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PKV Publik Ausgabe 06/2007

AUS DER PKV

Mitgliederversammlung 2007: Die private Krankenversicherung bleibt der Motor für Qualität und Fortschritt im Gesundheitswesen

Auf seiner Jahrestagung am 20. Juni 2007 in Berlin hat der Verband der privaten Krankenversicherung e.V. die Bedeutung einer starken, kapitalgedeckten PKV für das Gesundheitssystem in Deutschland betont. Den durch die Gesundheitsreform erschwerten Rahmenbedingungen will die Branche mit Innovationskraft und einer Qualitätsoffensive trotzen.


„Die zentralen gesundheitspolitischen Herausforderungen der Zukunft – die Finanzierung des medizinisch-technischen Fortschritts und die Alterung der Bevölkerung – werden sich ohne PKV nicht bewältigen lassen. Wenn Gesundheit ein Wachstumsmarkt in Deutschland bleiben soll, geht das nur mit einer starken PKV“, so Reinhold Schulte, der Vorsitzende des Verbandes, vor den Repräsentanten der Mitgliedsunternehmen und der Medien.


Während sich die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), forciert durch das Wettbewerbsstärkungsgesetz, nicht nur nach eigener Einschätzung in Richtung einer politisch gewollten Standardversorgung entwickelt, bekennt sich die PKV zum medizinischen Fortschritt im Gesundheitswesen: „Fortschritt wird bei uns nicht ausgebremst. Die PKV ist und bleibt eine budgetfreie Zone“, sagte Schulte.


Traditionelle Stärken der PKV gewinnen weiter an Bedeutung

Trotz ihrer durch die Gesundheitsreform erschwerten Rahmenbedingungen zeigte sich die Branche in Berlin zuversichtlich, die Menschen auch in Zukunft mit individuellen, generationengerecht finanzierten Versicherungsprodukten überzeugen zu können: „Leistungssicherheit, freie Arztund Krankenhauswahl, guter Service, Zugang zu medizinischen Innovationen – diese Stärken der PKV gewinnen vor dem Hintergrund des politisch initiierten Rationierungskurses in der GKV immer mehr an Bedeutung“, so der Verbandsvorsitzende.


Schulte kündigte an, einen „Qualitätsstandard Privatmedizin“ voranzutreiben: „Die PKV strebt an, gemeinsam mit den Ärzten neue Maßstäbe für die Behandlung von Privatversicherten zu entwickeln. Außerdem wollen wir auf Preise, Mengen und Qualität von Arzneien, Methoden und Heilbehandlungen stärker Einfluss nehmen – in fairer Partnerschaft mit allen Leistungserbringern.“


Kritische Bilanz der Gesundheitsreform

Auf der Tagung zog die PKV eine kritische Bilanz der im April in Kraft getretenen Gesundheitsreform. So beklagte der Verbandsvorsitzende die Verschärfung der Bedingungen für die Versicherungsfreiheit, durch die vielen GKV-Versicherten die Wechselmöglichkeit in die PKV verschlossen und der Neuzugang zur PKV begrenzt wird. Gegen die Verpflichtung zur Einführung des Basistarifs mit seinem rigiden Bedingungswerk werden PKV-Unternehmen Verfassungsbeschwerde einlegen und auch bei der Mitgabe von Alterungsrückstellungen für den Bestand bestehen aus Sicht der Branche und renommierter Verfassungsrechtler unüberwindbare juristische Hürden.


Ungeachtet dessen arbeitet die PKV an einer angemessenen Umsetzung des ihr vom Gesetzgeber auferlegten Basistarifs. „Angemessen heißt dabei: Wenn der Basistarif der GKV vergleichbar sein soll, muss er auch mit entsprechenden Leistungsbegrenzungen, Kostendämpfungen und Steuerungsinstrumenten ausgestattet sein“, erklärte Reinhold Schulte im Namen der Delegierten.


