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Darum wollen Ärzte nicht aufs Land ziehen

Landarztmangel in Deutschland

© istock: RossHelen

 

04.11.2019

In Deutschland fehlen derzeit etwa 10.000 Ärzte, schätzt die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Dass bis 2030 die Hälfte aller Hausärzte in Rente gehen wird, verschärft das Problem zusätzlich. Die ärztliche Versorgung auf dem Land ist von dieser Entwicklung besonders betroffen. Schon heute finden niedergelassene Haus- und Fachärzte auf dem Land immer öfter keinen Nachfolger für ihre Praxis. Doch woran liegt das?

Kurzer Arbeitsweg und Familie sind Ärzten besonders wichtig

Eine Erklärung für den Landarztmangel liefert nun eine repräsentative Umfrage des Berliner Meinungsforschungsinstituts Civey. Im Auftrag des PKV-Verbandes wurden 1.000 Ärzte gefragt, welche Kriterien ihnen bei der Wahl eines Praxisstandorts besonders wichtig wären. Insgesamt standen neun Kriterien zur Auswahl, wobei mehrere Stimmen abgegeben werden konnten. Mit großem Abstand landete die Entfernung vom Wohnort auf den ersten Platz. Mehr als jeder dritte Mediziner würde seine Standortentscheidung von einem kurzen Arbeitsweg abhängig machen (35,1 Prozent).

Auch die Kriterien, die auf weiteren Plätzen folgen, machen die Standortnachteile des ländlichen Raums deutlich: 19,1 Prozent der Ärzte legen besonders viel Wert auf die Berufschancen für die Partnerin oder den Partner. Auf dem dritten Platz landet das Bildungsumfeld für die Kinder mit 18,6 Prozent, fast gleichauf mit dem Wunsch nach einem urbanen Umfeld (18,3 Prozent). Jeder 6. Mediziner legt zudem Wert auf ein berufliches Umfeld in Nähe von Krankenhäusern und Universitätskliniken (16,6 Prozent).

 

Zahl der Privatversicherten nur für Minderheit entscheidend

Die Umfrageergebnisse untermauern bereits vorhandene Analysen, wonach der allgemeine Trend zur Urbanisierung und der Wunsch nach einem städtischen Arbeits- und Ausbildungsumfeld für die Familie den Landarztmangel verschärfen.

Die Daten widerlegen zudem das von Gesundheitspolitikern wie dem SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach gestreute Vorurteil, dass ein Mangel an Privatversicherten Schuld am Ärztemangel auf dem Land sei. Diese Behauptung basiert auf der Annahme, dass Ärzte nur deshalb in Städte und Metropolregionen ziehen, weil es dort viele Privatversicherte gibt, deren Behandlung sie höher vergütet bekommen.

PKV-Regionalatlas: Privatversicherte auf dem Land tragen überproportional zum Arzteinkommen bei

Für 83,6 Prozent der Ärzte in Deutschland spielt bei der Standortwahl die Zahl der Privatversicherten aber überhaupt keine Rolle. Überraschend ist dieses Ergebnis allerdings nicht: Die Daten des PKV-Regionalatlas Bayern zeigen, dass Privatversicherten gerade auch in ländlichen Regionen überproportional zum Einkommen und damit zum Fortbestand der Arztpraxen beitragen. Auswertungen für das Saarland und Hessen bestätigen dies.

 

Infografiken Regionalatlas Bayern

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