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Faktencheck zum Länderbericht 2020 der EU-Kommission

06.03.2020

Ein aktueller Bericht der EU-Kommission, über den auch einzelne Medien berichten, weist auf mehr oder weniger vermeintliche Unzulänglichkeiten des deutschen Gesundheitssystems hin – und macht dafür ausgerechnet das Miteinander von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung in Deutschland verantwortlich. Tatsächlich unzulänglich indes ist der Bericht selbst – wie bereits eine kurze Auswahl seiner Ungereimtheiten zeigt:

  • Die Kommission springt auf den Zug der Phantomdiskussion um die Wartezeiten in Deutschland auf. Dabei zeigt sie selbst kurz, dass die Wartezeiten hierzulande deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegen. Eine Aufstellung nach Ländern hätte sogar veranschaulicht, dass wir die kürzesten Wartezeiten in der EU aufweisen. Wie kann das Duale System in Deutschland verantwortlich für ein Problem sein, dass im EU-Maßstab gar keines ist?
  • Während der Kommissions-Bericht beim Thema „Rentensystem“ auf die finanziellen Herausforderungen durch die „Babyboomer“ eingeht, ist ihr das Thema Nachhaltigkeit im Abschnitt „Gesundheitswesen“ keine Zeile wert. Dabei hätte sich hier ein Abschnitt zu den Problemen des Umlageverfahrens in der Krankenversicherung und bestenfalls ein Verweis auf die Rolle der PKV als kapitalgedecktes System angeboten: Nur die Private Krankenversicherung in Deutschland ist auf den demografischen Wandel vorbereitet.
  • Die EU-Kommission problematisiert die Höhe der Gesundheitsausgaben und auch die Länge der Krankenhausaufenthalte in Deutschland. Beides ist jedoch in hohem Maße von der Altersstruktur abhängig. Davon, dass Deutschland eine im EU-Maßstab vergleichsweise alte Bevölkerung hat, die zwangsläufig höhere Gesundheitskosten verursacht, erfährt der Leser des Kommissions-Berichts leider nichts.
  • Im Bericht wird dem deutschen Gesundheitswesen vorgeworfen, dass trotz höchster Gesundheitsausgaben hierzulande viele Menschen an vermeidbaren und behandelbaren Krankheiten sterben. Dabei zeigen Studien, dass das Gesundheitswesen in entwickelten Industrienationen keineswegs den größten Teil zur Lebenserwartung beiträgt. Eine deutlich stärkere Rolle spielen andere Faktoren wie Hygiene, sozioökonomische Größen (Einkommen, Bildung, u. ä.), Ernährung (inkl. Trinkgewohnheiten), Rauchen, Klima, etc. Diese verschiedenen Faktoren und ihre Bedeutung in Deutschland hätte man durchaus kritisch diskutieren können.
 

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