PKV Publik Ausgabe 05/2008
AUS DER PKV
Geschäftszahlen 2007: Zugang zur Vollversicherung sinkt deutlich
Der Nettoneuzugang in die private Krankheitsvollversicherung ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Das geht aus dem aktuellen Rechenschaftsbericht der PKV hervor, der in diesen Tagen erscheint und die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2007 enthält. Einen erneuten Zuwachs konnten dagegen die Zusatzversicherungen verzeichnen. Gemessen an den Gesamtbeitragseinnahmen spielen die Zusatzversicherungen allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Die mit Abstand wichtigste Säule der PKV bleibt die Vollversicherung.
Der Nettoneuzugang zur Krankheitsvollversicherung lag im Jahr 2007 mit 59.900 Personen knapp um die Hälfte niedriger als im Vorjahr (116.100). Dieser starke Rückgang ist vor allem auf das seit dem 2. Februar 2007 geltende, dreijährige Wartemoratorium für Angestellte, die in die PKV wechseln wollen, zurückzuführen. Damit lassen sich die ersten Auswirkungen der jüngsten Gesundheitsreform schon an konkreten Zahlen ablesen. Insgesamt waren zum Jahresende 2007 8,55 Mio. Menschen privat vollversichert. Das sind 0,7 Prozent mehr als Ende 2006.
In der privaten Pflegeversicherung wurden Ende des Jahres 2007 9,32 Mio. versicherte Personen gezählt. Dies entspricht einem Zuwachs von 0,5 Prozent. Der Versichertenbestand und der Nettozuwachs in der Pflegeversicherung weichen von den entsprechenden Daten der Krankenversicherung ab, da hier die Versicherten der Postbeamtenkrankenkasse und der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten mitgezählt werden. Dies sind geschlossene Versichertenkollektive, aus denen nur noch Abgänge zu verzeichnen sind.
Zum Jahresende 2007 waren 33.395 Personen im Sozialtarif der PKV, dem sogenannten Standardtarif, versichert. Der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr lässt sich unter anderem mit der Öffnung des Standardtarifs für Nichtversicherte erklären, zu der die PKV in Folge der jüngsten Gesundheitsreform verpflichtet wurde. Seit dem 1. Juli 2007 können sich Nichtversicherte, die dem PKV-System zuzuordnen sind, im modifizierten Standardtarif versichern. Von dieser Regelung machten bis Ende 2007 rund 3.000 nicht versicherte Menschen Gebrauch. Für die Versicherungsunternehmen gilt Kontrahierungszwang, Risikozuschläge dürfen nicht erhoben werden. Der Beitrag im Standardtarif ist auf den durchschnittlichen Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (2007: 505,88 Euro) begrenzt. Liegt der Beitrag eines Versicherten kalkulatorisch über dieser Grenze, wird er auf diesen Betrag gekappt. Eine solche Kappung musste 2007 bei 3.316 Versicherten vorgenommen werden. Bei der überwiegenden Mehrheit (2.861) davon handelte es sich um ehemals Nichtversicherte.
Hohe Nachfrage bei Zusatzversicherung
In der Zusatzversicherung war im Jahr 2007 erneut ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen. Insgesamt gab es zum Jahresende 19,78 Mio. Zusatzversicherungen. Der hohe Neuzugang lässt sich insbesondere durch die anhaltende Diskussion über die Zukunft der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sowie durch bereits erfolgte Einschnitte des Gesetzgebers in deren Leistungskatalog erklären. Die daraus entstehende Verunsicherung in der Bevölkerung bewirkt eine verstärkte Nachfrage nach zusätzlicher Absicherung für den Krankheitsfall. Eine Zusatzversicherung erscheint vielen daher heute wichtiger denn je. Darüber hinaus wirkt sich die 2004 ermöglichte Kooperation zwischen PKV und GKV weiterhin positiv auf den Vertrieb von Zusatzversicherungen aus.
