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PKV PUBLIK AUSGABE 4/2009

GASTKOMMENTAR

 

„Wir appellieren an die Erwachsenen“ 


DGKJ-Präsident Prof. Dr. med. Fred Zepp über Impflücken, Infektionskrankheiten und Herdenschutz.


Für uns Kinder- und Jugendärzte ist das Gespräch mit den Eltern unserer kleinen Patienten unverzichtbar. Kinder als Patienten können häufig noch nicht selbst bestimmen, was mit ihnen geschieht – daher tragen ihre Eltern die Verantwortung für ihr Wohlergehen. Das Thema Schutzimpfungen macht besonders gut deutlich, wie schwerwiegend und nachhaltig die Bedeutung von Entscheidungen sein kann, die Eltern für ihr Kind treffen müssen.


Für Eltern ist die Entscheidung für oder gegen eine Schutzimpfung nicht immer leicht. Viele suchen zunächst im Internet nach Informationen und müssen sich mit den dort kursierenden, vielfach widersprüchlichen Äußerungen, die nicht immer seriös recherchiert sind, ausein­andersetzen. Als wissenschaftlich gut begründete und zuverlässige Quelle kann jedoch immer der Impfkalender der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen werden. Er gibt Orientierung darüber, wann welche Schutzimpfung für das Kind – und den Erwachsenen – empfehlenswert ist. Die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission erscheinen jeweils im Juli und sind online unter www.rki.de abrufbar.


Fragen zu Impfungen können und sollten Eltern immer vertrauensvoll mit ihrem/ihrer Kinder- und Jugendarzt/-ärztin besprechen und gemeinsam die rechtzeitige Durchführung der notwendigen Impfungen planen. Kinder- und Jugendärzte leisten tagtäglich im persönlichen Gespräch Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit, um einen umfassenden Impfschutz von Kindern und Jugendlichen zu gewährleisten. Die hohen Durchimpfungsraten von bis zu 95 Prozent für die empfohlenen Impfungen im Kindesalter belegen den Erfolg ihres Engagements!


Weniger günstig sieht es heute noch beim Impfschutz der Erwachsenen aus, der nicht selten ausgesprochen lückenhaft ist. Ein Beispiel: Die STIKO empfiehlt für Erwachsene eine regelmäßige Auffrischimpfung gegen Diphtherie und Tetanus, in der Regel im Abstand von 10 Jahren. Während bei Kindern Durchimpfungsraten von durchschnittlich 95 Prozent erreicht werden, fällt der Anteil regelrecht geimpfter Erwachsener z.B. für Diphtherie bei 35-Jährigen auf etwa 40 Prozent.


Impflücken bedrohen nicht nur diese einzelnen, unzureichend immunisierten Menschen durch ihr erhöhtes persönliches Erkrankungsrisiko für schwere Infektionen, sondern können sich auch auf den Gesundheitszustand der gesamten Gesellschaft negativ auswirken. Erst wenn mehr als 90 Prozent der Bevölkerung durch Impfung gegen eine Infektionskrankheit wie zum Beispiel Keuchhusten geschützt sind, kommt es zu einer nachhaltigen Abnahme der Krankheitsübertragung und Ansteckung – dadurch entsteht der zusätzliche Schutz einer sogenannten Herdenimmunität. Von dieser Situation profitieren dann auch nicht geimpfte Menschen und besonders solche, die aufgrund anderer Probleme oder schwerwiegender Krankheiten nicht geimpft werden können.


Bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Masern, einschließlich deren schweren Folgeerkrankungen und gar Todesfällen, sind wir besonders auf das Verantwortungsgefühl aller Erwachsenen angewiesen, ob sie nun Eltern sind oder nicht. Nur eine umfassende Impfstrategie für alle Bevölkerungsgruppen kann hier vor Rückschlägen schützen.


Auf der 1. Nationalen Impfkonferenz im März dieses Jahres verständigten sich Experten aus Wissenschaft und Politik darauf, einen Nationalen Impfplan zu erarbeiten, der durch Festlegung gemeinsamer Impfziele, Aufklärung der Bevölkerung, Förderung der notwendigen Infrastruktur und Logistik sowie der Evaluation des Impferfolges zuverlässige Grundlagen für ein erfolgreiches Impfwesen in Deutschland legen wird. Bis dahin setzen wir Kinder- und Jugendärzte auf die sachliche und kompetente Information über die Chancen der Schutzimpfung von Kindern – und von Erwachsenen.

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Prof. Dr. med. Fred Zepp

Prof. Dr. med. Fred Zepp ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ). Diese ist die Fachgesellschaft der Pädiatrie in Deutschland und vertritt über 14.000 Kinder und Jugendärzte.