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Deutschland bei Zugang zu neuen Krebsmedikamenten spitze

18.02.2020

In Deutschland haben Krebspatienten im internationalen Vergleich den besten Zugang zu neuen Krebsmedikamenten. Das zeigt eine Vergleichsanalyse unter zahlreichen europäischen Ländern, die das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) in einer Arzneimittel-Studie zur onkologischen Versorgung (PDF-Dokument) vorgenommen hat. Demnach stehen in Deutschland neue Krebsmedikamente im Durchschnitt bereits 82 Tage nach der europäischen Zulassung zur Verfügung. Dies ist die kürzeste Zeitspanne zwischen Zulassung und Marktzutritt in der EU. Zum Vergleich: In den Niederlanden dauert es 163 Tage, in der Schweiz 309 Tage, bis das Präparat verfügbar ist. Der EU-Durchschnitt liegt bei 445 Tagen.

 
 

Krebspatienten profitieren von umfangreichen Arzneimittel-Angebot

In den Jahren 2015-2017 hat die Europäische Zulassungsbehörde (EMA) insgesamt 31 neuen onkologischen Medikamenten grünes Licht erteilt, davon sind 30 in Deutschland auf dem Markt. In keinem anderen Land sind so viele neue Krebsmedikamente verfügbar. Nur Österreich und die Niederlande mit jeweils 29 und die Schweiz mit 27 Präparaten kommen auf eine ähnlich hohe Abdeckung. Patienten in Finnland (21), Spanien (19) und Norwegen (17) stehen deutlich weniger Krebsmedikamente zur Verfügung.

 
 

Ein Blick auf neuere Medikamente zeigt ein ähnliches Bild. Der Vergleich von sieben Gesundheitssystemen (Deutschland, Niederlande, Großbritannien, Finnland, Schweiz, Belgien, Spanien) auf Basis nationaler Datenbanken zeigt: Nur in Deutschland sind alle onkologischen Arzneimittel des 2018‘er Jahrgangs auf dem Markt (Stichtag: 31.10.2019). Das neuste zugelassene Präparat ‚Erleada‘ ist außer in Deutschland nur noch in den Niederlanden verfügbar.

Länderspezifische Unterschiede durch nationale Regulierungssysteme

Die Unterschiede zwischen den Ländern gehen wesentlich auf die Besonderheiten der nationalen Regulierungssysteme zurück. In vielen Ländern sind die Medikamente erst verfügbar, wenn Sie einen teils langwierigen Prozess durchlaufen haben. Anders in Deutschland: Hier erfolgt die Erstattung der Medikamente bereits vor Abschluss der Kosten-Nutzen-Bewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Als weitere Gründe für die Spitzenposition Deutschlands führen die Wissenschaftler die Attraktivität des Pharmamarktes Deutschland für die forschenden Pharmaunternehmen sowie die sehr gute medizinische Infrastruktur an, die bei vielen neuen onkologischen Präparaten unerlässlich ist.

Hervorragender Zugang nicht nur bei Krebsmedikamenten

Der strukturelle Vorteil der deutschen Zulassungssystematik wird deutlich, wenn man die Gesamtheit aller zugelassenen Medikamente in den Jahren 2015 bis 2017 berücksichtigt. Von den 121 Arzneimitteln, die in den Jahren 2015 bis 2017 eine EMA-Zulassung erhalten haben, sind 104 in Deutschland zugänglich. Sie standen nach durchschnittlich 119 Tagen zur Verfügung. Der EU-Durchschnitt lag bei 426 Tagen. 

 

Verfügbarkeit und Marktzugangsverzögerung für alle Medikemante der Generation 2015-2017

Niedrige Zugangshürden bei „Orphan Drugs“

Ähnlich fällt das Ergebnis im Segment der Medikamente für seltene Erkrankungen aus – den sogenannten „Orphan Drugs“. Seit dem Jahr 2000 wurden in der EU 143 „Orphan Drugs“ zugelassen. Hiervon sind 133 Präparate (93,0 %) auf dem deutschen Markt erhältlich und die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen und der Privaten Krankenversicherung (PKV) getragen. Zum Vergleich: In Frankreich sind nur 108 (75,5 %) und in England sogar nur 68 dieser Medikamente im nationalen Gesundheitssystem erstattungsfähig.

 

Verfügbarkeit und Marktzugangsverzögerung für Orphan Drugs

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