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Der stille, steile Anstieg

23.01.2020

Auf den ersten Blick wirken die Beiträge zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland erstaunlich stabil. Schließlich liegt der durchschnittliche Beitragssatz der Kassen nun schon seit über zehn Jahren bei plusminus 15,5 Prozent. Aber bedeutet dies tatsächlich, dass die Belastung der Versicherten gleich geblieben ist? Keineswegs! Denn weil der Beitragssatz auf das persönliche Einkommen erhoben wird, wächst der Zahlbetrag der meisten Versicherten an AOK und Co mit jeder Gehaltserhöhung, jedem Tarifabschluss und jedem Rentenplus munter mit. 

Von dieser Mechanik kann man sich leicht auf den eigenen Lohnzetteln überzeugen. Sehr viele Kassenkunden bekommen es indes mit einer ganz anderen Form der Beitragssteigerung zu tun – die nahezu genauso lautlos von statten geht wie der beständige „Mitverdienst“ am Einkommenszuwachs. Gemeint sind diejenigen gesetzlich Versicherten, deren Einkommen oberhalb der sogenannten Beitragsbemessungsgrenze liegt. Denn anders als der Beitragssatz wird diese Grenze Jahr für Jahr nach oben verschoben – und das nicht zu knapp. Und auch nicht mehr im direkten Zusammenhang mit der persönlichen Einkommensentwicklung.

Beitragsbemssungsgrenze steigt neuntes Jahr in Folge  

Auf diese Weise ist der monatliche Beitrag der Betroffenen für die Kranken- und Pflegeversicherung seit 2010 von 632 Euro auf 879 Euro gestiegen - ein Plus von über 39 Prozent. Kinderlose Versicherte zahlen 2020 sogar einen Höchstbeitrag von 891 Euro.

 
 

Die Beiträge sind in beiden Sozialversicherungen deutlich angewachsen, wobei die Entwicklung in der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) mit einem Anstieg von rund 96 Prozent (143 Euro im Monat) bei Versicherten mit Kindern außergewöhnlich hoch ausfällt. Ein Grund dafür ist die mehrmalige Ausweitung der Versicherungsleistungen durch diverse Pflege-Reformgesetze. In der GKV ist der sogenannte Höchstbeitrag in diesem Zeitraum um rund 32 Prozent gestiegen und liegt bei einem durchschittlichen Zusatzbeitrag von 1,1 Prozentpunkten aktuell bei 736 Euro im Monat (2010: 559 Euro).

Achja: Beitragsanpassungen gibt es natürlich auch in der Privaten Krankenversicherung. Denn wie die gesetzlichen Krankenkassen, so sind auch die PKV-Unternehmen von den Kostensteigerungen im Gesundheitswesen betroffen. Entsprechend verläuft die Beitragsentwicklung in beiden Systemen über die Jahrzehnte betrachtet sehr ähnlich. In den letzten zehn Jahren lag die GKV mit einem durchschnittlichen Anstieg je Versicherten von 3,8 Prozent pro Jahr sogar deutlich über den 2,3 Prozent in der PKV. Komisch eigentlich nur, dass über die GKV-Beitragsentwicklung kaum einmal irgendwo berichtet wird – während bei Anpassungen der PKV garantiert immer gleich jemand „Skandal“ ruft. 

 
 

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