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„Für Startups war der Beginn der Krise eine Schrecksekunde“

© Bitkom e.V.

 

28.07.2020

Die Corona-Krise hat der Digitalisierung im Gesundheitswesen einen Schub verpasst. Die Bundesregierung setzt mit der Corona-Warn-App auf einen digitalen Helfer, der die Ausbreitung des Virus eindämmen soll. Und auch in der Bevölkerung ist die Akzeptanz für digitale Lösungen im Gesundheitswesen gewachsen, wie einige aktuelle Umfragen nahelegen.

Zu den wichtigen Akteuren im Bereich E-Health gehört in Deutschland der Digitalverband Bitkom. Wir haben Ariane Schenk, Referentin beim Bitkom für den Bereich Health & Pharma, gefragt, wie Sie die aktuellen Entwicklungen rund um Telemedizin und E-Health-Startups einschätzt.

Die Medien berichten derzeit viel über Telemedizin. Hat die Corona-Pandemie der Online-Sprechstunde zum Durchbruch verholfen?

Ariane Schenk: Die Nachfrage nach Videosprechstunden stieg in diesem Jahr stark an, Corona spielt dabei eine wesentliche Rolle. In einer unserer Umfragen von Anfang Juli 2020 gaben 13 Prozent der Befragten an, bereits eine Video-Sprechstunde mit einem Arzt oder Therapeuten wahrgenommen zu haben. Damit verdreifachte sich der Wert im Vergleich zum Vorjahr. Da waren es lediglich fünf Prozent. 

In der Umfrage wurden die Teilnehmer auch gefragt, warum sie Videosprechstunden nutzen. Was ist das Ergebnis?

Ariane Schenk: Der größte Teil der befragten Bürgerinnen und Bürger nutzte Videosprechstunden, um sich vor einer möglichen Ansteckung mit dem Corona-Virus in der Arztpraxis zu schützen. Aber es gibt auch andere Gründe. Eine Vielzahl der Menschen sieht im Videogespräch auch die Chance, schneller einen ärztlichen Rat zu bekommen oder Anfahrtszeiten zu vermeiden.

Die Akzeptanz nimmt also zu?

Ariane Schenk: Die technischen Voraussetzungen existieren. Es ist mittlerweile einfach ein Videogespräch aufzubauen, dazu braucht es lediglich ein Handy oder Tablet. Dieser niedrigschwellige Zugang steigert die Akzeptanz. Und die Corona-Krise trägt dazu einiges bei: Startups nutzten die Gelegenheit um ihre telemedizinischen Dienste kostenfrei zu Verfügung zu stellen, damit Ärzte und Patienten sich mit der digitalen Sprechstunde vertraut machen können. Einige Anbieter verzeichneten sogar ein Wachstum der Nutzungszahlen von über 300 Prozent in den vergangenen Monaten.

Die Videosprechstunde scheint sich also zu etablieren. Für den Bitkom ist das noch nicht genug. Was soll sich denn noch ändern?

Ariane Schenk: Noch sind Videosprechstunden in der GKV für medizinische Leistungserbringer nicht in vollem Umfang abrechenbar. Außerdem herrschen in den Bundesländern bisher unterschiedliche Regelungen. Hier sehen wir noch regulatorischen Handlungsbedarf. Außerdem hoffen wir, dass die aktuellen Ausnahmeregelungen nach der Corona-Pandemie zur Normalität in der medizinischen Versorgung werden. Und es kommt auf die Digitalisierung im gesamten Gesundheitswesen an. Denn eine Videosprechstunde macht für die Patienten erst wirklich Sinn, wenn sie für die AU-Bescheinigung und das Rezept nicht in die Arztpraxis fahren müssen.

Für den aktuellen Schwung bei telemedizinischen Angeboten in der Corona-Krise sorgen auch Startups. Wie ist es eigentlich den E-Health-Startups insgesamt ergangen?

Ariane Schenk: Für Startups war der Beginn der Krise eine Schrecksekunde, denn aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten haben Investoren Finanzierungsrunden eingefroren. Es gab nur noch wenige Startups, die Finanzierungsrunden erfolgreich durchlaufen konnten. Allerdings nutzten einige Startups die Zeit. Sie stellten unglaublich schnell Projekte auf die Beine, um Technologien zu entwickeln, die bei der Eindämmung des Virus helfen können.

Ariane Schenk, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Hinweis in eigener Sache: Die PKV unterstützt E-Health-Startups

Finanzierung benötigt? Mit dem Venture-Capital-Fonds Heal Capital fördert der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) Startup-Unternehmen, die digitale Innovationen für die Gesundheitsversorgung entwi­ckeln. Mehr Informationen zu Förderungsmöglichkeiten und Kontakten gibt es unter https://healcapital.com/.

 

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