AUS DER PKV
Während die Zusatzversicherungen wiederum deutlich hinzugewinnen konnten, ist der Neuzugang in die private Krankheitsvollversicherung im Jahr 2006 erneut zurückgegangen. Dies geht aus dem aktuellen Rechenschaftsbericht der PKV hervor, der in diesen Tagen erscheint und die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2006 enthält. Dennoch bleibt die Vollversicherung, aus der der überwältigende Teil der Beitragseinnahmen stammt, die wichtigste Säule der PKV.
Im Jahr 2006 lag der Nettozuwachs an vollversicherten Personen mit 102.600 noch einmal niedriger als im Vorjahr mit 113.600 Personen. Der abermalige Rückgang (siehe Grafik unten) dürfte im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen sein: Zum einen wirkt sich die außerordentliche Anhebung der Versicherungspflichtgrenze im Jahr 2003 weiterhin negativ auf den Neuzugang in die PKV aus. Zum anderen hat die langwierige Diskussion über die Gesundheitsreform und die Zukunft der PKV das Neugeschäft gebremst. Insgesamt waren zum Jahresende 2006 8,476 Mio. Menschen privat vollversichert. Über zwei Millionen davon hatten neben ihrer Krankheitsvollversicherung eine Krankentagegeldversicherung bei demselben Versicherungsunternehmen abgeschlossen.
In der privaten Pflegepflichtversicherung wurden Ende 2006 9,274 Mio. versicherte Personen gezählt, 2005 waren es 9,164 Mio. Der Versichertenbestand und der Nettozuwachs in der Pflegepflichtversicherung weichen von den Daten der Krankenversicherung ab, da hier die Versicherten der Postbeamtenkrankenkasse und der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten mitgezählt werden. Dies sind geschlossene Versichertenkollektive, aus denen nur noch Abgänge zu verzeichnen sind. Im Laufe des Jahres 2006 wechselten 4.958 Personen in den Sozialtarif der PKV, den sogenannten Standardtarif. Am Jahresende waren damit insgesamt 24.822 Personen derart versichert. Im Standardtarif sind die Leistungen mit denen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vergleichbar und der Beitrag ist auf den durchschnittlichen Höchstbeitrag der GKV (2006: 505,88 Euro im Monat) begrenzt. Liegt der Beitrag eines Versicherten kalkulatorisch über dieser Grenze, wird er auf den genannten Betrag gekappt. Eine solche Kappung musste 2006 nur bei 1.138 Versicherten vorgenommen werden.
In der Zusatzversicherung war im Jahr 2006 erneut ein Zuwachs zu verzeichnen. Insgesamt gab es zum Jahresende 18,402 Mio. private Zusatzversicherungen. Der hohe Neu zugang in der Zusatzversicherung lässt sich durch zwei Aspekte erklären: Einerseits haben die anhaltende Diskussion über die Zukunft der GKV sowie bereits erfolgte Leistungskürzungen eine gewisse Verunsicherung in der Bevölkerung über die weitere Absicherung im Krankheitsfall bewirkt. Eine Zusatzversicherung erscheint vielen heute notwendiger denn je. Andererseits ist gesetzlich Versicherten der Abschluss einer Zusatzversicherung durch die 2004 eingeführten Kooperationen zwischen gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen erleichtert worden. Dieser zusätzliche Vertriebsweg wirkt sich weiterhin positiv aus. Insbesondere der Zuwachs bei den Zahntarifen war im vergangenen Jahr beachtlich. 1,636 Mio.Neuversicherte entsprachen hier einem Zuwachs von 21 Prozent gegenüber 2005. Insgesamt hatten damit 9,431 Mio. Menschen eine Zahnzusatzversicherung. Reger Nachfrage erfreute sich auch die ambulante Zusatzversicherung. Zum Jahresende hatten insgesamt 5,895 Mio. Menschen einen solchen Tarif abgeschlossen – ein Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gemessen daran fiel der Zuwachs bei Wahlleistungen im Krankenhaus mit 1,2 Prozent deutlich geringer aus. Insgesamt waren 2006 aber immerhin 5,099 Mio. Menschen in dieser Versicherungsart versichert. Zu den Versicherungsarten, die nicht nur für gesetzlich, sondern auch privat Versicherte als Ergänzung ihrer Vollversicherung interessant sind, gehört die Krankentagegeldversicherung. Für diesen Tarif entschieden sich im vergangenen Jahr 37.400 Menschen neu – insgesamt belief sich die Zahl der Krankentagegeldversicherten damit auf 3,274 Mio. In der Auslandsreisekrankenversicherung sank die Zahl der Versicherten dagegen um 430.700 Personen auf 19,897 Mio. Obwohl der Bestand in der Auslandsreisekrankenversicherung damit immer noch sehr hoch ist, hat diese Versicherungsform gemessen an den Beitragseinnahmen nur eine nachrangige Bedeutung.
