PKV Publik Ausgabe 07/2008
MEINUNG
Gleiche Behandlung, anderer Service
Vor zwei Jahren hat die KBV erstmals eine repräsentative Befragung zur Zufriedenheit der Versicherten mit der ambulanten ärztlichen Versorgung durchgeführt. Jetzt haben wir dies wiederholt und dabei unter anderem auch wieder Fragen nach Wartezeiten bei der Terminvergabe gestellt.
Die Resultate der Befragung sind sowohl insgesamt als auch im Hinblick auf die Wartezeiten sehr gut ausgefallen: 16 Prozent der Patienten sind zuletzt ohne Terminvereinbarung zum Arzt gegangen, drei Prozent gaben an, dass ihre Arztpraxis grundsätzlich ohne Terminvergabe arbeitet. 31 Prozent bekamen sofort einen Termin. Das bedeutet, dass es für die Hälfte der Befragten überhaupt keine Wartezeiten gab. Sieben Prozent warteten einen Tag, elf Prozent zwei bis drei Tage, weitere elf Prozent bis zu einer Woche. Negativ muss gewertet werden, dass elf Prozent zwei bis drei Wochen und neun Prozent noch länger warten mussten.
Nur eine Minderheit der Befragten empfindet es als störend, wenn es Wartezeiten gibt. 90 Prozent aller Befragten und 80 Prozent derjenigen, die eine Wartezeit hatten, hat es nicht zu lange gedauert, bis sie einen Termin bekommen haben.
Bei allen Wartezeiten zeigt sich, dass gesetzlich Versicherte länger warten als Privatversicherte. Bekommen 30 Prozent aller gesetzlich Versicherten sofort einen Termin, sind es bei den Privatversicherten 39 Prozent. Gesetzlich Versicherte gehen dabei häufiger (17 Prozent) ohne Termin zum Arzt als Privatversicherte (elf Prozent). Allerdings: Bei fast doppelt so vielen gesetzlich wie Privatversicherten betrug die Wartezeit über drei Wochen.
Einige Politiker nutzen diese Unterschiede in den Wartezeiten dazu, die sogenannte Zwei-Klassen-Medizin anzuprangern und eine Angleichung der Versicherungen zu fordern. Dazu muss man aber erst einmal fragen: Woher kommen diese Unterschiede? Die Antwort liegt auf der Hand: Privatversicherte sind für die meisten Praxen überlebensnotwendig, weil es in der PKV keine Budgets gibt und die Vergütung in der Regel besser ist. Sie werden daher bevorzugt mit Terminen versorgt. Aus unserer Sicht wäre es völlig falsch, die schlechteren Konditionen der gesetzlichen Krankenversicherung auf alle zu übertragen. Der gegenteilige Weg, nämlich über die Neuordnung der vertragsärztlichen Vergütung für eine bessere Honorarsituation bei gesetzlich Versicherten zu sorgen und die geltenden Budgets abzuschaffen, ist der richtige. Das setzt allerdings voraus, dass auch die Regelleistungsvolumen, die ab 2009 gelten, entsprechend ausgestaltet werden. Da sind die gesetzlichen Krankenkassen in der Verantwortung!
Im Übrigen: Niemand wirft den Vertragsärzten vor, dass sie gesetzlich Versicherte schlechter behandeln als Privatversicherte. Die medizinische Behandlung ist identisch, die Unterschiede bestehen ausschließlich in der Servicequalität. Und die zeigt sich eben auch bei der Terminvergabe.