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Ärzte sprechen sich gegen SPD-Pläne für eine Bürgerversicherung aus

27.11.2017

Gegen die Pläne der SPD, eine Bürgerversicherung zur Voraussetzung für Gespräche über eine Regierungsbeteiligung zu machen, regt sich massiver Widerstand aus der Ärzteschaft. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, sagt: "Wer die Bürgerversicherung will, der startet den Turbolader in die Zwei-Klassen-Medizin. […] Wir wollen keine Rationierung, keine Wartezeiten und keine Begrenzungen der Leistungskataloge wie in den Einheitssystemen der Niederlande oder in Großbritannien. Diejenigen, die es sich leisten können, sichern sich dort einen exklusiven Zugang zur Spitzenmedizin als Selbstzahler oder durch teure Zusatzversicherungen. Das hindert die SPD jedoch nicht daran, die Bürgerversicherung zur Voraussetzung von Sondierungsgesprächen zu machen und damit unser leistungsstarkes System aus den Angeln zu hebeln.“

 

Ähnlich äußert sich der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dirk Heinrich: „Das wäre ein Einknicken mit fatalen Folgen: Die Bürgerversicherung verursacht eine unwiederbringliche Zerstörung von funktionierenden Strukturen. Sie ist die Abrissbirne an einem bewährten System, das die Bevölkerung und internationale Organisationen wie die OECD für das beste der Welt halten. Die freie Arztwahl, der niedrigschwellige Zugang zu wohnortnahen Haus- und Fachärzten und die europaweit kürzesten Wartezeiten wären schnell beendet“.

Für Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), geht die Diskussion zur Bürgerversicherung „am Kern der Probleme in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorbei. Eine Bürgerversicherung würde kein einziges der potenziellen Probleme lösen, vor allem nicht die Herausforderungen einer älter werdenden Bevölkerung.“