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Gesetzliche Vorgaben zwingen Privatversicherte in die GKV

05.04.2018

In der öffentlichen Berichterstattung kommt es immer wieder zu missverständlichen Formulierungen zum Wechselgeschehen zwischen Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung. Jüngstes Beispiel dafür ist der Artikel „Wechsel muss gut geprüft sein“ aus dem Handelsblatt vom 4. April 2018.

Unter anderem heißt es darin unter Bezug auf den Wechselsaldo zwischen 2012 und 2016: „Obwohl es sehr schwer ist, von der privaten Versicherung in die gesetzliche Kasse zu kommen, wechselten im selben Zeitraum 80 000 Versicherte mehr von der PKV in die GKV als umgekehrt - die meisten davon Arbeitnehmer, deren Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze rutschte, und Ex-Studenten, die über ihre erste Arbeitsstelle wegen zu niedrigen Einkommens gesetzlich pflichtversichert wurden.“

Wechsel in die Gesetzliche Krankenversicherung ist fast immer zwingend

Diese These legt den Eindruck nahe, dass deshalb die Zahlen der Wechsler von der PKV in die GKV umso schwerer wiegen. Doch tatsächlich ist es im Gegenteil in den allermeisten Fällen gar nicht schwer, sondern extrem leicht, von der PKV in die GKV zu wechseln – und zwar ganz einfach deshalb, weil für die Betroffenen der Wechsel in die GKV zwingend ist, ob sie nun wollen oder nicht.

Das gilt vor allem

  • bei jeder Gehalts-Minderung unter die gesetzliche Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAE), insbesondere durch Wechsel in Teilzeit. Da die JAE jährlich angehoben wird, ist davon ein immer größerer Personenkreis betroffen. Seit 2012 wurde die Einkommensgrenze um 16,8 Prozent angehoben (2012: 50.850 Euro, 2018: 59.400 Euro). Wer heute als Arbeitnehmer zur PKV wechseln will, muss 1.800 Euro mehr verdienen als im Jahr 2017 und sogar 8.550 Euro mehr als 2012.
  • bei jedem Wechsel von vorher privatversicherten Selbstständigen in eine Festanstellung unterhalb der JAE. Die Rekord-Erwerbstätigenzahlen der letzten Jahre korrespondieren mit einem Rückgang der Selbstständigen, die das Statistische Bundesamt ausweist (2017: minus 26.000 / 2016: minus 28.000 / 2015: minus 66.000 / 2014: minus 56.000 Selbstständige).
  • für jeden privatversicherten Jugendlichen, der nach Schule oder Studium eine Lehre oder Berufstätigkeit beginnt und dadurch versicherungspflichtig in der GKV wird.

Der PKV-Verband erhält regelmäßig Anrufe von Privatversicherten, die aus den genannten Umständen in die GKV wechseln müssen, obwohl sie das gar nicht wollen. Da das Gesetz nur für spezielle Ausnahmefälle eine Befreiungsmöglichkeit von der Versicherungspflicht in der GKV vorsieht, bleibt für viele Betroffene nur die Möglichkeit, sich über Anwartschaften eine spätere Rückkehr in die PKV zu sichern.

 

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