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PKV PUBLIK AUSGABE 6/2009

TITEL

Kenn Dein Limit

Die private Krankenversicherung engagiert sich für die Prävention von Alkoholmissbrauch durch Jugendliche

Zu Beginn der Ferienzeit und an den Wochenenden häufen sich die Meldungen über volltrunkene Jugendliche: „Komasaufen auf dem Schulhof“, „Von der Party in die Notaufnahme“ oder „13–jährige im Vollrausch“. Spätestens seit dem Alkoholtod eines Berliner Schülers hat sich das Problembewusstsein der Gesellschaft für das Rauschtrinken der deutschen Jugend geschärft: Was sich heute in deutschen Kneipen, Diskotheken, Dorffesten oder auf privaten Feten ereignet, hat schon lange nichts mehr mit jugendlichem Leichtsinn oder den Verwirrungen der Pubertät zu tun. Vielmehr handelt es sich um einen gefährlichen Trend, der zu Langzeitschäden führen und im Extremfall tödlich enden kann.
  
Daher unterstützt der Verband der privaten Krankenversicherung die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bei der Prävention von Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen jährlich mit 10 Millionen Euro. Damit finanzieren die privaten Krankenversicherer in den kommenden fünf Jahren die neue Kampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ Die Kampagne soll junge Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol motivieren und die Entwicklung riskanten Trinkverhaltens verhindern.

Die Experimentierfreude junger Menschen in Bezug auf Alkohol ist sicherlich kein neues Phänomen, neu sind aber die Menge des konsumierten Alkohols und die Motivation, mit der Jugendliche trinken. Während früher bei gemeinsamen Unternehmungen auch getrunken wurde, verabreden sich heute Jugendliche mit einem einzigen Ziel: Möglichst schnell möglichst stark betrunken zu werden. Dabei konsumieren jugendliche „Komatrinker“ Alkohol in einem Umfang, der teilweise weit oberhalb der Grenze liegt, die für Erwachsene als gefährlich angesehen wird.

Die gesundheitlichen Folgen von Alkoholmissbrauch im Entwicklungsalter sind erheblich. Dr. Martin Beutel, leitender Arzt der Kraichtalkliniken der Evang. Stadtmission Heidelberg warnt vor Störungen der Gehirn-Entwicklung: „Die Gehirnstrukturen, die für das Lernen zuständig sind, sind bei trinkenden Jugendlichen zehn Prozent kleiner als bei nichttrinkenden.“ In der Folge litten Leistungs- und Lernfähigkeit. Auch Dr. Sigrid Ley-Köllstadt vom Deutschen Grünen Kreuz mahnt: „Die Gefahr süchtig zu werden, ist groß. Langfristiger Alkoholkonsum schädigt außerdem die Leber, aber auch die Bauchspeicheldrüse, den Magen und den Herzmuskel. Ebenso spielt Alkohol bei der Entstehung verschiedener Krebserkrankungen eine Rolle.

Aktuell gibt jeder fünfte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren an, in den letzten 30 Tagen mindestens einmal das „Binge-Trinken“ (siehe Kasten) oder „Koma-Trinken“ praktiziert zu haben. Bezogen auf die Gesamtheit der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland sind dies rund eine Million Jugendliche. Knapp ein Drittel davon gibt an, Binge-Trinken mindestens einmal in der Woche zu praktizieren, was einer Zahl von etwa 300.000 Jugendlichen entspricht.

An diesen Zahlen wird deutlich: Ein hoher Anteil von Jugendlichen weist ein Trinkverhalten auf, das die Wahrscheinlichkeit des Auftretens alkoholbezogener Probleme wie Alkoholvergiftungen und soziale Auffälligkeiten erhöht. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2007 insgesamt 23.165 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 10 bis 20 Jahren aufgrund einer akuten Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt.

Gefährliches Trinkverhalten schon in jungen Jahren
Die Untersuchungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Bundesdrogenbeauftragten zeigen, dass das Einstiegsalter für regelmäßigen Alkoholkonsum seit 1970 von 15 auf 12 Jahre gesunken ist. Mittlerweile beginnt ein großer Teil der Kinder bereits zwischen elf und 13 Jahren mit dem Alkoholkonsum. Ein weiterer Trend: Die Mädchen holen mit ihrem Trinkverhalten dramatisch auf. Alkohol ist heute auch für sie viel leichter verfügbar. War das Rauschtrinken früher für Mädchen etwas sehr Unübliches, gleichen sich die Rollenbilder auch hier an.

Die Motive der Jugendlichen für Extrem­trinken wurden in mehreren Studien international untersucht. Immer wieder tauchen hier Gründe wie die Lust am Risiko, Langeweile, Gruppendruck, Kummer sowie Ärger mit Eltern oder Schule auf. Entgegen der allgemeinen Meinung hat ein übermäßiger Alkoholkonsum nichts mit einem vermeintlich geringen sozialen Status der Eltern zu tun. Im Gegenteil: Erhebungen aus ganz Europa zeigen, dass Kinder und Jugendliche aus finanziell besser gestellten Elternhäusern besonders zu exzessivem Rauschtrinken neigen. Ein Grund hierfür könnte ihr höheres verfügbares Taschengeld sein.

