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PKV Publik Ausgabe 06/2008

MEINUNG

Augenlicht-Schutz gegen Kostenlawine

Unsere Gesellschaft belasten vor allem zwei chronische Altersleiden des Auges: Linsentrübung (grauer Star = GS) und Schäden an der zentralen Netzhaut (altersbedingte Makuladegeneration = AMD). Schon rund 20 Prozent der 65-Jährigen sind erkrankt, der Anteil steigt mit dem Alter. Durch die wachsende Lebenserwartung erhöht sich die Zahl der Patienten enorm: Für 2020 erwartet man 6 Millionen AMD-Patienten gegenüber 2,3 Millionen im Jahre 2000.

Neben persönlichen und sozialen Problemen droht damit eine Kostenlawine, die von den Kostenträgern nur schwer bewältigt werden kann. Deshalb muss versucht werden, die beeinflussbaren Risiken für GS und AMD frühzeitig zu senken und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.Auslösend wirkt in erster Linie das Licht. Schon einfache Gegenmaßnahmen bieten Schutz. Doch kaum einer ergreift sie, weil sich die winzigen Lichtschäden an Linse und Netzhaut völlig unbemerkt anhäufen und GS und AMD erst nach 20 Jahren diagnostiziert werden können. Schon vergleichbar einfache Maßnahmen helfen:

1. Schutz der Augenlinse mit UV 400-Filter. Damit wird das gesamte UV ausgeblendet, bei Sonnenbrillen wie auch bei farblosen Gläsern und Kontaktlinsen. Diese werden aber derzeit weitgehend noch nach der veralteten EU-Norm mit UV 380 produziert, UV 400 erfordert einen Aufpreis.

2. Schutz der Netzhaut durch einen Blauschutz. Diese lange bekannte Voraussetzung bei Sonnenbrillen wird völlig vernachlässigt.

3. Ein ringsum abschließendes Brillengestell, da an den Rändern einfallendes Licht die Wirkung auch der besten Gläser schwächt.
Dieser optimierte Lichtschutz orientiert sich an dem Schweizer Standard von 1994. Er gibt die spektrale Durchlässigkeit von Filtergläsern anhand von Kurven vor. Da solche Kurven aber von den meisten bei uns verkauften Sonnenbrillen ebensowenig bekannt sind wie ein Standard, können Arzt und Optiker nicht optimal beraten. Damit ergeben sich dringende Aufgaben:

1. Für die Augenärzte: Rasche Korrektur der EU-Norm auf UV 400; Schaffung eines Standards für optimierten Lichtschutz als Maßstab für Produzenten, Kunden und Kassen; Entwicklung eines Gütesiegels.

2. Für PKV-Unternehmen, die im Gegensatz zu den gesetzlichen Kassen Sehhilfen grundsätzlich erstatten: Prüfung aller bestehenden Maßnahmen auf unbeabsichtigte Risikoerhöhung für GS und AMD; Förderung von UV 400 bei optischen Gläsern und Kontaktlinsen und von optimiertem Lichtschutz bei Sonnenbrillen durch Anreize; Erstattung nur von gelblichen Linsen bei Staroperationen; Förderung von gelblichen Brillen bei Patienten mit farblosen Kunstlinsen.

Die Flut der GS- und AMD-Fälle rollt unerbittlich auf uns zu und damit eine enorme Kostenlawine. Handeln wir rasch, bevor wir von ihr überrollt werden!

Literatur zum Thema und Beispiele für optimierte Brillen und Gläser im Internet: www-organik.chemie.uni-wuerzburg.de/huenig
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