Die Versammlung wandte sich gegen den kurz zuvor gefundenen Kompromiss der Großen Koalition zur Pflegeversicherung (ausführlich dazu der „Brief aus Berlin und Köln“ auf Seite 62) und gegen das Angebot von „privaten“ Zusatzversicherungen durch die gesetzlichen Kassen, zum Beispiel für Chefarztbehandlung und Komfortunterbringung im Krankenhaus.


Außerdem kritisierten die Branchenvertreter die gesetzliche Regelung für Nichtversicherte. Sie war vom Gesundheitsministerium in der Reformdebatte mit angeblich 300.000 Menschen ohne Krankenversicherungsschutz begründet worden – zum Zeitpunkt der Versammlung hattensich jedoch nicht einmal 2.200 Menschen konkret nach dem der PKV jetzt gesetzlich vorgeschriebenen, modifizierten Standardtarif erkundigt. „Da muss man sich einmal mehr fragen, ob die von SPD und Ulla Schmidt mit großer Dramatik aufgebauten Horrorszenarien um Nichtversicherte nicht in erster Linie das Ziel hatten, die Pflicht zur Versicherung einzuführen, um damit einen weiteren Hebel für mehr staatliche Einflussnahme in der Hand zu haben“, so der Verbandsvorsitzende.


Wissenschaftliche Gastvorträge

Wissenschaftlich ließen sich die Branchenvertreter das Tagungsmotto „Zukunft der Gesundheit“ von drei renommierten Hochschulprofessoren nahe bringen – ihre Vorträge sind auf den folgenden Seiten kurz zusammengefasst, die vollständige Dokumentation der Veranstaltung erscheint in Kürze als Broschüre. Prof. Dr. Christian Behl von der Universität Mainz befasste sich in seinem Referat mit der Frage, vor welchen Krankheitsherausforderungen eine alternde Gesellschaft steht. Sein Schwerpunkt lag dabei auf den beiden wesentlichen Alterserkrankungen Diabetes und Alzheimer. Diese beiden Krankheitsbilder, so Prof. Behl, werden neben einer Reihe weiterer altersassoziierter Erkrankungen die zukünftigen Epidemien unserer Gesellschaft sein.


Prof. Dr. Matthias Brandis, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums in Freiburg, berichtete über aktuelle Neuerungen, vor denen die Medizin steht – neue schonende Operationstechniken, die Entwicklung von Hochpräzisionsgeräten, Impfungen gegen heute noch nicht heilbare Krankheiten – und darüber, welche Voraussetzungen dafür notwendig sind.


Innovationen und die anwachsende Nachfrage nach teurer Spitzenmedizin führen zu steigenden Kosten im Gesundheitswesen. Damit allerdings wird unsere Gesellschaft immer unausweichlicher mit der Frage konfrontiert, wer am medizinischen Fortschritt teilhaben wird, welche Leistungen bezahlt werden können und welche nicht. Dieses brisante Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ethik schilderte Prof. Dr. Peter Propping von der Universität Bonn und Mitglied des Nationalen Ethikrats.


Neue Balance von GKV und PKV

Aus Sicht der privaten Krankenversicherungen, auch dies wurde auf der Mitgliederversammlung deutlich, ist unser Gesundheitssystem nur mit mehr Kapitaldeckung, mit mehr Eigenverantwortung und mehr Transparenz zukunftsfähig auszugestalten. „Die Politiker müssen den Mut haben, die Illusion von der Rundumversorgung zu beenden. Die Rationierungspolitik in der GKV muss für die Versicherten endlich offengelegt, sie muss kommuniziert werden. Nur dann können die Menschen sich darauf einstellen. Wir brauchen eine neue Balance von privater und gesetzlicher Krankenversicherung. Wir müssen mehr Leistungen und Menschen in der privaten Krankenversicherung absichern“, so der Verbandsvorsitzende Reinhold Schulte.

sc
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