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Es ist ein Thema, über das wenige gerne nachdenken, das aber viele irgendwann betrifft: die Pflege von Alten, Kranken und Behinderten. COMPASS, die Pflegeberatung der privaten Krankenversicherung, berät und begleitet die Betroffenen in dieser schwierigen Lage und leistet einen Beitrag zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflege. Von Dr. Sylke Wetstein
Wie jeden Tag in den vergangenen beiden Wochen geht Ursula Wickert (Namen von der Redaktion geändert) über den langen Flur des Krankenhauses, nickt den Schwestern auf der Station zu und öffnet die Zimmertür ihres Mannes. Als sie ihm zur Begrüßung liebevoll die Hand streichelt, lächelt Bernard Wickert. Sprechen kann er kaum noch. Vor zwei Wochen kam er mit einem Schlaganfall in die Klinik. In den nächsten Tagen wird er entlassen. Wie soll es dann weitergehen?
Eine Frage, vor der in Deutschland jedes Jahr viele Tausend Pflegebedürftige und ihre Angehörigen stehen, Tendenz steigend. Denn bis 2050 wird sich die Zahl der Bedürftigen nahezu verdoppeln: Von heute 2,25 Millionen auf mehr als 4 Millionen, schreibt die Deutsche Bank Research in ihrem jüngsten Bericht zur Pflegeversicherung.
Wenn ein Mensch der Pflege bedarf, tauchen viele Probleme auf. Die Pflegebedürftigen selbst und ihre Angehörigen fühlen sich vor allem am Anfang mit dieser Situation überfordert, alleine gelassen im immer dichteren deutschen Pflege-Dschungel: Gerade einmal 13 Prozent der Bundesbürger fühlen sich gut informiert, wenn es um das Thema Pflege geht. Mehr als die Hälfte bezeichnet den eigenen Informationsstand als schlecht. Das hat eine Umfrage des Bertelsmann Gesundheitsmonitors ergeben.
Wie groß der Informations- und Beratungsbedarf ist, erfahren die COMPASS-Mitarbeiter täglich in den Gesprächen mit ihren Klienten. Seit Januar 2009 sind die Pflegeberater der im vergangenen Juni neu gegründeten Tochtergesellschaft des PKV-Verbandes in ganz Deutschland im Einsatz. Mehr als 3.000 Menschen haben seither die Pflegeberatung der Privaten vor Ort in Anspruch genommen – mittleren Alters zumeist, die mit einer Pflegesituation in der Familie konfrontiert sind und erkannt haben, dass sie die Klippen und Untiefen des komplizierten deutschen Sozialsystems am besten mit Hilfe eines sach- und fachkundigen Lotsen umschiffen können. Die Pflegeberater kommen zu ihnen nach Hause, um die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen im heimischen Umfeld zu beraten.
„Wir bewegen uns mit unserem Angebot auf die Menschen zu. In ihrer oftmals schwierigen Situation und bei eventuell eingeschränkter Mobilität sollten sie nicht zusätzlich belastet werden“, erklärt COMPASS-Geschäftsführerin Elisabeth Beikirch das Konzept der aufsuchenden Pflegeberatung. Das Ehepaar Kaufmann aus dem bayerischen Hohenfurth ist dankbar für dieses Angebot. „Meine Frau kann mit ihren Schmerzen unmöglich irgendwohin fahren, um sich Rat zu holen“, sagt Erwin Kaufmann.
Auch Familie Steiner nimmt das Angebot des Hausbesuchs gerne an. Der dreijährige Sohn ist behindert und die Eltern fühlen sich mit der Situation häufig überfordert. Michael Steiner ist berufstätig und kommt abends oft erst spät nach Hause, seine Frau Katrin kümmert sich um die Kinder. Neben dem behinderten Sohn Lukas fordern auch die beiden älteren Geschwister die Aufmerksamkeit der Eltern. „Wir sind froh, dass die Pflegeberatung hier bei uns zu Hause stattfinden und sich der Pflegeberater ein Gesamtbild von unserer Situation machen konnte“, sagt Michael Steiner. Gemeinsam mit der Familie hat der COMPASS-Mitarbeiter die Situation analysiert und einen individuellen Pflege- und Hilfeplan erarbeitet.
„Kontakte zu allen Akteuren in der Region sind enorm wichtig für die tägliche Arbeit“, sagt Gebietsleiter Friedhelm Rink. Die Teilnahme an Arbeitskreisen, das Aufsuchen von stationären und ambulanten Einrichtungen, Kontakte zu Ärzten oder Gespräche mit dem Sozialamt und Selbsthilfeorganisationen – all das gehöre dazu, wenn man die Menschen gut beraten wolle. Um die Pflegeberater in ihrer Arbeit zu unterstützen, werden in der Kölner Zentrale Wissens- und Adress-Datenbanken aufgebaut, so dass die Pflegeberater in Zukunft während des Termins mit dem Klienten per Mausklick Gesetzesformulierungen nachschlagen oder eine Liste der Pflegeheime in der Region aufrufen können.
