• Vorlesen
  • A A A

Die demografische Herausforderung für die Finanzierung der Pflegeversicherung

16.01.2019

Durch die demografische Entwicklung kommen auf die Gesetzliche Pflegeversicherung große finanzielle Herausforderungen zu. Denn künftig müssen immer weniger Erwerbstätige die Kosten von immer mehr Älteren schultern. Daran ändert auch die massive Zuwanderung in den Jahren 2014 und 2015 nichts, wie die aktuellste Prognose des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigt:

Die 13. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung prognostiziert  die Bevölkerungsentwicklung bis zum Jahr 2060. Die Hauptvarianten 1 und 2 gehen davon aus, dass die Geburtenrate (1,4 Geburten pro Frau) weiterhin stagniert und die Lebenserwartung für Männer auf 84,8 Jahre sowie für Frauen auf 88,8 Jahre im Jahr 2060 ansteigt.

In Variante 1 seiner Prognosen unterstellt Destatis bei der Migration einen Wanderungssaldo von 100.000 pro Jahr. Variante 2 („stärkere Zuwanderung“) basiert auf dem für Deutschland zu beobachtenden langfristigen mittleren Wanderungssaldo von 200.000 Personen jährlich. Die Variante 2 wurde vor kurzem aktualisiert, wobei die hohen Zuwanderungen der Jahre 2014 und vor allem 2015 einbezogen wurden. Auf Basis dieser aktualisierten Werte ergibt sich für das Jahr 2060 folgendes Szenario für den Altersaufbau der Bevölkerung (in Mio.):
 

  2015 2060 Veränd.
unter 20 Jahre 15,1 13,2 -1,9 Mio.
20 bis unter 67 Jahre 51,8 41,6 -10,2 Mio.
67 Jahre und älter 15,4 21,7 +6,3 Mio.
gesamt 82,2 76,5 -5,7 Mio.

 

  • Die einzige Bevölkerungsgruppe, die bis 2060 wachsen wird, sind die über 67-Jährigen (starke Zunahme von 15,4 auf 21,7 Mio.)
  • In der der Gruppe der unter 20-Jährigen werden wir einen Rückgang um fast 2 Mio. erleben (Abnahme auf 13,2 Mio.).
  • In der Altersgruppe der 20- bis 67-Jährigen, also dem großen Bereich der Erwerbsfähigen, die für das Beitragsaufkommen der Gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ausschlaggebend sind, wird es einen besonders starken Rückgang um über 10 Mio. geben (Abnahme auf 41,6 Mio.).
  • Bei schwächerer Zuwanderung (Variante 1) würde der Rückgang der 20- bis 67-Jährigen noch deutlich stärker ausfallen (Abnahme auf 36,1 Mio. statt 41,6 Mio.)

Diese Verschiebungen in der Altersstruktur der Gesellschaft bis 2060 haben mehrere Konsequenzen:

  • Die Einnahmebasis der umlagefinanzierten Sozialen Pflegeversicherung (SPV) erodiert. Je nach gewählter Variante 1 oder 2 geht die Zahl der Erwerbsfähigen um 10,2 bis 14,9 Millionen Personen zurück. Damit verliert die SPV einen wesentlichen Anteil ihrer Finanzierungsbasis.
  • Die Leistungsausgaben der Pflegeversicherung werden zugleich stark steigen: Pflegebedürftigkeit korreliert mit dem Alter. Im Jahr 2060 wird es 80 Prozent mehr Pflegebedürftige geben als heute.
  • Um die Versorgung auf heutigem Niveau sicherzustellen, werden entsprechend mehr Pflegekräfte und Heimplätze benötigt.
  • Der Bedarf an professioneller Pflege wird zusätzlich dadurch stark ansteigen, dass der heute größte Pflegedienst der Nation – die Familie – in Zukunft immer weniger zur Verfügung steht.

Die umlagefinanzierte SPV wird angesichts dieser Herausforderungen keine Wunder vollbringen können. Hinzu kommt, dass sie eine Teilkaskoversicherung ist und schon in den vergangenen Jahre Mühe hatte, ihren Anteil an den Realkosten überhaupt aufrechtzuhalten. Es wäre daher individuell wie auch pflegepolitisch fahrlässig, allein auf die umlagefinanzierte Pflegeversicherung zu setzen.

 

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten und um Nutzerverhalten und Marketingmaßnahmen in pseudonymer Form zu analysieren. Indem Sie fortfahren, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies und stimmen den Webanalyse-Maßnahmen zu. Ihr Einverständnis können Sie jederzeit widerrufen. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Erweiterte Einstellungen