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PKV PUBLIK AUSGABE 9/2009

BLICKWINKEL

Das Arzt-Patienten-Verhältnis ist intakt
Das gute Verhältnis zwischen Ärzten und Patienten wird durch die Wartezeiten in den Praxen nicht beeinträchtigt.
Von Dr. Klaus Bittmann


Schaut man sich die Schlagzeilen der letzten Wochen und Monate an, sollte man meinen, dass das Arzt-Patienten-Verhältnis gründlich zerrüttet ist. In unzähligen Medienberichten wurde ein ganzer Berufsstand pauschal als korrupt und geldgierig verunglimpft. Erfreulich ist, dass unsere Patienten nicht auf diesen Zug aufgesprungen sind, sondern ihren Arzt differenziert beurteilen, wie eine aktuelle Studie der Brendan-Schmittmann-Stiftung des NAV-Virchow-Bundes ergeben hat. Danach ist das positive Arzt-Patienten-Verhältnis in der ambulanten Medizin weiterhin intakt und wird auch durch Wartezeiten nicht belastet.


Die Untersuchung der Brendan-Schmittmann-Stiftung hat ergeben, dass sowohl PKV- als auch GKV-Versicherte durchaus bereit sind, Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Für drei Viertel der befragten Patienten sind die Wartezeiten zugleich aber auch ein wesentliches Kriterium für die Bewertung einer Arztpraxis. So sind Zahnarztpatienten deutlich zufriedener mit den Wartezeiten als Patienten von Haus- und Fachärzten (90 Prozent gegenüber 67,47 bzw. 66,34 Prozent). Schließlich verbringen Zahnarztpatienten nur gut 20 Minuten im Wartezimmer, während bei Haus- und Fachärzten doppelt so lange Wartezeiten anfallen (40,32 bzw. 38,85 Minuten). Die Unterschiede zwischen den Vergleichsgruppen lassen sich darauf zurückführen, dass die Höhe des täglichen Patientenaufkommens und die daraus resultierende Länge des Arbeitstages sehr unterschiedlich sind. Dennoch zeigen diese Ergebnisse, dass gut organisierte Praxen mit kurzen Wartezeiten bei den Patienten punkten können und sich Aufbau und Pflege eines strukturierten Praxismanagements sicherlich auszahlen.


In der Praxis weicht die von den Patienten akzeptierte Wartezeit maximal um sieben Minuten von der tatsächlichen Wartezeit ab. So akzeptieren Hausarztpatienten im Durchschnitt eine Wartezeit von 33,80 Minuten und liegen damit 6,52 Minuten unter der tatsächlichen Wartezeit.
Dass die viel beschworene These einer Zweiklassenmedizin nicht untermauert werden konnte, ist wohl eines der interessantesten Ergebnisse der Studie. Es konnten keine Unterschiede in der Länge der Wartezeit zwischen GKV- und PKV-Patienten zu Lasten der gesetzlich Versicherten nachgewiesen werden. Die Realität in den Arzt- und Zahnarztpraxen sieht offensichtlich anders aus, als sie sich Medien und Politiker immer wieder ausmalen. Die niedergelassenen Ärzte wissen, dass Ungleichbehandlung oder gar die Schlechterstellung einer Versichertengruppe das gesamte duale System aus privater und gesetzlicher Krankenversicherung immer wieder in Frage stellt. Insofern zeigen sie Verantwortung für eine gute Patientenversorgung, indem sie zunehmend ihre Praxisorganisation verbessern und differenzierte Angebote wie etwa gesonderte Abend- oder Privatsprechstunden etablieren.


Die Studie „Vertragsärzte im Urteil ihrer Patienten“ wurde im Rahmen des Qualitätssicherungsprojektes „Praxisbewertung“ der Brendan-Schmittmann-Stiftung durchgeführt, an der bislang mehr als 2.300 Haus-, Fach- und Zahnarztpatienten teilgenommen haben. Ziel der Studie ist die Beurteilung von Praxisräumen, Praxisteam und Vertragsärztinnen/-ärzten durch Patienten.

Weitere Informationen finden Sie unter www.nav-virchowbund.de

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Dr. Klaus Bittmann

Foto Bittmann

Dr. Klaus Bittmann ist der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschland e.V. (NAV-Virchow-Bund). Er ist Arzt für Gynäkologie und Geburtshilfe.