EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser,
viele Privatversicherte bekommen in diesen Tagen zwei Mal Post: eine erfreuliche und eine weniger angenehme Mitteilung. Ab 2010 – das ist die gute Nachricht – gibt es für alle Versicherten eine deutliche Entlastung, weil dann die Krankenversicherungsbeiträge der ganzen Familie weitgehend von der Steuer abgesetzt werden können; nähere Informationen dazu im Heft. Allerdings müssen – und das ist weniger schön – zum Jahreswechsel viele private Krankenversicherungen ihre Beiträge erhöhen. Kein Unternehmen wendet sich gerne mit solchen Nachrichten an seine Kunden, aber die Ursachen sind eindeutig: Im Jahr 2008 stiegen die Leistungsausgaben in der privaten Krankenversicherung (PKV) um insgesamt 6,7 Prozent.
Eine Beitragserhöhung erfolgt keineswegs willkürlich, sondern nach klaren gesetzlichen Regeln. Wenn bei der jährlichen Prüfung die tatsächlichen Versicherungsleistungen eines Tarifes erheblich von der Kalkulation abweichen, müssen die Beiträge überprüft werden. Das Ergebnis ist der Finanzaufsichtbehörde BaFin und einem unabhängigen Treuhänder vorzulegen.
Um die Beitragsentwicklung in der PKV bewerten zu können, liegt ein Vergleich mit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nahe. Selbst wenn deren Beitragssatz formal gleich bleibt, kommt die GKV ihre Versicherten faktisch jedes Jahr teurer zu stehen. Denn auf jeden Lohnzuwachs werden auch zusätzlich Beiträge fällig. Zudem wird jährlich die Bemessungsgrenze erhöht, sodass immer größere Einkommensanteile zum Beitrag herangezogen werden. Dass auch das nicht reicht, beweisen die Zuzahlungen für Arzneimittel oder die Praxisgebühr sowie die anhaltenden Leistungskürzungen der GKV, etwa beim Zahnersatz oder bei rezeptfreien Arzneimitteln. Ganz zu schweigen davon, dass im Jahr 2010 zusätzlich 15,7 Milliarden Euro aus der Staatskasse in die GKV fließen. Allein diese Summe entspricht einer Beitragserhöhung von rund 10 Prozent! Auch das zahlen die Bürger - zwar nicht als GKV-Beitrag, jedoch über Steuern.
Dies alles verschleiert die wahren Kosten in der GKV, während die private Krankenversicherung, die den vereinbarten Leistungsumfang ein Leben lang garantiert, die Realität in ihrer Kalkulation abbilden muss. Und die Realität ist, dass das Gesundheitswesen stetig teurer wird, schon wegen des medizinischen Fortschritts und der steigenden Lebenserwartung. Dadurch entstehen zum Glück nicht nur höhere Kosten, sondern auch mehr Lebensqualität.
Gleichwohl darf und wird die PKV nicht tatenlos zuschauen, wie ihre Vorzüge durch steilen Anstieg der Leistungsausgaben konterkariert werden. Der Koalitionsvertrag kündigt neue Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte an. Die PKV kämpft dabei für Vertragskompetenzen, um künftig stärker Einfluss auf Qualität, Mengen und Preise von Gesundheitsleistungen nehmen zu können.
Mit freundlichen Grüßen, Ihr
Volker Leienbach
Direktor des Verbandes der privaten Krankenversicherung e.V.