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Faktencheck: Stern-Artikel zur PKV-Beitragsentwicklung

29.12.2016

Das Magazin „Stern“ (29.12.2016) berichtet anhand von vier Einzelfällen über einen angeblichen „Beitragsschock“ in der Privaten Krankenversicherung. Schon der erste genannte Fall zeigt die Fragwürdigkeit dieser Darstellung. Dort fehlt nämlich jeder Hinweis, dass dies die erste Beitragsanpassung nach sechs Jahren ohne jede Erhöhung ist. Der zitierte Versicherte hat nun eine Erhöhung von 444 auf 527 Euro. Umgerechnet auf die sechs Jahre seit der letzten Anpassung entspricht dies einem Anstieg von 3,1 Prozent pro Jahr.

Der „Stern“ verschweigt überdies die ihm vom PKV-Verband zur Verfügung gestellte Information, dass in den letzten zehn Jahren die Beiträge in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pro Kopf im Schnitt um 3,2 Prozent pro Jahr gestiegen sind. Das zeigt, die vom „Stern“ als vermeintlicher Skandal genannte Erhöhung liegt sogar noch unter der durchschnittlichen Beitragsentwicklung in der GKV.

Darüber hätte der „Stern“ bei vollständigem Zitieren des von ihm angefragten Statements von PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach auch ohne weiteres informieren können. Darin wurde erläutert, dass in den letzten zehn Jahren die Beitragseinnahmen in der PKV pro Kopf weniger stark gestiegen sind als in der GKV (2007 bis 2017: GKV + 3,2 % pro Jahr, PKV + 3,0 % pro Jahr).

Erschwerend kommt hinzu, dass es sich bei dem vom „Stern“ zitierten Versicherten offenkundig um einen seltenen Extremfall handelt, der bereits vier Unternehmenswechsel hinter sich hat, bei denen er somit jedesmal die zuvor angesparten Alterungsrückstellungen weitgehend eingebüßt hat, was seine Beitragskalkulation heute entsprechend negativ beeinflusst. Das könnte eventuell auf eine mangelhafte Beratung des betreffenden Versicherten durch die von ihm erwähnten Makler zurückzuführen sein. Dies wäre sehr bedauerlich und gegebenenfalls als Fehlberatung haftungsrechtlich geltend zu machen, es ist jedoch ganz und gar nicht repräsentativ für die 8,8 Millionen Privatversicherten.

Schon in der Überschrift „Hoffentlich nicht privat versichert“ wird die tendenziöse Absicht des gesamten Artikels deutlich. Der Autor legt es erkennbar darauf an, auf der Basis von (zudem grob unvollständig geschilderten) Einzelfällen zu dem politischen Pauschalurteil zu kommen, die PKV sei ein „gescheitertes System“, um sodann politische Verfechter einer Einheitsversicherung zu zitieren. Einer sachlichen Einordnung im Vergleich z.B. zur Entwicklung der Beiträge und Leistungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung würde diese tendenziöse Aussage nicht standhalten.