Hauptnavigation
Startseite > Publikationen > Zeitschrift PKV Publik > Archiv > pkv_publik_nr_10_2009 > Gastkommentar - Neue Beschäftigungschancen

PKV PUBLIK AUSGABE 10/2009

GASTKOMMENTAR

Neue Beschäftigungschancen

Der Beitrag der Gesundheitswirtschaft zu Wachstum und Beschäftigung ist weit größer als bisher angenommen.
Von Ernst Burgbacher


Ein Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie kommt zu dem Ergebnis, dass in der Gesundheitswirtschaft 10,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden und 5,4 Millionen Menschen beschäftigt sind. Das ist mehr als in jedem anderen Wirtschaftszweig. In der Öffentlichkeit wird die Gesundheitswirtschaft allerdings weniger als Wirtschaftszweig, sondern eher als Teil der Grundversorgung und damit als Kostenfaktor des Solidarsystems wahrgenommen. Hier will das Ministerium einen Perspektivwechsel herstellen, der auf Stärkung und Förderung der Wachstums- und Beschäftigungspotenziale der Gesundheitswirtschaft ausgerichtet ist.

Mit dem sogenannten Satellitenkonto für die Gesundheitswirtschaft ist es gelungen, diesen „anderen Blick“ mit Fakten und wirtschaftspolitischen Kennziffern zu untermauern. Indem die Anteile der Gesundheitswirtschaft innerhalb der amtlichen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung dargestellt werden, kann gezeigt werden, welche Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotenziale hier enthalten sind. Unter den richtigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen könnte der Anteil der Gesundheitswirtschaft am Bruttoinlandsprodukt bis 2020 auf fast 13 Prozent und die Zahl der Beschäftigten auf 7 Millionen Menschen wachsen, so die Schätzungen der Experten. Unabhängig von diesen Prognosen hat auch die jüngste Krise wieder gezeigt, dass die Gesundheitswirtschaft ein stabilisierender Faktor sein kann. Diese relative Krisenfestigkeit ist zum einen ihrer eher differenzierten Struktur und dem hohen Dienstleistungsanteil geschuldet. Zum anderen wird auch in Krisenzeiten nicht zuerst an der Gesundheit gespart.

Die wichtigsten Wachstumstreiber sind neben der demografischen Alterung und dem medizinisch-technischen Fortschritt das stetig zunehmende Gesundheitsbewusstsein und der Export. Die größten Wachstumsraten innerhalb der Branche verzeichnen daher auch die Bereiche Gesundheitstourismus, Fitness und Wellness sowie Bioprodukte. Vor allem die sozialen Dienstleistungen, also im Wesentlichen die Pflege, aber auch andere gesundheitsrelevante Dienstleistungen, (zum Beispiel im Wellnessbereich) gelten als beschäftigungsintensive Bereiche.Wenn es gelingt, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die prognostizierten Wachstums- und Beschäftigungspotenziale der Gesundheitswirtschaft in vollem Umfang ausgeschöpft werden, kann sich dieser Wirtschaftsbereich zur Leitbranche entwickeln.

Innenpolitisch sind vor allem die wirtschaftspolitischen Implikationen einer nachhaltigen Finanzierung der Krankenversicherung von großer Bedeutung.Allgemein wird erwartet, dass von einer wettbewerblichen Marktorganisation mit der größten Wahrscheinlichkeit die besten Ergebnisse erzielt werden. Ein erklärtes politisches Ziel ist es daher, durch Stärkung des Wettbewerbs die Effizienz im Gesundheitssektor zu erhöhen und damit maßgeblich zu einer nachhaltigen Finanzierung in der Krankenversicherung beizutragen. Dies ermöglicht eine Nutzung der gesamtwirtschaftlichen Wachstums- und Wertschöpfungspotenziale der Gesundheitswirtschaft.

Vor diesem Hintergrund wird ein weiteres vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragtes Forschungsprojekt den potenziellen Beitrag des Wettbewerbs zur Bewältigung der zukünftigen – insbesondere durch die demografische Entwicklung bedingten – Herausforderungen in der privaten Krankenversicherung untersuchen.

nach oben versenden

Ernst Burgbacher

Ernst Burgbacher ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Er sitzt für die FDP im Bundestag.