Die Beitragseinnahmen in der privaten Krankenversicherung betrugen 2006 rund 26,57 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahr (25,48 Mrd. Euro) war dies ein Anstieg um 1,09 Mrd. Euro beziehungsweise 4,3 Prozent. In der Pflegepflichtversicherung lagen die Beitragseinnahmen bei rund 1,87 Mrd. Euro. Hier hat es so gut wie keine Veränderung gegeben. Insgesamt erhöhten sich die Beitragseinnahmen damit um vier Prozent auf rund 28,44 Mrd. Euro. Der Anteil der Krankheitsvollversicherung an den gesamten Beitragseinnahmen betrug 2006 72,2 Prozent.Auf die Zusatzversicherung zum GKV-Schutz entfielen ungeachtet des hohen Bestandszugangs wie in den beiden Vorjahren 12,4 Prozent der Beitragseinnahmen (siehe Grafik unten). Die Zukunft der privaten Krankenversicherung kann daher auf keinen Fall in der Fokussierung auf die Zusatzversicherung liegen.
Die ausgezahlten Versicherungsleistungen stiegen in der Krankenversicherung um rund 510 Mio. Euro oder drei Prozent auf 17,26 Mrd. Euro. In der Pflegepflichtversicherung erhöhten sich die Ausgaben um rund zehn Mio. Euro (1,8 Prozent) auf 560 Mio. Euro. Insgesamt lagen die ausgezahlten Versicherungsleistungen (Kranken- und Pflegeversicherung) bei 17,82 Mrd. Euro und damit um rund 520 Mio. Euro (drei Prozent) über dem Vorjahr. Der Bereich der ambulanten Leistungen entwickelte sich überdurchschnittlich, wobei die Kosten für Heilpraktikerbehandlung besonders hervorstechen. Letztere fallen absolut gesehen allerdings weniger ins Gewicht, da sie nur einen geringen Anteil an den gesamten Leistungsausgaben haben. Die Kosten für allgemeine Krankenhausleistungen und für die Wahlleistungen Chefarzt stiegen ebenfalls überdurchschnittlich. Die Kosten für Zahnleistungen gingen im Gegensatz zum Vorjahr leicht zurück. Lediglich bei der Kieferorthopädie war ein Zuwachs von 1,7 Prozent zu verzeichnen.Aufgeschlüsselt nach den einzelnen Leistungsbereichen entwickelten sich die Kosten je Versicherten wie folgt:
Die private Krankenversicherung bildet Alterungsrückstellungen,um den höheren Krankheitskosten aufgrund des steigenden Lebensalters der Versicherten entgegenzuwirken. Auf diese Weise wird erreicht, dass die Beiträge nicht steigen, weil der Versicherte älter wird. Die Alterungsrückstellungen werden durch Zuführungen aus den Beitragseinnahmen und Kapitalerträgen gebildet. Im Jahr 2006 lagen sie bei insgesamt rund 112,5 Mrd. Euro. Das sind 9,13 Mrd. Euro (8,8 Prozent) mehr als im Vorjahr. Dabei sind die Alterungsrückstellungen in der Krankenversicherung bis Ende 2006 auf etwa 96 Mrd. Euro und in der Pflegepflichtversicherung auf etwa 16,5 Mrd. Euro angewachsen.