen keine Bescheinigung vorlegen, drohen möglicherweise Geldbußen.    

Wann wird eine A1-Bescheinigung benötigt?

  • Ein Arbeitgeber schickt einen Angestellten in ein anderes EU-Land*. Der Arbeitnehmer ist dort vorübergehend für einen Zeitraum von höchstens 24 Monaten für den Arbeitgeber tätig.
  • Ein Selbstständiger aus einem EU-Land möchte in einem anderen EU-Land* einer ähnlichen selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Höchstdauer ist auf 24 Monate begrenzt.   
  • Ein Beamter ist in mehr als einem EU-Land* tätig.

* Die Bestimmungen gelten ebenfalls für die EWR-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen sowie der Schweiz. Das A1-Formular gilt nicht für die Entsendung in Staaten, mit denen Deutschland bilaterale Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat. Hier benötigt der Erwerbstätige andere Bescheinigungen.

Wo beantragen Privatversicherte eine A1-Bescheinigung?

Personen mit einer berufsständischen Versorgung stellen Antrag bei der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen (ABV).

Privatversicherte, die nicht berufsständisch versorgt sind, beantragen die A1-Bescheinigung bei ihrem Rentenversicherungsträger.

Personen, die gewöhnlich in mehr als einem Mitgliedstaat beruflich tätig sind, wenden sich an den GKV-Spitzenverband (Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland, DVKA). Das Krankenversicherungsverhältnis spielt im Falle einer Mehrfacherwerbstätigkeit keine Rolle.

Wie wird die A1-Bescheinigung beantragt?  

Seit dem 1. Juli 2019 ist für Arbeitnehmer das elektronische Antragsverfahren verpflichtend. Die Arbeitgeber können die elektronischen Anträge über die Entgeltabrechnungsprogramme oder mittels Ausfüllhilfe stellen. Personen, die gewöhnlich in mehreren EU-Staaten beziehungsweise in den Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und/oder der Schweiz beschäftigt sind, stellen die Anträge in Papierform.     

Beamte können in einigen Fällen ebenfalls das elektronische Antragsverfahren nutzen. Verbeamtete Personen, die diesen Service nicht nutzen können, beantragen die A1-Bescheinigung in Papierform. Die Fragebögen stellt die Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA) hier zur Verfügung.      

Selbstständige müssen die Anträge in Papierform vorweisen. Für diese Personengruppe stellt die DVKA die Fragebögen hier zur Verfügung.

Wird eine A1-Bescheinigung auch bei kurzfristigen Dienst- und Geschäftsreisen von kurzer Dauer benötigt?

Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt Geschäftsreisenden, sich vorab über die Kontrollpraxis des jeweiligen Staates zu informieren, in den eine Dienst- oder Geschäftsreise unternommen wird. Insbesondere Österreich und Frankreich führen verstärkt Kontrollen durch. Deshalb sollte eine A1-Bescheinigung grundsätzlich im Vorfeld der Reise beantragt werden.

Bei kurzfristigen oder kurzen Dienst- oder Geschäftsreisen (bis zu sieben Tagen) kann eine A1-Bescheinigung ansonsten auch noch nachträglich beantragt werden. „Bei sehr kurzen Entsendezeiträumen bis zu einer Woche kann es zweckmäßig sein, auf einen Antrag auf Ausstellung der Bescheinigung A1 zu verzichten“, heißt es in einem Schreiben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die Mitgliedsstaaten können hier nach eigenem Ermessen entscheide.

Liegt noch keine A1-Bescheinigung bei einer dringenden kurzfristigen Entsendung vor, sollten Arbeitnehmer eine Kopie des aktuellen Antrags auf Ausstellung der A1-Bescheinigung mitführen.  

 


Aktualisiert am 25.10.2019
 

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