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Ärztemangel: Von der Großstadt aufs Land

© Dr. med. habil. Markus Pihusch

 

10.12.2019

Für die Mehrheit der Deutschen ist der nächste Hausarzt weniger als 1,5 Kilometer entfernt. Der Ärztemangel kann in ländlichen Gebieten allerdings längere Anfahrtswege für Patienten verursachen. Dr. med. habil. Markus Pihusch, hausärztlicher Internist im bayerischen Raubling, kennt den Vergleich: Sein Berufsweg hat ihn aus einer Großstadt in eine ländliche Gemeinde geführt.

Dr. Pihusch leitet seit 2017 zusammen mit seiner Frau und einer weiteren Allgemeinärztin eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis in Raubling. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Studiert, approbiert und promoviert hat er an der LMU München. Dann ging es an die Uniklinik in Regensburg. Nach Habilitation und Facharztprüfung ließ er sich 2006 als Facharzt in Rosenheim nieder und führte gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Schwägerin dort eine onkologisch-gastroenterologisch-diabetologische Schwerpunktpraxis. Keine zehn Jahre später übernahm er aus familiären Gründen seine aktuelle Praxis in Raubling. Hier gehen seine Kinder aufs Gymnasium. Und hier - genau zwischen München und Salzburg - liegen die Berge direkt vor der Haustür.

Der älteste Patient ist 100 Jahre alt

Der Umzug von Regensburg aufs Land fiel ihm zunächst nicht leicht. „Es braucht Mut, aber ich habe den Schritt nie bereut“, resümiert Dr. Pihusch. Denn er merkte bald, dass die Arbeit auf dem Land eine ganz andere Art Arzt-Patienten-Beziehung mit sich bringt. „Das soziale Spannungsfeld ist auch ein anderes als bei städtischen Patienten“, berichtet er weiter. Vor allem aber bereitet ihm die langfristige Betreuung seiner Patienten viel Freude. Sein ältester Patient ist fast 100 Jahre alt.

 
 

Laut dem PKV-Regionalatlas Bayern gibt es in München 281 Ärzte je 100.000 Einwohner, im Landkreis Rosenheim hingegen nur 187 Ärzte je 100.000 Einwohner. „Dabei haben es Ärzte in den Städten oftmals viel schwerer als Landärzte“, weiß Dr. Pihusch. „In den Städten können die Praxisübernahmen deutlich teurer sein als auf dem Land. Und auch der Konkurrenzdruck ist oftmals viel höher. „Viele angehende Ärzte lassen sich vom wohlklingenden Namen einer Großstadt blenden. Sie bedenken aber manchmal nicht, dass ihre Lebensqualität durch hohe Ausgaben oder beengten Wohnraum in der Stadt auch sinken kann.“

Dr. Pihusch weiß wovon er spricht: Wenn er seine Zeit in den Städten und nunmehr in Raubling vergleicht, sieht er „netto einem deutlichen positiven Unterschied“. Auch beim Einkommen sprechen die Daten des PKV-Regionalatlas eine deutliche Sprache: Ärzte auf dem Land profitieren überproportional von den höheren Honoraren für die Behandlung von Privatpatienten. Diese sogenannten Mehrumsätze entstehen, weil Privatpatienten für viele ärztliche Leistungen höhere Honorare bezahlen als wenn sie gesetzlich versichert wären. So beträgt der reale Wert der Mehrumsätze z.B. in München je ambulant niedergelassener Arzt 37.850 Euro, im Landkreis Rosenheim liegt er bei 64.992 Euro.

Doch warum ist es trotzdem so schwierig, genügend Ärzte von einer eigenen Praxis in ländlichen Regionen zu überzeugen? Aus Sicht von Dr. Pihusch gibt es für den Landarztmangel zwei Hauptgründe:

  1. Für die Alltagsplanung von jungen Familien sind weite Entfernungen zur Schule ein Problem. Für Ärzte mit Kindern und eigener Praxis ist eine gute Infrastruktur vor Ort daher besonders wichtig.
  2. Die Übernahme von Arztpraxen ist teurer geworden – auch auf dem Land. „Viele Praxen werden von ihren Vorinhabern zu hohen Preisen angeboten“, äußert Pihusch. Dies können sich insbesondere junge Ärzte oftmals nicht mehr leisten. 
 

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