„Das Problem hat inzwischen eine Dimension erreicht, in der wir mehr brauchen als viele kleine, in ihrer Wirkung begrenzte Projekte. Wir brauchen einen bundesweiten Präventionsansatz, der finanziell so ausgestattet ist, dass er die notwendige Wahrnehmungsschwelle dauerhaft überschreitet. Deshalb steigt die private Krankenversicherung mit der beträchtlichen Summe von jährlich zehn Millionen Euro in die Alkoholprävention ein“, so PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach anlässlich der Vertragsunterzeichnung des Kooperationsabkommens mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Prävention gegen die Alltagsdroge Alkohol
Das gemeinsame Präventionsprojekt „Kenn Dein Limit“ hat zum Ziel, die Jugendlichen zu einem überlegten Umgang mit der Gesellschaftsdroge Alkohol zu bringen. Und dies ist dringend erforderlich, wird doch Kindern und Jugendlichen alltäglich die „Normalität“ eines regelmäßigen und häufig auch übermäßigen Alkoholkonsums vorgelebt, sei es in der Werbung, in Filmen oder im eigenen Elternhaus. Überall werden Verhaltensmuster vermittelt, die den Griff zur Flasche naheliegend erscheinen lassen. Besonders empfänglich werden Jugendliche, wenn Alkoholwerbung von Sympathieträgern wie Schauspielern oder Sportlern präsentiert wird.

Kampagne „Kenn Dein Limit.“
Mit der Jugendkampagne „Alkohol? Kenn dein Limit.“ finanziert die PKV eine Aufklärungsaktion, die sich schwerpunktmäßig an die etwa 16- bis 20-jährigen Jugendlichen wendet. Sie ergänzt die schon seit längerem laufende Aktion „NA TOLL!“, mit der die unter 16-Jährigen angesprochen werden, die nach den Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes eigentlich gar keinen Alkohol trinken dürfen.

Die Kampagne wird durch eine umfassende Mediennutzung verbreitet. Dabei bilden die Fernseh- und Kinowerbung  und die verwendeten Anzeigenmotive eine gestalterische Einheit. Die Kampagne findet sich unter www.kenn-dein-limit.info auch im Internet. Mit dem Einsatz so genannter Peers (siehe Interview) werden Jugendliche durch Gleichalterige direkt an den Orten angesprochen, an denen sie Alkohol konsumieren.

Der eingesetzte Kinospot zeigt junge Leute, die zusammen in einer Disco feiern. Die ausgelassene Atmosphäre vermittelt einen Eindruck, der zunächst an Alkoholwerbung denken lässt: Fröhlich und lachend wird Alkohol getrunken. Durch unerwartet eingeblendete kurze Texte wird dieser Eindruck aber schnell in sein Gegenteil verkehrt. Deutlich wird, was den gezeigten Personen bevorsteht, wenn sie zu viel Alkohol getrunken haben.

Der Spot lebt von der Spannung zwischen der ausgelassenen Stimmung im Bild und der in den Texteinblendungen verdeutlichten Gefahren, die gedankenloser Alkoholkonsum mit sich bringt. Das Fazit für die Zuschauer ist klar: Entscheidend ist der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol („Kenn dein Limit.“), denn die Folgen von zu viel Alkohol für einen selbst sind oft gravierender als erwartet. 

PKV setzt auf starken Partner
Bei ihrem Engagement hat sich die private Krankenversicherung mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bewusst für einen erfahrenen Partner entschieden, der die inhaltliche Gestaltung, Realisation und Qualitätssicherung der Kampagne zuverlässig übernimmt.  Die jahrelange Zusammenarbeit in der AIDS-Prävention zeigt, wie professionell die Kampagnen der BZgA geplant und evaluiert werden.

Mit ihrem Präventionsengagement macht die PKV deutlich, dass sie ihre gesellschaftliche Verantwortung auch ohne gesetzlichen Zwang erfüllt. Mit ihrem Einsatz auf den zwei Feldern Alkoholmissbrauch und AIDS zeigt sie, dass eine wirksame und langfristige Präventionsarbeit ohne einen gesetzlichen, bürokratischen Rahmen deutlich besser funktioniert. Den Überlegungen im Bundesgesundheitsministerium für ein Präventionsgesetz setzt die PKV daher ganz bewusst einen freiwilligen Ansatz entgegen. So wird ein erfolgreicher Einsatz der Mittel ohne zusätzliche Bürokratiekosten und ohne Aufbau neuer Organisationsstrukturen erreicht.

Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) begrüßte anlässlich der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages das Engagement der PKV und die Zusammenarbeit mit der BZgA in der Alkoholprävention.

Informationen zur Kampagne im Internet: www.kenn-dein-limit.info

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Riskanter Rausch

„Binge-Drinking“ (engl., etwa „Trinkgelage“) oder „Komasaufen“ ist weit verbreitet, wie der Drogenbericht 2009 der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) belegt. Gemeint ist der Konsum von mindestens fünf Gläsern alkoholhaltiger Getränke bei einem Anlass. Als neu und gefährlich gilt, dass im Vergleich zu früheren Generationen scheinbar ohne Grenzen getrunken wird. Der Absturz ist erklärtes Ziel. Lebensbedrohlich wird das „Koma-Trinken“, wenn das Nervengift Alkohol das Atemzentrum betäubt und ein Atemstillstand droht. Wem es nach dem Erbrechen nicht bessergeht, der ist in Gefahr.

Interview

Lesen Sie außerdem das Interview mit Dustin Lehmann (20), einem so genannten „Peer“ der PKV-Alkoholprävention.