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Diskussion über Prämienerhöhung: Beitragssteigerungen in der GKV nicht ignorieren

07.03.2016

Mit dem Thema Beitragsanpassungen in der PKV beschäftigen sich zurzeit zahlreiche Medien. In einem aktuellen Kommentar des Berliner Tagesspiegels vom 6. März 2016 erhebt der Autor den Anspruch, die „Dinge in ein Größenverhältnis“ zu setzen. Dabei lässt er jedoch einige wesentliche Fakten zur Einordnung z.B. im Größenverhältnis zu den Beitragserhöhungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung unerwähnt. Um eine umfassende Meinungsbildung zu Beitragsanpassungen in der Gesetzlichen und Privaten Krankenversicherung zu ermöglichen, möchten wir diese Fakten ergänzen:

Der Tagesspiegel setzt die aktuell in den Medien diskutierten Beitragsanpassungen einzelner PKV-Unternehmen ins Verhältnis zur Erhöhung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um 0,2 Prozentpunkte Anfang 2016. Diese bedeute für besser Verdienende eine monatliche Beitragserhöhung von 8 Euro. Unerwähnt bleibt, dass sich die so genannte Beitragsbemessungsgrenze jedes Jahr automatisch erhöht und damit die Beiträge in der GKV verteuert. 


Zur Erläuterung: Die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) ist die Einkommensgrenze, bis zu deren Höhe in der GKV Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung erhoben werden. Die BBG beträgt im Jahr 2016 monatlich 4.237,50 Euro. Sie wird jedes Jahr erhöht.


Einige Fakten zur Einordnung:

  • Gesetzlich Versicherte mit einem Verdienst an der BBG oder darüber zahlen 2016 mit monatlich 665,29 Euro 4,05 Prozent mehr als im Vorjahr. Grund dafür sind die Erhöhung der BBG sowie der um durchschnittlich 0,2 Prozentpunkte höhere Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel. Die Steigerung ist damit fast identisch mit den durchschnittlich 4,1 Prozent, die der Analysedienst map-Report für einen Großteil der PKV-Unternehmen errechnet hat.   
  • Nach den Vorschriften des Versicherungsaufsichtsgesetzes dürfen die Versicherungsunternehmen die Beiträge nur anpassen, wenn die erforderlichen Kosten in einem Jahr von den ursprünglich kalkulierten Kosten um einen bestimmten Schwellenwert abweichen. Wird dieser Wert nicht erreicht, dürfen Anpassungen erst vorgenommen werden, wenn der Wert in einem der folgenden Jahre überschritten wird. Allerdings müssen dann auch die erforderlichen Mittel der Vorjahre berücksichtigt werden. Dadurch kann es dazu kommen, dass ein PKV-Unternehmen die Beiträge mehrere Jahre gar nicht anpassen darf, dann aber plötzlich sprunghaft anheben muss.
  • Vor diesem Hintergrund muss berücksichtigt werden, dass die Beiträge in der GKV zwar weniger spektakulär, dafür aber durch die jährliche Erhöhung der BBG kontinuierlich angehoben werden. Davon wäre jeder privatversicherte Arbeitnehmer betroffen, wenn er in die GKV wechseln würde, weil er dort den Höchstbeitrag zahlen müsste. So sind die Höchstbeiträge in der GKV zwischen 2012 und 2016 um mehr als 12,2 Prozent gestiegennämlich von 592,86 Euro auf 665,29 Euro. Und das erfolgt automatisch, ohne dass die Versicherten darüber ausdrücklich informiert werden.
  • In der Süddeutschen Zeitung wurde am 5. März 2016 das Beispiel eines Architekten erwähnt, der in seiner PKV nach einer 43-prozentigen Beitragserhöhung 474 Euro monatlich zahlen muss. Unerwähnt blieb, dass dies noch immer rund 190 Euro weniger sind als der aktuelle Höchstsatz (665,29 Euro), den er in der GKV zahlen müsste, wenn er ein Einkommen über der BBG hat.
  • Dennoch ist die prozentuale Steigerung im oben genannten Beispiel natürlich drastisch. Allerdings sind solche Steigerungen in der PKV Extremfälle und bei Weitem nicht die Regel. Im Gegenteil: Millionen Privatversicherte sind in diesem Jahr überhaupt nicht von Beitragssteigerungen betroffen. Die kontinuierlichen Beitragssteigerungen durch die BBG treffen in der GKV hingegen jeden, der an oder über der BBG verdient. Höhere GKV-Zusatzbeiträge treffen zudem auch alle gesetzlich Versicherten mit geringerem Einkommen.
  • Zu einer vollständigen Darstellung der Größenverhältnisse gehört auch die Tatsache, dass die GKV zusätzlich zu den Beitragseinnahmen allein in diesem Jahr 14 Milliarden Euro an Zuschüssen aus der Staatskasse erhält. Würde dieser Zuschuss (der im Übrigen auch von Privatversicherten mitfinanziert wird) nicht aus Steuermitteln erbracht, müsste umgerechnet jedes GKV-Mitglied im Schnitt zusätzlich rund 21,60 Euro monatlich mehr bezahlen.

Hinweis: Natürlich kann es in der PKV in einzelnen Fällen nach einer individuellen Beitragsanpassung zur Härten kommen. Der PKV-Verband informiert über Möglichkeiten, die Beiträge zu reduzieren.

* Grundlagen der o.a. Berechnungen: Beitragssatz in der GKV 14,6 Prozent (+ 0,9 Prozent durchschnittlicher Zusatzbeitrag; 2016 1,1 Prozent); Zahl der GKV-Mitglieder: 54,12 Millionen (ohne beitragsfrei Mitversicherte)