PKV Publik Ausgabe 04/2008
AUS DER PKV
Ombudsmann Dr. Helmut Müller: „Wichtig ist die Begegnung auf Augenhöhe“
Sie haben Ihr Amt am 1. November 2007 übernommen. Der Tätigkeitsbericht bezieht sich damit größtenteils auf den Zeitraum vor Ihrer Zuständigkeit...
Das ist richtig. Das Aufgabenfeld hat sich aber seit der Einführung des Ombudsmanns im Jahr 2001 nicht groß geändert. Die typischen Probleme der Versicherten in der privaten Krankenversicherung sind ja nicht neu. Wichtig ist mir insbesondere, dass sich Versicherungsnehmer und Versicherer auf Augenhöhe begegnen. Wenn ein Gerichtsverfahren vermieden werden kann, ist schon viel erreicht. Keine der beteiligten Parteien möchte bei Streitigkeiten eine gerichtliche Auseinandersetzung.
Insgesamt sind die Beschwerdezahlen erneut gestiegen. Woran liegt das?
Für den Anstieg um circa 13 Prozent auf knapp 4.000 Eingänge gibt es mehrere Gründe: Den Versicherten ist die Einrichtung mittlerweile bekannt. Einige haben sich bereits mehrfach gemeldet, um ihre Meinungsverschiedenheiten klären zu lassen. Auch die Versicherer selbst zeigen die Möglichkeit der außergerichtlichen Klärung auf. Die Versicherten werden nicht länger kompromisslos auf ein Gerichtsverfahren verwiesen, welches im Zweifel weiteren Ärger für alle Beteiligten nach sich zieht und die Fronten verhärtet. Das begrüße ich natürlich. Es gibt auch einige Neuerungen in meinem Tätigkeitsfeld, wie beispielsweise die Einbeziehung von Streitigkeiten zwischen Versicherungsvermittlern oder –beratern und den Versicherungsnehmern.
Erwarten Sie hier viele Beschwerden?
Bislang hält sich das in Grenzen. Auch die Vermittler haben erkannt, dass unzufriedene Kunden schlecht für das Geschäft sind und in der Versicherungsbranche Vertrauen ungemein wichtig ist.
Die Beschwerden im Zusammenhang mit der medizinischen Notwendigkeit von Behandlungen haben zugenommen, gleichzeitig ist die Erfolgsquote gesunken. Warum?
Der Kostendruck im Gesundheitswesen ist enorm. Und er wird weiter steigen Die Versicherer prüfen deshalb viel genauer, ob ein Leistungsanspruch besteht oder nicht. Für Kulanzzahlungen ist insgesamt weniger Raum. Auf der anderen Seite ist die Tendenz zu erkennen, dass die Versicherten Leistungen für Präparate und Anwendungen erwarten, die eindeutig dem privaten Lebensbereich und nicht der Krankenversicherung zuzuordnen sind. Im Interesse der Versichertengemeinschaft können die Versichererer ein solches Anliegen nicht widerspruchslos finanzieren.
Gab es viele Anfragen von Nichtversicherten wegen des modifizierten Standardtarifs?
Der große Ansturm auf die Privaten ist bislang ausgeblieben. Bis Ende Februar 2008 wurden circa 3.600 Rückkehrer in die PKV verzeichnet. Es werden aber sicher noch mehr. Anfragen gab es insbesondere bei Einführung des modifizierten Standardtarifs, da anfangs Unklarheiten bestanden und erst eine gewisse Praxis entwickelt werden musste. Mittlerweile hat sich das aber eingespielt, so dass ich hier auf Dauer keine steigenden Beschwerdezahlen erwarte. Sr