Die COMPASS-Pflegeberatung ist dezentral organisiert. Bundesweit werden zehn Regionalbüros etabliert, die jedoch nicht als Anlaufstelle für die Klienten dienen. Vielmehr sind die Büros Treffpunkte der regionalen Teams. Hier besprechen die Mitarbeiter komplexe Fälle oder nehmen auch Termine mit Netzwerkpartnern wahr. Denn Netzwerkarbeit ist bei COMPASS neben der Pflegeberatung ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit. „Unsere Teamleiter und Berater vor Ort pflegen gute Kontakte zu den regionalen Akteuren. Ziel der Netzwerkarbeit ist unter anderem eine gute Zusammenarbeit mit etablierten Altenhilfe- und Behindertenstrukturen und deren Stärkung“, erläutert Beikirch. Im Rahmen der Pflegeberatung und Netzwerkarbeit kann deutlich werden, welche Angebote in der Region noch fehlen oder welche besonderen Strukturen sie aufweist, die im Interesse der Pflegebedürftigen auch anderswo in Deutschland etabliert werden sollten.
Pflegeberatung setzt nicht erst dann ein, wenn Menschen der Pflege bereits bedürfen. Vielmehr beraten COMPASS-Mitarbeiter auch solche Klienten, bei denen die Pflegebedürftigkeit noch weit entfernt scheint. „Wir haben öfter Termine mit Senioren, die sich frühzeitig darüber informieren möchten, welche Möglichkeiten der Hilfe es gibt“, berichtet Elke Krautmacher, eine von vier Teamleitern im Regionalbüro Köln über ihre Erfahrungen der ersten drei Monate. Auch bei regionalen Treffen von Seniorenclubs, Ruheständlern oder Selbsthilfegruppen und Unternehmen präsentieren die Pflegeberater das Angebot der Privaten.
„Einen schönen guten Tag! COMPASS Private Pflegeberatung, mein Name ist Marion Maurer. Wie kann ich Ihnen helfen?“ Rat und Unterstützung suchen die Anrufer, die täglich die kostenfreie Servicenummer von COMPASS wählen. Durchschnittlich 700 Mal pro Woche klingeln die Apparate bei der telefonischen Pflegeberatung in der Kölner Zentrale des Unternehmens. 13 Mitarbeiter nehmen die Anrufe entgegen und beantworten die Fragen. „Manchmal nimmt eine telefonische Pflegeberatung bis zu einer Stunde in Anspruch. Vor allem dann, wenn es um psychosoziale Unterstützung der Familie geht“, sagt die zuständige Abteilungsleiterin Nicole Reinhardt. Die Pflegeberater arbeiten im Zwei-Schichtsystem, so dass die Telefone von morgens acht bis abends sieben Uhr besetzt sind. Auch samstags ist die telefonische Pflegeberatung erreichbar. Die Mitarbeiter sind erfahrene Fachkräfte aus dem Gesundheits- und Sozialbereich, die zu Beginn ihrer Tätigkeit bei COMPASS eine intensive hausinterne Schulung durchlaufen haben.
Welche Gesundheitsdaten dürfen in der Klientenakte gespeichert werden und wer hat Zugang zu dieser Akte? Bevor die Mitarbeiter von ihrem Heimbüro aus zu Pflegeberatungen starten oder in der telefonischen Pflegeberatung ihre Arbeit aufnehmen, durchlaufen sie in der Kölner COMPASS-Zentrale eine sechswöchige Schulung. An diesem Dienstagvormittag steht das Thema Datenschutz und Datensicherheit auf dem Schulungsprogramm der 23 neuen COMPASS-Pflegeberater. Das Curriculum ist anspruchsvoll. Der Themenplan reicht von der Gesetzgebung in den verschiedenen Sozialgesetzbüchern über Datenschutz, Beihilfe und Netzwerkarbeit bis hin zu den Musterbedingungen der PKV, dem Case Management und einer intensiven IT-Schulung. Wenn die Kursteilnehmer Mitte Mai, ausgerüstet mit einem COMPASS-Laptop und einem umfangreichen Handbuch, zurück in ihre Heimatregionen fahren, um dort ihre ersten Pflegeberatungen zu vereinbaren, werden knapp 200 Mitarbeiter in ganz Deutschland im Einsatz sein.
Ursula Wickert hat inzwischen einen Termin zur Pflegeberatung vereinbart. „Jetzt sehe ich der Krankenhausentlassung meines Mannes schon gelassener entgegen und fühle mich nicht mehr so hilflos. Ich bin froh, dass es diesen Service gibt.“