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Der PKV-Regionalatlas Bayern

 

16.05.2019

In der gesundheitspolitischen Debatte werden medizinische Versorgungsengpässe auf dem Land häufig mit dem dualen System aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung in einen Zusammenhang gebracht. Ärzte – so die (politische) These – würden sich weniger in ländlichen Regionen niederlassen, weil es dort keine oder nur wenige Privatversicherte gäbe. Die für die Privatversicherten gültige Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) würde vermeintlich falsche Anreize setzen, sich nicht auf dem Land niederzulassen.

Der jetzt vom PKV-Verband vorgelegte PKV-Regionalatlas Bayern zeigt, dass die beschriebene „gefühlte Wirklichkeit“ und die damit verbundene Kritik am dualen Versicherungssystem an der Realität vorbeigehen. Der Regionalatlas quantifiziert die Bedeutung der Privatversicherten für die medizinische Versorgung unter besonderer Berücksichtigung ländlicher Regionen. Einige Ergebnisse im Überblick:

  1. Privatversicherte sind Stadt- und Landmenschen. Der PKV-Regionalatlas Bayern zeigt, dass es in ganz Bayern, auch auf dem Land, einen relevanten Anteil von Privatpatienten gibt. Der niedrigste PKV-Anteil liegt mit 7,9 % in Schweinfurt (Deutschland: 10,6 %).
  2. Auch in Bayern entstehen sogenannte Mehrumsätze, weil Privatpatienten für viele medizinische Leistungen höhere Honorare entrichten. Mit Hilfe dieser Mehrumsätze können Ärzte, Apotheken, Therapeuten und Krankenhäuser alleine in Bayern 2,2 Mrd. € jährlich (=170 € je Einwohner) zusätzlich in Fachpersonal, fortschrittliche Behandlungsmethoden und in eine moderne Praxisinfrastruktur investieren. Davon profitieren direkt auch gesetzlich Versicherte.
  3. Von den Mehrumsätzen der Privatpatienten in Bayern profitieren vor allem die Ärzte auf dem Land. Weil Privatversicherte auf dem Land im Durchschnitt älter sind („ältere Menschen gehen im Durchschnitt häufiger zum Arzt“) und in den Ballungszentren Gehälter, Mieten und andere Kosten höher liegen („Mehrumsätze sind in der Stadt weniger wert“), ist der reale Wert der Mehrumsätze auf dem Land in der Regel größer: Während zum Beispiel bei den Landärzten im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge Mehrumsätze im Realwert von 67.656 € anfallen, sind es in den Arztpraxen in München „nur“ 38.000 Euro jährlich.
  4. Der PKV-Regionalatlas widerlegt die These, wonach sich Ärzte weniger in ländlichen Regionen niederlassen, weil es dort angeblich keine oder weniger Privatversicherte gibt: Obwohl im ländlichen Raum je niedergelassenen Arzt Mehrumsätze im Realwert von 65.191 € und in Ballungszentren dagegen „nur“ Mehrumsätze im Realwert von durchschnittlich 53.147 € anfallen, liegt die Ärztedichte in den ländlichen Gebieten mit 164 Ärzten je 100.000 Einwohner unterhalb städtischer Ballungsgebiete (214). Das heißt: Bei Ärztemangel auf dem Land kann es an fehlenden Privatversicherten nicht liegen. Für die Standortentscheidung der Ärzte sind andere Kriterien, vor allem das (Arbeits-) Umfeld für Partner und Familien maßgebend.

Eine einheitliche Gebührenordnung wird die Ungleichverteilung der Ärzte nicht heilen

Trotz dieser Befunde aus dem PKV-Regionalatlas treten SPD, Grüne und Linke, der Idee der Bürgerversicherung folgend, für eine Vereinheitlichung der bestehenden Gebührensysteme – Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM) für gesetzlich Versicherte und GOÄ für Privatpatienten – ein. Auch die im Koalitionsvertrag verankerte Wissenschaftliche Kommission für ein modernes Vergütungswesen (KOMV) wird Stellung zu einer einheitlichen Gebührenordnung nehmen müssen.

Eine Vereinheitlichung der Gebührenordnungen würde die Ungleichverteilung der Ärzte zwischen Stadt und Land allerdings nicht heilen. Gegenteiliges ist der Fall: Ländliche Regionen ständen bei einer Vereinheitlichung der Vergütungssysteme wieder einmal als Verlierer da. Denn gerade auf dem Land sind die für die Finanzierung und fortwährende Modernisierung der medizinischen Infrastruktur gewichtigen Mehrumsätze der Privatversicherten real mehr wert als in der Stadt.

Nicht eine Vereinheitlichung der Gebührenordnungen, sondern die Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) wäre ein substantieller Beitrag zur Modernisierung des Vergütungssystems. Der PKV-Verband hat dazu mit der Bundesärztekammer (BÄK) umfassende Vorarbeiten geleistet. Einer Novellierung der GOÄ wäre noch in dieser Legislaturperiode denkbar.

Über den nachfolgenden Link steht der PKV-Regionalatlas Bayern mit entsprechenden Tabellen und Landkarten zum Download zur Verfügung. Darin finden sich auch Angaben und Zahlen zu allen bayerischen Stadt- und Landkreisen.

 

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