Vor allem der Zuwachs bei den Zahntarifen war mit 1,42 Mio. auch im vergangenen Jahr beachtlich. Insgesamt gab es zum Ende des Jahres 10,79 Mio. Zahnzusatzversicherungen. Einen deutlichen Zuwachs gab es mit 7,7 Prozent auch im Bereich der ambulanten Zusatzversicherungen. Zum Jahresende gab es insgesamt 6,35 Mio. solcher Tarife. Im Vergleich dazu fiel der Zuwachs zu den Tarifen für Wahlleistungen im Krankenhaus mit 1,4 Prozent moderat aus. Insgesamt gab es aber immerhin 5,17 Mio. solcher Zusatzversicherungen.
Zu den Versicherungsarten, die nicht nur für gesetzlich Versicherte, sondern auch für Privatversicherte als Ergänzung zu ihrer Vollversicherung interessant sind, zählen die Krankentagegeld-, die Krankenhaustagegeld- und die Pflegezusatzversicherung. Von diesen konnte insbesondere die Pflegezusatzversicherung mit 18,5 Prozent einen deutlichen Anstieg verzeichnen. Mit 1,17 Mio. Versicherungen übersprang sie erstmals die 1-Millionen-Marke. Diese Zahlen zeigen, dass die Notwendigkeit einer zusätzlichen Absicherung für den Pflegefall offenkundig stärker ins Bewusstsein der Menschen rückt – obwohl die Absicherungsquote bezogen auf die Gesamtbevölkerung natürlich noch immer niedrig ist.
Leichter Anstieg der Beitragseinnahmen
Die Beitragseinnahmen in der privaten Krankenversicherung betrugen im vergangenen Jahr 27,57 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahr (26,61 Mrd. Euro) bedeutet dies einen Anstieg um 960 Mio. Euro beziehungsweise 3,6 Prozent. In der Pflegeversicherung lagen die Beitragseinnahmen bei 1,89 Mrd. Euro, was einem Anstieg von 1,1 Prozent entspricht. Insgesamt erhöhten sich die Beitragseinnahmen damit um 3,4 Prozent auf 29,46 Mrd. Euro.
Der Anteil der Krankheitsvollversicherung an den gesamten Beitragseinnahmen betrug 72,1 Prozent. Auf die Zusatzversicherungen zum GKV-Schutz entfielen – ungeachtet des hohen Bestandzuwachses in den vergangenen Jahren – lediglich 12,6 Prozent der Beitragseinnahmen. Daran zeigt sich sehr deutlich, dass die steigende Zahl an Zusatzversicherungen keine Kompensation für den sinkenden Neuzugang zur Vollversicherung sein kann.
Leistungen steigen um 5,3 Prozent
Die ausgezahlten Versicherungsleistungen stiegen in der Krankenversicherung um 950 Mio. Euro beziehungsweise 5,5 Prozent auf 18,22 Mrd. Euro. In der Pflegeversicherung erhöhten sich die Ausgaben um 10 Mio. Euro (1,8 Prozent) auf 570 Mio. Euro. Insgesamt lagen die ausgezahlten Versicherungsleistungen bei 18,79 Mrd. Euro und damit um 5,3 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Bei den Leistungen je Versicherten entwickelte sich der ambulante Bereich überdurchschnittlich. Nach einem leichten Rückgang im Vorjahr stiegen die Ausgaben für Zahnleistungen mit 5,5 Prozent wieder deutlich. Insgesamt erhöhten sich die Aufwendungen für Krankheitskosten je Versichertem um 5,2 Prozent.
In der PKV werden Alterungsrückstellungen gebildet. Mit ihnen wird verhindert, dass die Beiträge aufgrund der Tatsache steigen, dass ein Versicherter älter wird. Die Alterungsrückstellungen werden durch Zuführungen aus den Beitragseinnahmen und Kapitalerträgen gebildet. Im Jahr 2007 lagen sie bei insgesamt 121,5 Mrd. Euro. Das sind 8,1 Mrd. Euro (7,1 Prozent) mehr als im Vorjahr. Dabei sind die Alterungsrückstellungen in der Krankenversicherung bis Ende 2007 auf etwa 104 Mrd. Euro und in der Pflegeversicherung auf etwa 17,5 Mrd. Euro angewachsen.
jw